Gimme Danger

Jim Jarmuschs Hommage an The Stooges

Letztens habe ich, zum Glück, am letzten Spieltag Gimme Danger im Mal Sehn Kino in Frankfurt gesehen. Jim Jarmuschs Musik-Doku über The Stooges, ein Geschenk an Iggy und die letzten Stooges und ein Ventil für den Regisseur selber. Es scheint von der ersten Sekunde an eine Liebesgeschichte zu sein, zwischen Jarmusch und den Stooges. Der Filmemacher ist bekannt für seine Verehrung der frühen Punk- und Avantgarde-Szene der 70er Jahre.

Mit Gimme Danger ist ihm ein mitreißendes Bio-Pic der Stooges gelungen, ein Film, den er schon seit geraumer Zeit plante und dessen Verwirklichung viel Zeit in Anspruch genommen haben muss – einige der Interviews führte er schon vor 8-9 Jahren. Jarmusch hat alle wichtigen Protagonisten vor die Kamera geholt. James Newell „Jim“ Osterberg aka Iggy Pop erzählt u.a., leger in einer Art Pyjama-Hausanzug, barfuß, seine Füße knetend in einem barock-goldenem Stuhl sitzend, Episoden aus seinem Leben. Der 70-jährige Iggy hat sich dabei eine kindliche Naivität bewahrt, die ihn abseits seiner körperlichen Alterung in einem merkwürdig altersfreien Licht erscheinen lässt. Er erzählt von seiner Jugend, der Highschool, dem Schlagzeugspielen im Wohntrailer seiner Eltern, den ersten Bands, wie es zu The Stooges kam …

Das alles nimmt von Anfang an Fahrt auf, ohne irgendwann ins reine Aufzählen zu gelangen. Erstaunlich ist auch, mit welchen geschickten Schnittkünsten Jarmusch die vielen aneinandergereihten Fotos, zwischen den Videos, derart lebendig präsentiert, dass sich nie dieses Diashow-Feeling breitmacht. Nein, es ist ein Film geworden, der mich in seiner Laufzeit trunken vom Äppler und der Passivwirkung von toxischer Rock-’n’-Roll-Geschichte gemacht hat. Eine Achterbahnfahrt, die vielleicht minimal an Fahrt verliert als man sich der Gegenwart nähert und die Reunion-Zeit beleuchtet. Aber so spart man sich den harten Aufprall, der einem gewiss ist, wenn dir gewahr wird, dass es solche Bands nicht mehr gibt, oder sie zumindest unglaublich selten geworden sind. Das Unvorhersehbare, die Gefahr, die Gewalt … Gimme Danger!


Wer den Film im Kino verpasst hat, er ist bereits auf der ein oder anderen Homepage als UK-Import zu kaufen, bzw. wird demnächst legal zu streamen sein. Wer kein Geld dafür ausgeben möchte oder ein Schlingel ist, weiß sich bestimmt zu helfen. – Die Stimme aus der Redaktion.

dennisdegenerate

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Per Saugglocke aus der Mutter gepfropft, der platte Niederrhein das Silbertablett, Wiesen und Wälder mein Spielzimmer. Zwischen Fördertürmen und Auen mit anderen Circle Jerks die Adolescents verschwendet. Den Dicken markiert, Radio Mindfuck moderiert, Parties gesprengt, für Ox & Punkrock! kolumniert.
Übern Pott nach Frankfurt geflogen und hier Stellung bezogen.
Mit Face Slap Konzerten Lieblingsbands an den Main geholt und jetzt für Polytox über den Tellerrand gelinst, Fortsetzung folgt.
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