Das Vollversagen der Öffentlich-rechtlichen und der neue Bundespräsident

Kommentar zur Wahl von Frank-Walter Steinmeier

Wieso dürfen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eigentlich Teile meines Beitrages für solch eine selten überflüssige Berichterstattung verschleudern, wie zur heutigen Wahl von Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten?

Morgens nach dem Aufstehen lasse ich mich gerne im Hintergrund etwas bedudeln, bis die ersten Nachrichten kommen. Heute wurde ich dabei mal wieder mit einer völlig sinnfreien Information belästigt: Im Laufe des Tages gäbe es über die öffentlich-rechtlichen Sender in Radio und TV verteilt, verschiedene Sondersendungen zur ach so wichtigen Wahl des neuen Bundespräsidenten.

Tschuldigung, aber bescheuerter geht es wirklich kaum. Oder kann mir jemand erklären inwiefern diese Wahl denn interessant sein sollte? Also so interessant, dass man darüber den ganzen Tag hier und da berichtet. Das Ergebnis, dass Frank-Walter Steinmeier ab heute dieses Amt inne haben wird, ist doch schon seit Wochen bekannt. Also der Mann, der wohl einen Deutschen vier Jahre in Guantanamo weiter foltern ließ, obwohl er schon längst wieder aus dieser Hölle rauskommen hätte können; oder der mit dem Verdacht leben muss, dass er in dem Irakkrieg nach 9/11 zusammen mit dem BND der USA doch half, obwohl sich sein damaliger SPD-Bundeskanzler medienwirksam gegen eine deutsche Beteiligung aussprach; oder, dass er nach wie vor unter Verdacht steht dem amerikanischen Geheimdienst NSA jahrelang Daten weitergegeben zu haben. Von seiner tatkräftigen Beteiligung der geliebten Agenda 2010 möchte ich erst gar nicht reden.

Doch geht es mir wie gesagt gar nicht darum, wie viel Dreck Frank-Walter Steinmeier am Stecken hat und nun über sein neues Amt ein ganzes Land moralisch repräsentiert, sondern um das Verprassen meines Runfunkbeitrags für die Langeweile pur.

Ich frage mich ernsthaft, wer sich diesen Stuss bei der Programmgestaltung ausgedacht hat und warum. Wen möchte man denn damit erreichen und was will man damit vermitteln? Sollten werdende Erstwähler für die Bundestagswahlen angesprochen werden, dann hat man da souverän am Ziel vorbeigeschossen. Denn ein Verständnis für Demokratie hat man heute sicher nicht vermittelt bekommen. Stattdessen ein Paradebeispiel dafür vorgelegt gekriegt, wie Scheindemokratien funktionieren und wie man im Stile der letztjährigen Brennpunkt-Diarrhoe darüber berichtet. Da wurde Spannung versucht aufzubauen, wo es gar nicht geht. Oder hatte wirklich jemand gedacht Die Partei hat in der Bundesversammlung Gratis-Ecstasy verteilt, das zur Wahl von Engelbert Sonneborn führt – dem Vater von Titanic-Ex-Chefredakteur Martin Sonneborn? Schön wäre es gewesen, weil seine Vorstellung in der heute-show schon sehr an die guten Zeiten der APPD erinnerte.

Wie dem auch sei, der Vollständigkeit halber hat man die Kandidaten, respektive Verlierer vorgestellt und erklärt wie die Wahl in der Bundesversammlung abläuft. Auf letzteren Punkt bezogen, hätte ich nen ernst gemeinten Vorschlag: Wie wäre es denn, wenn man der Zusammensetzung der Bundesversammlung ähnlich, Personen an der Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beteiligt, die dort nicht ihre Brötchen verdienen und tatsächlich einen Bezug zu Themen haben, die den Großteil der Bevölkerung interessiert oder interessieren sollte?

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky

Letzte Artikel von Bocky (Alle anzeigen)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*