Euer Feminismus kotzt mich an

Dianas Girlumne

Wer sich noch an meine PUNKROCK!-Kolumne erinnern kann, weiß, dass ich mich sehr gerne aufrege. Daher freue ich mich, künftig auch auf Polytox rumpöbeln zu dürfen – und zwar über das Leben als Frau und den ganzen Rattenschwanz der dranhängt. So viel ist klar, der Stoff wird mir so schnell nicht ausgehen, also viel Spaß mit meiner wütenden Girlumne!

Feministinnen, sind das nicht diese männerhassenden Weiber, die sich nicht unter den Achseln rasieren und in den Sechzigern ihre BHs verbrannt haben? Ähm, jein. Die mag es gegeben haben, doch wie bei den meisten Klischees bilden auch die bloß eine kleine Minderheit. Das Schlimmste am Feminismus ist, dass es ihn überhaupt noch geben muss. Ich meine, wir leben im Jahr 2016 und das in einem sogenannten „First World“-Staat, der seit elf Jahren von einer Kanzlerin regiert wird. Ist es nicht zum Kotzen, dass man als Frau unter diesen Voraussetzungen noch immer für Gleichberechtigung kämpfen und sich für Dinge rechtfertigen muss, die selbstverständlich sein sollten? Ja, ich bin wütend! Wütend, weil meine männlichen Kollegen mehr Kohle für denselben Job bekommen. Wütend, weil ich bei einer Krankmeldung lieber angebe, etwas Falsches gegessen zu haben als meine eigentlich viel schlimmeren Menstruationsschmerzen beim Namen zu nennen. Und ich bin wütend, weil kein Tag mehr vergeht, an dem mir bei Facebook kein neo-feministischer Schwachsinnsartikel angezeigt wird, der zum Rumhuren für die weibliche Unabhängig auffordert oder Männer abfeiert, die das Wort „Menstruation“ in den Mund nehmen können, ohne dass es ihnen hochkommt. Wow.

Menstruation aus der Hölle

Wer sich noch an meine PUNKROCK!-Kolumne erinnern kann, weiß, dass ich eine große Leidenschaft fürs Hassen pflege. Und ich sage euch, bei diesem Thema geht mir das Herz auf. Ich meine, was ist das für eine kranke Welt, in der ich mich wohler dabei fühle, meine Kollegen glauben zu lassen, ich hätte Durchfall als ihnen zu sagen, dass ich mit Unterleibskrämpfen im Bett liege und einen langsamen Menstruationstod sterbe? Blöderweise kommt dieses Verhalten ja nicht von irgendwo her. Denn mit der Wahrheit würde man bloß die Vorurteile jener Neandertaler befeuern, die vom schlechten Wetter bis zur schlechten Laune alles auf den weiblichen Zyklus schieben: „Was’n los, hast du deine Tage?“ Für diesen Spruch gehört jedem Typ der Mund mit einem Tampon gestopft. Doch es sind eben nicht nur diese Standarddinge, die mich in den Wahnsinn treiben – schlimm genug, dass es überhaupt Probleme gibt, denen sich das Wort „Standard“ voranstellen lässt. In letzter Zeit gibt es auch eine neue Sorte Feminismus, der mir gehörig auf die Nerven geht. Warum müssen plötzlich alle die Konsistenz ihrer Monatsblutung im Netz verkünden, nachdem sie ihre Lady-Cup entleert haben?

