Hötsch Höhle – Unser Galerie-Leiter

Künstler des Monats

Der Mannheimer Künstler Hötsch Höhle übernimmt die künstlerische Leitung der Polytox-Galerie.

Ein typischer Mittvierziger, mit Bart und Karohemd ist Hötsch Höhle wirklich nicht. Viel lieber kleidet er sich klassisch Schwarz in all seinen Variationen sozusagen. Grau geht also auch. Bis in den kompletten Kontrast Weiß, schaffen es allerdings bloß seine Bilder. Damit ist im Groben sein Stil schon erklärt. Hötsch Höhle beschränkt sich in seinen Werken auf Schwarz, Grau sowie Weiß und schafft damit immer wieder interessante Arbeiten. Denn im Gegensatz zu seiner Farbpalette, hat die Person Hötsch Höhle als Mensch und Künstler deutlich mehr zu bieten.

Hiermit stellen wir euch den Künstler vor, der ab sofort unser hauptveranwortlicher Online-Galerist ist.

Herrje, jetzt hast du dich so auf das Fußball-Regionalliga-Spiel SV Waldhof gegen die Stuttgarter Kickers gefreut und dann wurde es kurz vorher abgesagt. Was sagt der Stuttgarter Ultra Hötsch dazu?

Also, ein Ultra bin ich nicht, einfach nur Fan. Dass das Spiel wegen Überflutung des Platzes abgesagt wurde, war schon erstaunlich, da es kaum geregnet hat. Egal, am 06.12. wird’s nachgeholt und ich nehme gerne Nikolausgeschenke an.

Du wohnst sicher schon die Hälfte deines Lebens in Mannheim und hältst trotzdem den Kickers die Treue, da du selbst aus Stuttgart stammst. Ist der Waldhof so schlimm?

Nö, ich kenne ja auch etliche zuvorkommende Waldhoffans, aber als gebürtiger Stuttgarter bleib ich, trotz der Umsiedlung, ein Blauer, obwohl ich in Stuttgart Bad Cannstatt geboren wurde.

In deinen Bildern spielt Fußball keine Rolle. Es gibt nicht mal eine Reihe, oder ich kenne sie zumindest nicht. Warum?

Ich weiß nicht, warum du meine Fußballbilder nicht kennst. Da gibt es schon einige. U.a. ikonenhafte Portraits vom Kopfballungeheuer Horst, Paul Gascogine, Paul Breitner oder Porno-Enzo (ehemaliger Kapitän der Kickers, falls das jemand nicht wissen sollte). Aber auch nette Szenen aus dem Fußballalltag – Cantona mit seinem Sprung ins Publikum oder der liebliche Austausch zwischen Rijkaard und Völler.

Ebenso kenne ich keine Blaue Phase oder ähnliches von dir, weil du dich auf Grau, Schwarz und Weiß beschränkst. Bist du vielleicht farbenblind oder warum lässt du Farben völlig außen vor?

Farbenblind bin ich nicht, ich habe nur ein feines ästhetisches Empfinden. Ich fand Schwarzweißfotos, bzw. -filme schon immer optisch ansprechender als die grellbunten Versionen. Da war es naheliegend die Farben auch aus meinen Bildern zu verbannen. Abgesehen davon passen Schwarzweißbilder an jede Wand, unabhängig von deren Farbanstrich. Manchmal lass ich aber etwas Graugrün einfließen. Das zählt dann aber eher zu meiner experimentellen Phase.

Titel: Within the realm of the dying sun Format: 30x40 Jahr: 2016
Titel: Within the realm of the dying sun
Format: 30×40 cm
Jahr: 2016 Künstler: Hötsch Höhle

Seit geraumer Zeit bist du sozusagen auf Laibach hängen geblieben. Immer wieder tauchen in deinen Bildern Bezüge zu der Band aus Slovenien auf. Wieso ist das so?

Die Bezüge zu Laibach sind eigentlich nur, dass öfters das Symbol Laibachs, das Malewitsch-Kreuz im Zahnradkranz, in einigen meiner Bilder auftaucht. Dieses Kreuz ist auch das Symbol des Künstlerkollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK), dem Laibach angehört. Ein Stilmittel der NSK ist die Retrogarde. Darunter versteht man, dass ältere Symbole, Bilder, Metaphern, Lieder, etc. neu verwendet werden. Also aus ihrem ursprünglichen inhaltlichen Hintergrund herausgerissen werden und einen neuen, aktuellen Sinn bekommen. Wenn ich das NSK/Laibach-Symbol verwende, bediene ich mich quasi der Avantgarde-Retrogarde. Außerdem sieht’s gut aus, dient der Bildkomposition und hinterließ bis jetzt gerne auch mal ein Fragezeichen im Kopf des Betrachters. Die Hirsche in manchen Bildern beziehen sich nicht auf Laibach, sondern auf den kitschigen röhrenden Hirsch der Romantik – sind also eher „klassische“ Retrogarde.

