Heimatfestival in Scheeßel

DIY Festival deluxe

So wie jeder bei Wacken an das Metal Festival denkt, so verbindet man meist mit Scheeßel automatisch das Hurricane. Das aber ein kleiner Trupp an Musik- und Festival Liebhabern mit dem „Heimat Festival“ , den Galliern gleich, der Übermacht des Hurricane mit einem kleinen aber feinen Festival die Stirn bietet ist wohl weniger bekannt.

Bereits zum 4. Mal fand am 20.5 das Festival statt, das sich nicht nur im Namen einen lokalen Bezug gibt. Während das Hurricane alljährlich um die 70.000 Menschen aus ganz Deutschland nach Scheeßel lockt, finden sich beim Heimat Festival ca. 1.000 Menschen aller Altersklassen aus der näheren Region zusammen, um gemeinsam für einen Tag Spaß zu haben und zu feiern. Ganz nach dem Motto “Buy Lokal” gab es verschieden Gerstensäfte aus einer Hamburger Biermanufaktur … echt lecker. Cocktails auf Basis von Korn, der aus einer örtlichen Brennerei stammt und Essen aus der Region.

Entsprechend dem Konzept war auch das Musikprogramm. Breit gefächert, nicht immer mein Geschmack, aber irgend etwas war dann doch für jeden dabei. Meine Favoriten des Abends waren Schluck den Druck mit Ihren ekstatischen Elektropunk und natürlich Rantanplan.

Eröffnet wurde das Festival von den Lokalmatadoren der Rockband Turbulenzen, gespielt wurden vornehmlich Coverversionen, nicht so meins, aber gute Musiker und eine klasse Sängerin.

Den zweiten Gig des Tages bestritt die Hamburger Band Holly Would Surrender mit melodiösen Punkrock, gefolgt von den Rotenburger Jungs von Anchor & Hearts. Da ging schon mehr! Die Hardcoreband lieferte eine ordentliche Bühnenperformance mit Konfettikanonen, Moshpit und ordentlich Gepose.

Überraschend gut haben mir dann Odeville aus Hamburg gefallen, mit Ihrem deutschsprachigen Alternativ-Rock-Pop. Nichts was ich mir zuhause anhören würde, aber wirklich erstklassige Musiker.

Die nächste Band Everlaunch wurden von den Veranstaltern solange beknetet bis die Rotenburger nach vier Jahren Bühnenabstinenz beim Heimatfestival wieder gemeinsam die Bühne betreten. Da ich mit Brit-Pop noch nie was anfangen konnte, muss ich gestehen das ich mich nach ein paar obligatorischen Fotos lieber am Freibier im Backstagebereich gelabt habe. Aber sie scheinen in der Vergangenheit so einiges richtig gemacht zu haben, denn als Support zusammen mit Oasis die Bühne zu teilen heißt ja schon einiges.

RAZZ konnten mich da schon mehr überzeugen und vom Zapfhahn vor die Bühne locken. Die Jungs…und das kann ich dann wirklich sagen da die meisten Mitglieder im Alter meines Sohnes sein müssen…mögen den einem oder anderen zu seicht sein aber mich hat es hin und wieder an alte Zeiten des New Wave erinnert.

Danach ging es dann wieder zur Sache und Rantanplan, brachten den Pogo zurück.

Die Hamburger Institution des Ska-Punks macht einfach Spaß und Alt und Jung ließen zu späten Stunde noch mal so richtig die Sau raus.

Leider verabschiedeten sich danach viele Besucher, was wohl auch an der stetig zunehmenden Kälte lag, so das die Elektro-Punk-Spaß Band Schluck den Druck aus Berlin ihre völlig durchgeknallte Bühnenshow vor einem eher bescheidenen Publikum absolvierten. Das tat aber den Spaß kein Abbruch und so wurde gemeinsam gehüpft, die Sektkorken knallen gelassen und nach der Sektdusche die Wunderkerzen in Brand gesteckt. Sie machen einfach Spaß!

Was mich aber an dem Festival am meisten beeindruckt hat, ist die Freude und das Engagement der Veranstalter, die sich trotz behördlicher Auflagen und der ständigen Frage der Finanzierung den Arsch in Ihrer Freizeit aufreißen und es einfach tun … ein Festival machen. Meckern ist leicht, besser machen sehr schwer. Das Gelände im Industriegebiet ist keine einsame grüne Wiese, die Werbung der Sponsoring Partner manchmal etwas sehr aufdringlich und von einer Krankenkasse mag man eigentlich auf einem Festival auch nicht unbedingt was wissen. Doch ohne Sponsoren wäre das Festival sicherlich nicht für gerade mal 20€ im Vorverkauf und 25€ an der Abendkasse zu stemmen .

Letztendlich war es für mich ein absolut gelungener Abend mit und unter Freunden.

Piet Diercks

Piet Diercks

Als eingefleischter norddeutscher Torfkopf in einem 25 Häuser zählenden Dorf, nahe der Kleinstadt Verden /Aller, zwischen Plattdeutsch, Landjugend und Doppelkopf aufgewachsen. Bis auf ein 2.5 Jähriges Intermezzo in der „Großstadt“ Bremen der Norddeutschen Provinz treu geblieben verbindet Piet seit mehreren Jahren zwei seiner größten Leidenschaften, die Photographie und die Musik. Als blackwork ist Piet auf zahlreichen Konzerten und Festivals im vornehmlich Norddeutschen Raum mit der Kamera unterwegs …was liegt also näher wie es auch mal mit dem schreiben bei Polytox zu versuchen.
Piet Diercks

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