FALK FATALS RIESIGE REVIEW RUTSCHE

Meine vergangenen Monate waren vor allem durch Krankenhäuser und Krankheit geprägt, Platten besprechen hat in dieser Zeit keine Rolle gespielt. Das will ich jetzt nachholen. Fangen wir an mit YASS und ihrem neuen Album “Night Wire”.

YASS klingt lautmalerisch ja ein bisschen nach Yes, dieser schlimmen Prog-Rockband, und das Cover, ein Mond oder der Mond, keine Ahnung, weckt bei mir Assoziationen zu Pink Floyd. Ihr wisst schon Dark Side on the Moon und so. Doch glücklicherweise kenne ich YASS und ihr Vorgängeralbum “Things that might have been” schon und weiß ungefähr was mich auf “Night Wire” erwartet. Unglaublich kompakter und energischer Noise-Rock, der mich nicht nur innerlich tanzen lässt. “Night Wire” macht da weiter, wo “Things that might have been” aufgehört hat. Ich bin begeistert. Großartige Scheibe! Faszinierend präziser und rhythmischer Noise-Rock, der einfach klasse ist.

Same same but different bei den NEW TONGUES. Same same weil ähnlich begeisternd, different, weil das absolute Kontrastprogramm. Wo bei YASS die flotten Rhythmen den Ton angeben, geht es beim Garagepunk von der NEW TONGUES wesentlich schleppender und düsterer zu. Das liegt auch am Korg, der den vier Songs auf “Dark/Light” einen ganz eigenen, bedrohlichen Sound verpasst. Gerade bei den beiden Songs auf der ersten Seite erinnert mich das in seiner Verzweiflung stellenweise an die genialen Murder City Devils. Wow. Da will ich mehr von hören. Schöne Scheibe, die auch durch das hübsch gestaltete Beiheft für Freude sorgt.

Eine neue schöne Scheibe haben vor einiger Zeit JIM JONES & THE RIGHTEOUS MIND mit “§upernatural” veröffentlicht. Mr. Jones und seine Mannen haben dafür einmal den kompletten Gemüsegarten des Rock’n’Rolls genommen, in einen Topf geschmissen, alles kräftig verrührt und ein wahnsinnig gutes und abwechslungsreiches Album aufgenommen, das auch vor schrägen Tönen und viel Blues keinen Halt macht und mich in seinen besten Momenten an die späteren Sachen von Tom Waits erinnert. Und wer weiß, wie sehr ich Tom Waits verehre, kann sich vorstellen, wie gut mir dieses Album gefällt. Well done Mr. Jones!

Keine Gefangenen machen auch BORN LOOSE auf ihrer neuen 7” “Torn up heart”, die mit heftigem und kräftigem Punk’n’Roll begeistert. Während der Titelsong kräftig aufs Gaspedal drückt, ist die Flipside “Game over” etwas verhaltener, aber nicht minder geil, geil, geil!

Sehr gefreut habe ich mich auch über die Bunker e.p. Meiner liebsten german 77er-Britpunks PLASTIC PROPAGANDA. Drei Songs enthält die Single, die von der Band komplett in Eigenregie aufgenommen und veröffentlicht hat. Das merkt man ein bisschen am Sound, der klingt etwas dumpf, vielleicht wäre ein Profi fürs Mastern nicht schlecht gewesen, aber es stört auch nicht.  “One-man Scene” mit Nina am Hauptgesang und “Civilised” bei dem Pablo hauptsächlich singt, sind schöne klassische Punksongs. Kleiner Wermutstropfen ist die Flipside. “Closed Door” will einfach nicht zünden. Der Refrain hat Potential, aber die Strophe ist ziemlich saft und kraftlos und gefällt mir nicht. Nichtsdestotrotz eine gute Single, die die Wartezeit auf den nächsten Longplayer verkürzt.