Genitalien-Mode und Locker-Room-Talk

Warum fangen Frauen plötzlich an, ein entfesseltes Liebesleben zu propagieren und öffentlich aufzulisten, wie viele Genitalien sie in letzter Zeit im Mund hatten? Ganz ehrlich, auch das ist kontraproduktiv. Kein Mensch will das wissen – weder von einem Mann noch von einer Frau. Also reißt euch mal zusammen! Denn diese Pseudo-Offenheit ist lediglich ein weiteres Extrem, das uns in eine Sonderrolle drängt. Gleichstellung, Selbstbestimmung, Frauenrechte – auf all diesen Gebieten muss noch so viel passieren. Doch mir erschließt sich beim besten Willen nicht, was es zur Lösung des Problems beitragen soll, in Tanktops mit Vagina-Druck herumzulaufen und der Social-Media-Gemeinde mitzuteilen, wie hart man beim letzten Tinder-Date rangenommen wurde. Solche Anekdoten will ich schließlich auch nicht von Kerlen in Pimmel-Shirts lesen. Es ist ja gut und schön, so tough zu sein, gewisse Verhaltensweisen aus der Männerwelt zu übernehmen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen – doch man sollte sich dabei vielleicht nicht am hinterletzten Proleten orientieren. Denn dann wird es schnell peinlich. Genug fürs Erste. Ich freue mich auf jeden Fall riesig, mich künftig in dieser Kolumne über die Welt und das Leben aufregen zu dürfen – aus meiner ganz eigenen und subjektiven Sicht – als Mensch mit Mentruationshintergrund.

Mehr davon findet ihr auf www.urbanlifestyletrash.com

Diana Ringelsiep

Diana Ringelsiep

Einige von euch kennen sie vielleicht noch aus PUNKROCK!-Zeiten, jetzt ist sie auch bei Polytox mit an Bord! Im echten Leben ist Diana Kulturjournalistin, nach Feierabend bloggt sie auf Urban Lifestyle Trash über Pizza, Punk und Popkultur. Bei uns wird sie sich vornehmlich ihrer Girlumne widmen und das machen, was sie am besten kann: Bier trinken und sich über die Menschheit aufregen!
Diana Ringelsiep

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4 Kommentare

  1. Bei welchem Arbeitgeber muss man angeben wegen welcher Krankheit man nicht kommen kann?
    Du darfst einfach auch gar nichts sagen.

    Und wenn dein Kollege für die gleiche Tätigkeit wirklich mehr Geld bekommt, kannst du deinen Arbeitgeber verklagen. Es gibt ein Diskiminierungsverbot. Haben die Gewerkschaften alles schon durchgesezt. Das Problem ist, dass Heute kaum noch jemand sich orgsanisieren will und dann jammert, wenn er oder sie seine Rechte nicht bekommt. https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeines_Gleichbehandlungsgesetz

    Das das Verhalten vieler Menschen sexistisch ist, das ist wohl wahr. Aber wie du auch schreibst leider liegt das nicht am Geschlecht.
    Das ist meiner Meinung die Sozialisation. Wer als Kind keine Frau erlebt hat, die eine eigene Meinung hatte und nicht ihre Belange durchsetzen konnte, wird auch als erwachsener Frauen weniger Respektieren. Wer Männer nur als gewalttätige oder Rücksichtlose Väter erlebt hat, hält dies für das gültige Verhaltensmuster. Und dazu kommt dann die allgegenwärige Prägung durch die Medien, die kaum jemand mehr in Zweifel zieht. Eine Frau hat so oder so zu sein und umgekehrt. Aber du scheinst auch davon betroffen zu sein, wenn du gewisse Verhaltensmuster einem Geschlecht zuordnest.

    (Ach, das mit den BHs scheint ein Kampagne gewesen zu sein http://www.emma.de/artikel/sieben-klischees-ueber-feministinnen-was-sie-immer-schon-mal-wissen-wollten-265176 und damals hat noch niemand seine Achseln rasiert – auch so eine Sozialisation)

    • Hallo Struppi,

      den Emma-Artikel kenne ich, daher habe ich die Gelegenheit genutzt, um auf genau dieses Vorurteil anzuspielen. Doch meine eigentlich Antwort zielt auf deine anderen Einwände ab:

