Kapitalfehler – Das Ende in Sicht

Epochaler Wandel

Kaptitalfehler ist das dritte Buch in einer Reihe wirtschaftlicher Bestseller der Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik, die seit 2013 die Finanzkrise aus dem Jahre 2008 und deren Folgen auf einfache Weise erklären. Also derart vereinfacht, dass man versteht was gemeint ist, wenn man mit seinem Girokonto umgehen kann.

Zu diesem Buch habe ich nun ein ausführlicheres Gespräch mit Marc Friedrich geführt, da wir schon länger in Kontakt sind und er zusammen mit seinem Kollegen diesmal unverholen ein ziemlich düsteres Bild unser nahen Zukunft malt. Da ich dies äußerst interessant finde und schon länger wieder selbst in diese Richtung tendiere, wollte ich meine Meinung mal mit jemandem besprechen, der das auch entsprechend belegen kann, weil er sich einfach besser auskennt. Doch keine Angst im Folgenden geht es nicht um Statistik oder nicht nachvollziehbare Rechenformeln. Denn das Ende des “Weiter so” kann auch ganz einfach erklärt werden.

Kapitalfehler ist wie die Bücher zuvor ein Bestseller und trotzdem verändert sich nichts, obwohl die Bücher deutlich darauf hinweisen, was schief läuft. Sind die Leser grundsätzlich finanziell abgesichert und deshalb wenig interessiert?

Der Knall 2008 war leider noch nicht heftig genug und es geht uns doch eigentlich gut. Obwohl unsere Bücher die erfolgreichsten Wirtschaftsbücher der letzten Jahre waren, sind es trotzdem nicht Millionen von Menschen, die wir erreicht haben. Trotzdem ist deutlich auch an dem Erfolg unserer Bücher zu erkennen, dass immer mehr Menschen sich für dieses Thema interessieren. Egal ob Hausfrau, Angestellter, Realschülerin oder Rentner. Weil es alle betrifft und weil wir die Komplexität so übersetzen, dass es jeder versteht und das ganze noch gepaart mit Witz, Humor und Lösungen für das große Ganze und den Leser. Immer mehr Menschen beginnen das gegenwärtige Finanzsystem zu hinterfragen und fangen an sich aktiv, um ihr Erspartes zu kümmern. Das Umschichten von Papierwerten in Sachwerte schreitet immer weiter fort.

Ist das Leben heute viel zu komplex, wie das man wissen kann, wo man für eine Veränderung ansetzen müsste?

Das Leben war immer schon komplex. Tatsächlich hat die Komplexität und die Aufgaben, die jeder Einzelne am Tag erledigen muss massiv zugenommen. Ein Auslöser ist natürlich die Digitalisierung und dass uns die Konzerne als kostenlose Angestellte entdeckt haben. Immer mehr Aufgaben werden von uns übernommen, ohne das wir es merken. Pfandflaschen abgeben an Automaten, die oft verstopft sind; an der Kasse selber Waren einscannen; Onlinebanking und trotzdem dafür zahlen etc. Alles zur Maximierung des Gewinns und wir wenden unsere Lebenszeit dafür auf. Es gibt viele Punkte, wo man ansetzen kann. Ein jeder kann mit seinem Geldschein entscheiden, wo er ihn einsetzt. Kaufe ich mein Buch bei der Krake Amazon oder bei einem familiengeführten Buchhändler in der Innenstadt, kaufe ich beim Discounter oder im Hofladen, gehe ich zu KIK, Primark und H&M oder kaufe ich nachhaltig ein und bei regionalen Einzelhändlern.

Wenn wir alle zu den Ketten rennen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn alle Innenstädte gleich aussehen und die Einzelhändler alle umkippen.