Etwas unrecht tat ich den ILLEGALEN FARBEN und ihrem zweiten Longplayer “[Grau]”. Den hatte ich das erste Mal auf einer Autofahrt in den Odenwald gehört. Da wollten die meisten Songs nicht zünden. War irgendwie komisch bei Kaiserwetter an grünen Weiden mit friedlich darauf grasenden Kühen vorbeizuheizen, während aus den schlechten Mietwagenboxen der kalte, distanzierte Sound der Hamburger wummerte. Zuhause dann nochmal gehört, bei heruntergelassenen Rollläden und zur Beruhigung festgestellt, das Album kann doch einiges. Besonders gefällt mir “Ein kurzer Augenblick” der Illegale Farben mal von einer ganz anderen Seite zeigt. Aber auch das DAFeske “Kein Problem” und “Problemzone Mensch” sind klasse. Die übrigen Songs natürlich auch, aber diese sind mir sofort aufgefallen. Gute Scheibe. Nur bei der nächsten Fahrt in den Odenwald werde ich sie wohl nicht mehr hören. Da greife ich dann auf Egotronics “Odenwald” zurück 🙂

Brachial genial sind YC-CY aus Bern. Ab dem Eröffnungssong “Beta Pictoris b” (übrigens der Name eines Sterns, wie mir Wikipedia verrät), schreit und faucht mich die Sängerin an. Die Gitarre wird ultraschnell und vertrackt gespielt, immer wieder unterbrochen von langsamen schleppenden Parts. Eingebettet ist das Ganze in einen knackigen Industrialsound. Düster, bedrohlich, apokalyptisch. Könnte der Soundtrack für die Zukunft nach der Machtergreifung der Terminatoren sein. Erinnert mich stellenweise an Locust, ist aber doch um einiges anders. Mir ist schon klar, dass ich die vergangenen Jahre Entwicklung im Hardcore verpennt habe und so ein Sound vermutlich von einigen Bands mehr gespielt wird. Ist mir aber egal. Mir gefällt dieser Höllenritt auf der musikalischen Achterbahn ungemein, den YC-CY auf “Todestanz” hingelegt haben. Hammerscheibe, die sicher viele, viele Runden mehr auf meinem Plattenspieler drehen wird. TIP!

Mehr als eine Umdrehung wird sicher auch die Debütsingle von AKNE KID JOE auf meinem Plattenspieler haben. Der Name ist zwar albern, aber dafür machen sie klasse rotzigen Punkrock an der Grenze zum Powerpop. An den vier Songs auf ihrer Debüt-7” gibt es nichts bemängeln. Lieblingstextzeile ist “wir machen zwei akkorde deutschpunk, für ein leben ohne deutschland”. Schöne Single.

In eine komplett andere Richtung gehen FRÄULEIN BRECHEISEN auf ihrer neuen Scheibe “Grattler”. Das ist funky Discopunk, der mit einem schönen 80s Appeal daher kommt. Hat manchmal was von Rotzkotz, DAF oder auch Fehlfarben oder Der Moderne Man. Dazu feine Texte über Roboter, den Zeitgeist oder nationale Eitelkeiten und fertig ist ein erfrischend launiges und vor allem tanzbares Album.

Auf “Charm. Offensive.” sind DIE! DIE! DIE! aus Neuseeland. Haben die eigentlich nicht nötig, denn bisher habe ich nur gutes über die Band gehört. Zurecht, wie ich nach dem Hören von “Charm. Offensive.” sagen muss. Leicht verschrobener und kantiger Noisepop meets New Wave. Gegen Ende der Scheibe geht ihnen zwar ein bisschen die Luft aus, dafür begeistert die erste Hälfte von “Charm. Offensive.” umso mehr. Yeah, Yeah Yeah!

Auf den ersten Blick verschroben geht es weiter mit TRAVEL IN SPACE und ihrem Album “Das Schlagzeug meiner Mutter”. Das Plattencover verspricht geilen Weirdo-Scheiß, zeigt es doch zwei leicht bekleidete Männer, die nebeneinander auf einem Bett liegen, zwischen sich zwei Handtuch-Schwäne  und einige Geldscheine. Doch statt Weirdo-Scheiß gibt es dann flotten 60s-Punk aus der Garage, der gut in die Beine geht. Very nice!

Über das gleichnamige Album von THE HOWLIN’ MAX MESSER SHOW war ich anfangs etwas enttäuscht, erwartete ich beim Anblick des Covers doch einen etwas weirderen Sound in Richtung von Jay Screamin’ Hawkins, bekam dann aber “nur” Rockabilly zu hören. Doch diese Enttäuschung legte sich schnell, schließlich versteht das Quartett sein Handwerk. Die zehn Songs sind abwechslungsreich, mal etwas flotter, mal mit etwas mehr Countryanleihen gespielt, und der Blues ist den Herren auch nicht ganz fremd. “Why I cry” hört sich übrigens sehr nach “Story of my life” von Social Distortion an. Sehr fein.