      ich kenne meine Rechte als Arbeitnehmerin sehr gut, und das nicht bloß dank Wikipedia. Doch wenn man mit seinen Arbeitskollegen gut auskommt und sich morgens telefonisch krankmeldet, sind diese natürlich erst mal besorgt und fragen, was man hat und wie es einem geht – ich persönlich berufe mich dann nicht auf § 5 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) und verweigere ihnen die Antwort, ich bin ja keine Soziopathin. Und ob du es glaubst oder nicht, ich kenne auch das Gleichbehandlungsgesetz. In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass der Grundsatz der Vertragsfreiheit bei der arbeitsvertraglichen Festlegung der Vergütung Vorrang hat, sofern es eine Gehaltsverhandlung gab. Und aufgrund dieser Tatsache schneiden Frauen laut einer aktuellen Studie noch immer deutlich schlechter als Männer in gleichen Positionen ab – denn diese verhandeln von vornherein in einer ganz anderen Gehaltsklasse, in die sie gedrängt werden. Natürlich dürfen die Arbeitgeber als Begründung für diese Differenzen nicht das Geschlecht anführen, doch dahingehend zeigt man sich selbstverständlich fantasiereich und redet von “zu wenig Erfahrungen im Bereich XY” oder ähnlichem.
      Die Tatsache, dass wir in einem Land leben, in dem niemand über sein Gehalt spricht, macht es zusätzlich schwer, das eigene Gehaltsniveau zu Beginn der Verhandlungen einschätzen zu können und in vielen Branchen – besonders in der Medienbranche, in der ich arbeite – reichen die Gehälter vom Hungerlohn bis zum Spitzengehalt, sich dort einzuordnen ist wesentlich schwieriger als in einem Berufsumfeld, in dem es klassische Gehaltsklassen und Gewerkschaftsempfehlungen gibt.

      Im zweiten Punkt stimme ich dir teilweise zu. Natürlich handelt es sich um ein gesellschaftliches Problem und auch die Erziehung trägt viel zur Wahrnehmung der Geschlechter bei. Doch genau daraus resultiert am Ende des Tages nun mal eine sexistische Sichtweise, die uns alle betrifft – egal, wie aufgeschlossen und feministisch du erzogen und geprägt wirst – am Ende hast du mit den Idioten da draußen zu kämpfen, deren Erziehung und heutige Wahrnehmung eine andere ist.

      Wenn du mir also sagen willst, dass in Sachen Gleichberichtigung bereits alles getan ist und die meisten Frauen einfach bloß zu bequem sind, sie wahrzunehmen, dann muss ich dir an dieser Stelle aufgebracht widersprechen! Allein die Tatsache, dass Frauen sich erst “organisieren” müssen, um ihre Rechte wahrnehmen zu können, ist ja bereits total absurd. Auf eine Lohngerechtigkeit zwischen Mann und Frau hat man sich übrigens gerade erst vor zwei Monaten geeinigt – im Jahr 2016! http://www.spiegel.de/karriere/bundesregierung-einigt-sich-auf-gesetz-zu-lohngleichheit-a-1115430.html

      Es sieht also bei weitem alles nicht so rosig aus, wie du es wahrzunehmen scheinst und es liegt noch ein weiter Weg vor uns, bis man von einer wirklichen Gleichberechtigung sprechen kann.

      • Habe ich von rosig gesprochen?

        Ich finde und fand schon immer, diese Geschlechterunterschiedescheisse ein mieses Spiel, bei dem aber auch und gerade Frauen eine grosse Rolle spielen. Was ich blöde finde ist, dass bei dieser Debatte überwiegend mit den Fingern auf andere gezeigt werden ohne das gesagt wird, wer denn nun wo etwas ändern soll.

        Ein grosses Frage dabei ist z.b. die Rolle die Frauen bei der Kindererziehung spielen. Da wird immer nur so getan, als ob es darum geht Kinder möglichst viel zu beschützen und zu dirigieren, also die Art wie Mädchen früher erzogen wurden ist heute das Ideal. Das aber das Aufbrechen von Klischees und Rollenverhalten wichitg ist, wird nur im Gesellschaftlichen Kontext behandelt, dabei wäre es wichtiger wie die Leute ihre Kinder zu Hause behandeln.

        Oder das aus der Feministischen Ecke genau die Tätigkeiten, die Frauen oft gerne und gut machen als Minderwertig dargestellt werden. Warum ist eine Frau die gerne den Haushalt macht etwas schlechtes?

