Higley – s/t

Vom Namedropping gerettet?

Die Band Higley stammt aus den USA, was man nicht unbedingt erwähnen muss, wenn man sich die Musik dazu anhört. Die ist typischer Westküsten-Sound für das gesetztere Semester, das im Herzen jung geblieben ist. Spielerisch astrein dargebotener Punkrock, der oft auch gerne poppig ist und dessen letzter Song „Daddy’s Promise“ sogar eine Einschlafballade für den Nachwuchs bietet. Inhaltlich widmet man sich Ü-35-Themen. Man denkt darüber nach, wie man in die Situation gekommen ist, in der man sich nun befindet, oder warum alles noch so blöd und bescheiden ist, wie vor 20 Jahren, als man begann sich gegen die herrschenden Zustände aufzulehnen. Alles in Allem ein schönes, rundes Album, mehr aber auch nicht. Auf den ersten Blick.

 

Denn was den für mich eher unspektakulären – nicht zu verwechseln mit schlechten! – Longplayer für viele andere auf den zweiten Blick sicher äußerst begehrenswert machen wird, sind die Bandmitglieder von Higley. Beziehungsweise diese eine in der Punkrock-Welt zurecht herausstechende Person namens Bill Stevenson. Also der Mann, der bei Descendents hinter der Schießbude sitzt und das ebenso bei All und Black Flag tat. Wer ihn in der Position nicht kennt, sollte auf seinen Fat-Wreck- und Epitaph-Scheiben mal nach dem Produzenten schauen, dort taucht er sicher auch des öfteren auf. Was für andere vielleicht der Shit sein mag, ist es für mich nicht. Mir ist das für das Gesamtbild zu mager. Genauso, dass Higley eine Band von guten Freunden ist, haut mich das nicht aus den Socken, sondern freut mich für die Mitglieder. So wie bei anderen Gruppen halt auch.

Damit wird sich der Erfolg der Platte wohl daran messen lassen dürfen, wie sehr die potenziellen Käufer auf die Namen hinter der Combo stehen und nicht auf die Musik. Denn um das noch einmal zu verdeutlichen: Higleys Debütalbum ist ein durchaus feines Punkrock-Album für junggebliebene Ü-35er, das man gerne aus seiner Sammlung zieht. Sollte es dort aber nicht zu finden sein, dann ist das eben so.


Info:

Format: CD (Dead Serious), Lp + mp3 (Flight 13)

Band Website: Higley

Label Website: Dead Serious, Flight 13

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky

Letzte Artikel von Bocky (Alle anzeigen)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*