Kürzlich hatte ich die Debüt-7” von STRG-Z aus Dresden besprochen und darin möglichst bald einen Longplayer gefordert. Schön, dass die Jungs meiner Forderung nachgekommen sind, haha. Denn hier ist es nun das erste Album von STRG-Z. Zwölf Songs, die eher etwas gemächlicher im Tempo sind, aber dafür mit tollen Melodien begeistern und mich ein wenig an die Toten Hosen zu “Armee der Verlierer”-Zeiten erinnern. Anspieltipps sind “Impfe mich”, “Egokarussell” und das großartige “Für immer”. Ja, das Album kann was.

Es gibt Leute, die sind einfach unglaublich talentiert und haben ein Händchen für geile Bands. Fabi ist so jemand, spielte er doch früher bei SNOB VALUE und DULAC. Zwei zwar unterschiedlich klingende, aber beide auf ihre Art, unglaublich gute Bands. Jetzt hat er eine neue Band. DIE TUNNEL. Bei denen schwingt er die Drumsticks. Und auch das macht er klasse, wie übrigens auch seine Bandkollegen. Und so verwundert es nicht, dass die gleichnamige Debüt-EP von die Tunnel sehr gelungen ist. Geht es zunächst im dunklen Wipers-Sound los, öffnen sich die weiteren Songs, werden etwas psychedelischer und poppiger, leichter und unbeschwerter. Sehr gelungen ist auch der deutschsprachige Song, der mich durch den schnoddrigen Gesang etwas an The Shocks erinnert. Kurzum: Klasse Band, klasse Scheibe!

Zum Abschluss dieses Rundumschlags noch ein paar Zeilen zu HUELSE und ihrer Debüt-EP “Im Kreis gedreht und jetzt ist Krieg”. Im Gegensatz zu ihrem langweiligen Zwei-Song-Demo aus dem vergangenen Jahr kann die Sechs-Song-EP was. Feine, leicht düstere Emo-Punk-Songs, die ein bisschen an ganz alte Muff Potter oder noch ältere Razzia erinnern. Mein Favorit ist “Rede von”.

CoverBandTitelLabelWebsite
YASSNight Wire LPSalon Alter Hammer
X-Mist
YASS Website
NEW TONGUESDark/Light 12"NEW TONGUES Website
JIM JONES & THE RIGHTEOUS MIND§upernatural LPHound Gawd! RecordHound Gawd! RecordssJIM JONES & THE RIGHTJIM JONES & THE RIGHTEOUS MINDEOUS MIND
BORN LOOSETorn up heart 7"HouHound Gawd! Recordsd Gawd! RecordsBORN LOOSE WebsiteBORN LOOSE Website
PLASTIC PROPAGANDAbunker ep 7"FacebookFacebookseiteseite
ILLEGALEN FARBEN[grau] CD/LPRooRookie Recordskie RecordsWebsiteWebsite
YC-CYTodestanz LPX-Mist RX-Mist RecordsecordsFacebook-Seite
AKNE KID JOEs/t 7"KidnapKidnap Records RecordsFacebooFacebookseitekseite
FRÄULEIN BRECHEISENGrattler CD/LPIn Gute HändeFacebFacebookseiteookseite
DIE! DIE! DIE!Charm. Offensive.Sounds of SubterraniaFacebookFacebookseiteseite
TRAVEL IN SPACEDas Schlagzeug meiner Mutter CD/LPOff Label Off Label RecordsRecordsWebsWebsiteite
THE HOWLIN’ MAX MESSER SHOWs/t CD/LPOff LabOff Label Recordsel RecordsFacebookFacebook-Seite-Seite
STRG-Zs/t CD/LPStill UnStill Unbeatable Recordsbeatable RecordsFaceboFacebook-Seiteok-Seite
DIE TUNNELs/t 12"TomatTomatenplattenenplattenFaceFacebook-Seitebook-Seite
HUELSEIm Kreis gedreht und jetzt ist Krieg LPFacebooFacebook-Seitek-Seite
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Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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