Neben ihrer Band, haben die Slovenen einen eigenen Staat gegründet, bist du ein Mitbürger?

Der NSK-Staat ist ja ein Staat ohne Staatsgrenzen, das Volk verbindet daher keine Nationalität, sondern gemeinsame künstlerische und gesellschaftliche Grundvorstellungen. Das Ganze gleicht eher einem Verein, aber Staat klingt monumentaler und der NSK angemessener. Ich bin kein Mitbürger, da mir die Einbürgerungskosten zu hoch sind.

Zurück zu dir als Künstler. Neben Laibach hast du eindeutig ein Faible für Frauen. Was macht Frauen so malenswert?

Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass man als Herr in den mittleren Jahren ein Faible für Frauen hat. Malenswert sind sie deshalb, weil sie ausdrücksstärker als Männer sind. Was für Gesicht und Körper gilt. „Meine“ Frauen sind ja nie nackt, sondern – ich drück’s mal so aus – gerne lasziv gekleidet und meistens mit geschminkten Augen. Das gibt aus künstlerischer Position heraus mehr her als Hemd und Bart. Einfach wieder eine Frage der Ästhetik. Aber ich male natürlich auch Männer. Es ist nur eine Frage des Motivs und seiner Intention. Gemischt gibt’s auch …

Ansonsten gibt es in deinen Bildern regelmäßig Bezüge zur Popkultur. Beschäftigt dich die als Individuum der Subkultur so sehr?

Ich sehe keine große Diskrepanz zwischen Pop- und Subkultur. Das Meiste, was heute zur Popkultur zählt, hatte doch seinen Ursprung in der Subkultur. Der Übergang ist nur eine Frage der Zeit. Ich verändere in meinen Bilder oft bekannte Motive, füge etwas ursprünglich Unpassendes hinzu, oder lasse was Entscheidendes weg. Daraus entsteht dann was – mein – Neues. Und viele dieser Motive entnehme ich der Popkultur (Filmplakate, Plattencover, andere Gemälde, Fotografien, gerne Filmszenen aus allen Epochen des Lichtspiels, usw.). D.h. die Popkultur beschäftigt mich als Künstler primär als Ideengeber und Inspiration. Eigentlich bin ich auch Popkultur.

Machst du auch Auftragsarbeiten. Falls ja, darf man dich dann wegen Farbe in den Werken fragen?

Selbstverständlich nehm ich Auftragsarbeiten an. Ich brauch nur ein Foto als Vorlage. Die meisten Kunden wollen ihr Bild aber ausdrücklich in meinem Schwarzweißstil. Der ist ja schon mein Markenzeichen und ich finde es toll, dass er gut ankommt und die Leute es genau so wünschen. Sie wollen ja speziell einen Hötsch. Wenn aber jemand was mit Farbe will, mach ich das auch. Der Kunde ist König und ich bin ja keine Servicewüste. Wer was will, ich bin via Facebook (Hötsch Höhle) erreichbar oder über Polytox. Und auch die hier präsentierten Werke sind alle noch erhältlich und dürfen erworben werden …

Deine Werke sind sogar so begehrt, dass man sie von der Wand klaut. Was sind das für Flachzangen, die sowas machen?

Das sind Vollhorste. Manche Menschen meinten, dass ich ein geklautes Bild doch als Kompliment für meine Arbeit ansehen könnte. Aber ich verdiene mein Geld mit dem Verkauf der Bilder und da nützt mir ein solches Kompliment herzlich wenig.

Da hast du wohl recht. Für mich bist du nämlich sowas wie ein klassischer Künstler. Also im Sinne von sehr reduzierter Lebensstil, weil man keine Lust auf gesellschaftliche Konventionen hat. Wie anstrengend ist sowas?

