Helmut van der Buchholz – Keine Angst. Alles wird gut

Künstler des Monats

Die Polytox-Rubrik „Künstler des Monats“ geht in die zweite Runde. Nachdem sich in der ersten Ausgabe der werte Herr Kurator selbst ausgestellt hat und daher Grautöne in den Werken dominierten, wird es nun in den Arbeiten Helmut van der Buchholz’, quasi als beabsichtigter Kontrast, farbenfroh.

Helmut van der Buchholz wurde 1959 in Hannover, Stadtteil Buchholz geboren, siedelte aber schon im Alter von einem Jahr nach Ludwigshafen um und ließ sich dort zum Steinbildhauer und Architekten ausbilden. Ludwigshafen ist eine seltsame Stadt; häßlich, marode, von flächendeckenden Leerstand befallen, gefühlt ausgestorben und von der BASF dominiert. Oder kurz gesagt: Ludwigshafen ist absurd. Und somit aber auch Inspirationsquelle für Helmut van der Buchholz. Absurdität ist toll, normal kann jeder.

Helmut ist seit den 80ern wichtiger und beständiger Aktivist in der lokalen Subkulturszene – als Musiker, Organisator (u.a. Klanghaus, „Unter den Brücken“), Mitbegründer der Post-Dada-Bastion Buero für angewandten Realismus, Lyriker, Stadthistoriker der eigenen Art, ehemaliger Kunstweltmeister, 12-Tonballetttänzer, B-Movieschauspieler, Performancekünstler und auch als bildender Künstler in den Bereichen Malerei, Plastik und Objektkunst.

Auffällig an Helmuts Bildern sind die oben schon angedeutete Buntheit und eine unbekümmerte, ausgelassene Herangehensweise, ein nahezu anarchisches kreatives Ausprobieren und gleichzeitig das Ausloten und Vermengen künstlerischer Bereiche. Zwischen Abstraktion, Konstruktivismus, Kubismus und Kinderbildern (letztere aber in Öl und auf Leinwand). Helmut arbeitet bevorzugt mit Serien, heißt manche Motive tauchen seit Jahren kontinuierlich in seinem Werk auf. Am beständigsten sind hier die Tapes Maculatus, bunte Farbtupfen von einem schwarzen Gitternetz überzogen. Diese Tapes gibt es nicht nur auf Leinwand in allen Größen, sondern Helmut trägt sie auch auf allerlei Gegenstände auf. So verschwindet einerseits der ursprüngliche Gegenstand mit seinen originären Zweck hinter den Tupfen, andererseits werden die unterschiedlichsten Dinge durch diese Bemalung zu einem einheitlichen Konglomerat zusammengefasst und gleichgestellt. Eine eigene Serie in der Tapes Maculatus-Serie sind von Autos überrollte und plattgequetschte Getränkedosen, welche nur auf einer Seite betüpfelt werden. Die andere Seite bleibt unbehandelt und gibt einen Einblick darauf, was die Bevölkerung auf der Straße an Erfrischungsgetränken konsumiert.

Eine weitere Serie sind die Katzenbilder. Der immer gleiche Katzenkopf (entnommen aus einem Buch, in welchem Kindern gezeigt wird, wie man Tiere mittels einfachen geometrischen Formen erkennbar malen kann) vor unterschiedlichen Hintergründen, versehen mit einer kurzen Textbotschaft, welche der Interpretation dienen, aber gleichzeitig auch verwirren kann. Gleiches gilt auch für die Eulenserie, nur das hier nicht nur der Kopf, sondern der gesamte Vogel dargestellt wird. Die Katzen und Eulen eignen sich auch hervorragend für die sogenannte Übermalung. Auf ein Gemälde eines anderen Künstlers setzt Helmut ungefragt eines dieser Tierchen. Ergebnis ist dann eine unfreiwillige Gemeinschaftsarbeit mit der Signatur Helmuts.

Weitere wiederkehrende Motive sind skelettartige Strichmännchen, die „Frauen in grünen Pullovern“ und neuerdings auch der postkubistische „Angry Young Man“.

Als Plastiker arbeitet Helmut gerne mit Beton, vielleicht eine Hommage an seinen Architektenberuf. Es gibt kaum einen einigermaßen handlichen hohlen Gegenstand, den Helmut nicht mit Beton ausgießt. Mal steckt er andere Utensilien in den noch flüssigen Beton um eine Art Arrangement daraus zu gestalten, mal bemalt er das Objekt (z.B. mit Tupfen), oder es bleibt wie es ist, nur halt etwas schwerer.

Seit kurzem sammelt Helmut die Flusen aus dem Sieb seines Wäschetrockners, verpackt sie hübsch und erklärt sie damit zum Kunstwerk. Produktives Recycling.

Und da Helmut van der Buchholz immer noch in Ludwigshafen wohnt, werden ihm die Ideen nicht ausgehen und weitere Werke, bzw. Serien entstehen. Keine Angst. Alles wird gut.


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Hoetsch Höhle

Hoetsch Höhle

Hötsch Höhle wurde geboren, ist aufgewachsen und älter geworden. Jetzt ist er freischaffender Künstler und dient nebenbei Polytox als virtueller Galerist. Er bemüht sich um eine Brieffreundschaft mit Mina Špiler und alles andere geht niemand etwas an.
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