        Ich bin (in den 70er/80er) so gross geworden, dass jeder Mensch, egal welches Geschlecht, nach seinen Wünschen handeln soll und von Anderen für sein Schaffen Respekt erwarten kann. Aber diese Zuschreibungen von Minderwertigkeiten – die heute gang und gebe ist – ist oder war eben nicht die Überwindung von Ungleichheit sondern ist eine neue Form der Unterdrückung.

        Wobei auch immer jeder sich selbst unterdrückt hat. Der soziale Druck (auch gerade in “Szenen”) ist heute nicht geringer wie früher und wenn du deine Rolle nicht erfüllst wirst du verachtet. Das hat sich leider nicht geändert. Und dabei spielt es keine Rolle ob du eine Frau oder ein Mann bist, jeder muss seine spielen.

        Was die Krankmeldungen angeht ist das seltsam. Bei uns würde keiner danach Fragen, da es den Arbeitgeber einfach nichts angeht (deshalb steht es ja auch nicht auf der Krankmeldung). Wenn du es von dir aus erzählst (mache ich auch manchmal) ist es ja ok. Aber daraus dann eine strukturelle Benachteiligung der Frau zu konstruieren finde ich merkwürdig. Das liegt dann wohl eher an deinem konkreten Arbeitgeber, wenn die Frauen anders bewerten als Männer.

        Und was die Bezahlung angeht, kenne ich die Debatte. Aber ich kann da nicht mitreden, ich bin Angestellter. Da gibt es tarifliche Gehaltsklassen, die nach Arbeitsjahren gestaffelt sind, meines Wissen gibt es keine Unterscheidung zwischen Mann und Frau. Wenn es anderswo so ist, dann muss das geändert werden. Dafür sind meines erachtens Arbeitnehmervertretungen zuständig, der Staat sollte da nur die Grundlage geben, die ja schon existiert. Wenn es in deinem, Gewerbe unerschiedliche Bezahlung zwischen Mann und Frau gibt, ist es also deine Aufgabe dies zu ändern. Wer sollte es denn sonst machen, wenn Verträge individuell verhandelt werden?

  2. Im Grunde sind wir uns einig. Denn mit meinen Beispielen wollte ich auf denselben Punkt hinaus: Die Vorurteile, die in all unseren Köpfen stecken – bei einem mehr, beim anderen weniger ausgeprägt – sind alle gesellschaftlicher Natur. Und aus ihnen resultieren die Benachteiligungen, mit denen wir uns im Alltag rumschlagen müssen. Ich prangere also nicht die Kollegen an, die am Telefon bei meiner Krankmeldung fragen, was mir fehlt – sondern die Tatsache, dass Unterleibskrämpfe in unserer Gesellschaft belächelt werden und ich mich wohler fühle, einen “richtigen” Grund zu erfinden. Somit bin ich Teil des Problems, denn ich füge dem und zwar nicht, weil ich so erzogen wurde, sondern schlichtweg aus Bequemlichkeit – weil ich weiß, wie andere denken. Aber wie gesagt, auch das ist bloß ein Beispiel dafür, dass die Emanzipation zwar in vielen Bereichen “offiziell geglückt”, die Gleichberichtigung jedoch noch längst nicht in den Köpfen angekommen ist. Und was das Gehalt angeht, klar, jeder ist für seine eigene Verhandlung verantwortlich. Doch zum einen werden männlichen Kollegen dabei leider größere Zugeständnisse gemacht als Frauen, zum anderen ist es unabhängig von der Branche auch nicht jedermanns Ding, sich aufzuplustern und große Reden bzgl. der eigenen Kompetenzen zu schwingen. Natürlich sind auch introvertierte Männer dadurch benachteiligt, doch meine Agenturerfahrung hat gezeigt, dass diese in diesem Umfeld nicht sonderlich stark vertreten vertreten sind 😉 Ich bin sicherlich die letzte, die die Schuld beim anderen Geschlecht sucht oder Frauen verurteilt, die sich für ein Leben zuhause entscheiden. Und daher sind wir uns glaube ich einig, dass wir es hier mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun haben, das sich langfristig nur beheben lässt, wenn wir unsere Kinder mit einer anderen Sicht auf die Welt erziehen.

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