es war mord – unter kannibalen

wie bitte, was?

es war mord, was für ein Bandname. Beziehungsweise was ist denn damit gemeint? Raum für Interpretationen ist auf jeden Fall gegeben. Lässt man sich darauf ein und denkt nach dem Lesen der Texte wird das eindeutiger, dann ist das leider nicht der Fall. So immerhin bei mir. Denn auch die Lied-Inhalte sind zwar deutsch, jedoch nicht wirklich einfach zu deuten – ein großer Teil wenigstens.

Stattdessen habe ich ständig das Gefühl nur so ungefähr verstanden zu haben, was Sänger Stunk da meint. Unterm Strich scheint es aus der Magengrube heraus jedoch nichts wirklich Gutes zu sein. Der Grund dafür ist der tiefe und dunkle Sound, in den das Dutzend Songs gebadet wurden. Man könnte meinen, die ganze Band ist just den norddeutschen Achtzigern entsprungen.

 

Zumindest hier liegt man nicht ganz falsch, wenn man den Fokus auf das Alter legt und links liegen lässt, dass es war mord tatsächlich in Berlin beheimatet sind. Denn die Bandmitglieder sind alle um die Fünfzig herum und haben darüber hinaus bleibende Kerben im deutschen Punkrock hinterlassen – Vorkriegsjugend, Zerstörte Jugend, Jingo De Lunch und Situations, um nur ein paar zu nennen.

Gänzlich rund wird das Debütalbum dieser recht jungen Band, bestehend aus alten Hasen durch das überaus feine Artwork des Künstlers Fritz Ebeling. Das zeigt einen Holzschnitt aus dem Jahre 1971, mit dem Titel Der Krieg.

es war mord ist mit ihrer ersten vollständigen LP ein sowohl musikalisch als auch inhaltlich dichtes Album gelungen, wie man es seit einiger Zeit nicht gehört hat und wiederum für längere Zeit nicht hören wird. Und dafür bin ich ihnen überaus dankbar.

Vorabinfo: Weil ich von der Band derart begeistert bin, folgt in rund zwei Wochen ein Interview auf diese Review. Eben auch weil ich wissen will, was es mit dem ursprünglichen Titel „Erinnerungen des Agenten, der aus Notwehr mit den Kannibalen knutschte“ auf sich hat.


Info

Format: LP, CD, MC

Label: Sounds Of Subterrania

Band Website: es war mord

 

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
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