BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE – Bloody Unholy Christmas

Psychobilly

Blutige Weihnachten wünschen euch die Bloodsucking Zombies from outer Space. Ob sich das Massaker lohnt, verrät euch der Polytox-Check.

Weihnachtsalben haben oft folgendes Problem: Weihnachten. Sie setzen, vor allem textlich, auf die üblich schwülstige, aufgesetzt heimelige Atmosphäre; das ist deswegen schlecht, weil man die Songs nur einige Wochen im Jahr hören kann – wenn überhaupt. Nach Weihnachten verschwindet die Musik dann mit den Christbaumkugeln, den Backformen und dem ganzen anderen Kitsch für ein Jahr im Karton. Man muss schon eine „is mir doch alles scheißegal“-Attitüde vom Schlage Donald Trumps mitbringen, um im Hochsommer Weihnachtssongs zu hören. Beim Album der Wiener Psychobilly- und Horrorpunkkapelle ist das zum Glück anders, denn nur der Opener, der dem Longplayer den Namen gegeben hat und der einzige selbstgeschriebene Song ist, nimmt Bezug zu Weihnachtsmann und Co. – natürlich psychobilly-like. Ansonsten bekommt der Hörer einen Querschnitt aus der Rock- und Popgeschichte. Die vier Österreicher rocken, slappen und rollen sich durch Song von Madonna („Material Girl“), Kiss („God Of Thunder“) oder den Beatles („Help“) – dass sie die Klassiker nicht nahe am Original interpretieren, war zu erwarten und ist auch der Fall.

 Dass sie das weniger aus Respekt vor den ursprünglichen Interpreten taten, verrät uns das Booklet: Nein, die blutsaugenden Untoten aus dem Weltall sind keine Fans des Pops der Siebziger- und Achtzigerjahre – vielmehr ist es eine liebgewonnene Tradition der Band, um Weihnachten rum ein Konzert zu spielen und dieses mit einem jährlichen wechselnden Cover-Set zu eröffnen – samt stilechter Verkleidung, versteht sich, womit sie sich zur eigenen Vorband machen. Und wenn das Publikum jedes Mal genauso viel Spaß hat wie die Band, warum nicht nach zehn Jahren ein Album machen?! Die Gastauftritte von Koefte deVille („Welcome To The Jungle“) und Bela B. („Thriller“) machen das Album nicht schlechter und auch nicht besser, unterstreichen aber das Standing der Band.

PS: Das Christstollen-Rezept des Gitarristen und Keyboarders Reverend Bloodbath, das das schön gestaltete Booklet bereichert, werde ich nicht probieren – aber das Rezept für das Eier-Rum-Gesöff des Bassisten Dr. Hermann Schreck klingt verlockend. 


Format: CD/LP

Label: Schlitzer-Pepi Records

Band Website: www.zombies.at/

Label Website: www.zombies.at/schlitzer_pepi_rec.htm

Tilmann Ziegenhain

Tilmann Ziegenhain

Der leicht adipöse Mittdreißiger kann von vielem etwas, aber nichts richtig und hatte damit die besten Voraussetzungen, um irgendwas mit Medien zu machen. Wenn er nicht in Mannheim als Redakteur arbeitet, studiert er in Frankfurt, lebt in Darmstadt oder fällt in seinem Geburtsort Wiesbaden rum.
Hätte er mehr Zeit, würde er gerne Sütterlin und Blues Harp lernen – oder öfter die Rüsselspringer im Zoo besuchen. Weil er aber immer noch nicht das Zehnfingersystem beherrscht, hat er keine.
Eine der letzten ungeklärten Fragen unserer Zeit ist ihm zufolge, wie Vegetarier eigentlich zu fleischfressenden Pflanzen stehen.
Nachdem er heute zum ersten Mal in der dritten Person über sich geredet hat, fragt er sich außerdem, ob es nicht Zeit für einen Künstlernamen wäre.
Tilmann Ziegenhain

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