Na ja, der Lebenstil ist halt reduziert, wenn man als Künstler nicht Einnahmen wie beispielsweise Gerhard Richter hat. Die Bildverkaufeinkünfte sind halt nicht so regelmäßig wie ein festes Monatsgehalt. Es galt die Abwägung zwischen mehr und sicherem Geld und einem freien Beruf, der Spaß macht. Und ich hab mich für den Künstlerjob entschieden und verzichte dann gerne auf diverse Annehmlichkeiten wie beispielsweise ausführliche Urlaubsreisen (hab eh Flugangst). Anstrengend ist das nicht – nur eine Frage der Gewohnheit. Und ich halte das durch, weil ich mich jedesmal, wenn’s mich nervt, an meinen freien, unabhängigen Job erinnere. Der hat ja auch Vorteile (kein Chef, freie Zeiteinteilung, etc.). Außerdem geb ich mich sehr oft gesellschaftlichen Konventionen hin …

Titel: Der arme Hirsch Format: 80x60cm Jahr: 2014
Titel: Der arme Hirsch
Format: 80x60cm
Jahr: 2014
Künstler: Hötsch Höhle

Du gibst dich Konventionen hin? Aber doch nicht freiwillig, bzw. welche sind das?

Och, mal mehr, mal weniger freiwillig, ganz bürgerlich halt; über die Künstlersozialkasse bin ich kranken- und pflegeverichert. Bei der KSK zahl ich auch brav meine Beiträge für meine sichere Rente ein. Ich hab meinen Nebenjob als Barkeeper (im „Blau“, dem besten Schankraum Mannheims der Welt) damit ich meine monatlichen Fixkosten abzahlen kann – wie schon gesagt, die Einkünfte über Bildverkäufe sind nicht regelmäßig – ich wohn halt zur Miete (die Boheme besetzt keine Häuser mehr), und all das. Nebenbei besitze ich auch einen Fernseher, den ich auch benutze, schau Fußball und trage auch im Hochsommer niemals kurze Hosen. Letzteres ist allerdings eine gesellschaftliche Konvention, die von der ordinären männlichen Gesellschaft sträflich vernachlässigt wird. Wobei wir wieder bei der Ästhetik wären …

Um dich etwas besser zu verstehen und ein paar Tipps zu bekommen. Wer oder was beeinflusst Hötsch Höhle.

Ach, ganz einfach, ich bin von Allem, was mich umgibt beeinflußt. Da ich nach Fotovorlagen arbeite, natürlich speziell von Bildern, welche einem ja überall entgegenspringen – Kino und TV, Buch- und Plattencover, Zeitschriften und Zines, Werbung (ich spiele mit dem Gedanken eine Serie aus den Zigarettenschockfotos zu machen), Internet; Vorlagen gibt es genug. Diese verarbeite ich dann mit aktuellen, manchmal auch historischen, gesellschaftlichen, politischen oder kulturbezogenen Themen, welche ja auch unerschöpflich sind. Je nach meiner Laune und dem allgemeinen Tagesgeschehen fällt’s mal freundlicher, mal bösartiger aus. Meistens aber frei nach PiL: „Anger Is An Energy“. Und natürlich sind auch meine persönlichen Faibles, Interessen und Erfahrungen (extrem vereinfacht: von Dada über Punk zur Retrogarde) Teil der Bildthematik.

Klingt umfassend. Nun lass uns zum Ende kommen: In Zukunft wirst du der Galerie-Leiter auf Polytox sein. Magst du uns schon verraten, was uns erwarten wird und wer im Januar vorgestellt wird?

Die Reihe „Künstler des Monats“ soll genre- und stilübergreifend sein – Malerei, Plastik, Fotografie: egal. Performance- oder Videokunst, sprich Filmchen sind auf diesem digitalen Medium auch vorstellbar, aber ich bleib erstmal bei den drei Erstgenannten. Die Werke sollten etwas ausdrücken, das ist für mich wesentlicher Bestandteil der Bildenden Kunst – L’Art Pour L’Art ist hübsch, aber belanglos. Und Belanglosigkeit gibt es schon genug auf Erden. Klar ist aber auch, dass der Inhalt nicht sofort oder von jedermann erkennbar sein muss. Etwas Nachdenken schadet nicht. Wer im Januar vorgestellt wird, weiß ich noch nicht ganz, aber es wird etwas mit Farbe sein. Der Abwechslung dienen heißt der Abwechslung dienen.


Der Meister selbst
Der Meister selbst

Kontakt: Hötsch Höhle

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky

Letzte Artikel von Bocky (Alle anzeigen)

1 Trackback / Pingback

  1. Hötsch Höhle - Künstler des Monats I - Polytox

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*