Wenn wir alle zu den Ketten rennen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn alle Innenstädte gleich aussehen und die Einzelhändler alle  umkippen.Außerdem benötigen wir endlich ein faires und gerechtes Finanzsystem sowie Steuergerechtigkeit. Es kann nicht sein, dass große internationale Konzerne oftmals kaum Steuern bezahlen. Wir müssen endlich die internationalen Steueroasen austrocknen. Wir sehen jetzt seit Jahren, dass der Euro nicht funktioniert und Europa trennt, anstatt es zu einen. Folglich sollten wir uns Gedanken machen, wie wir diese Währung rückabwickeln, bevor es zum Crash mit immensen Kollateralschäden kommt – sowohl monetär, als auch gesellschaftlich. Wir müssen dafür sorgen, dass Risiko und Haftung wieder zusammen gehören. Die letzte Finanzkrise hat uns Steuerzahler Milliarden an Euro gekostet und keiner ist schuld daran? Wie kann das sein?

Können einzelne Menschen überhaupt ein System verändern?

Ja, nur der Mensch. Wenn Menschen ein System nicht verändern können, wer denn dann? Von Oben, von der Politik wird es kein Wandel geben. Der Wandel kommt immer von „unten“, von den Menschen so wie 1989 in Leipzig. Selbstverständlich kann jeder von uns etwas verändern. Wir haben immerhin den mächtigsten Wahlschein der Welt: Unseren Geldschein. Wir können uns ganz bewusst entscheiden, wo wir was einkaufen und wen wir mit unserem Geld unterstützen und wen besser nicht. Wir können frei entscheiden, bei welcher Bank wir unser Geld lassen und bei welcher nicht. Wir leben in einer Demokratie. Wir können Bürgerinitiativen und Parteien gründen. Wir können Volksvertreter wählen und abwählen. Wir können Demonstrieren, boykottieren, streiken … Man sollte niemals die Masse unterschätzen. Was denkst du denn was hier los wäre, wenn die Bewohner lediglich einen einzigen Tag sich nichts kaufen würden als etwas zu essen? Wenn wir nichts ändern, wird es im Desaster enden. Denn die Protagonisten in Politik, Wirtschaft und Finanzwelt haben kein Eigeninteresse irgendetwas an dem lukrativen Umverteilungsprozess zu ändern.

Das Buch, um das es hier geht

Hast du in der Richtung sowas wie einen Tipp an die Leser?

Mehr Punkrock in allen Belängen. Kauft bewusst ein, vernetzt euch, gründet Bürgerinitiativen oder vielleicht sogar eine Partei. Unser nächstes Buch „Sonst knallt´s“ kann als Fundament für ein überparteiliches Parteiprogramm dienen. Beginnt Dinge zu hinterfragen. Macht privat keine Schulden und kauft euch nicht mit fremden Geld Dinge, die ihr euch eigentlich gar nicht leisten könnt. Diversifiziert euer Erspartes und investiert bitte ausschließlich in Dinge, die ihr anfassen könnt und auch versteht. Gebt euer Wissen weiter, seid Multiplikatoren, klärt auf. Verschenkt, kopiert etc. unsere Bücher. Da stehen viele ungeschminkte Wahrheiten, die viele noch nicht wissen. Der Schlüsse, um wirklich eine Revolution zu starten ist Mündigkeit und das Geldsystem. Geld regiert die Welt! Da müssen wir ansetzen.

Du und Matthias Weik sagen im Buch, dass nicht mehr das Angebot knapp sei – eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Wirtschaftssystem –, sondern die Nachfrage. Steht denn wirklich das Ende des Kapitalismus bevor?

Wir haben schon lange keinen Kapitalismus mehr, sondern den pervertierten Finanzkapitalismus, der alles zerstört und eine Krise nach der anderen auslöst. Wir haben Planwirtschaft verordnet durch die Notenbanker. Wir haben in der westlichen Welt den Zenit des Kapitalismus erreicht. Wir haben von allem und das zu viel. Wir müssen immer mehr Dinge kaufen, die immer schneller kaputt gehen, um unser System am Laufen zu halten. Wenn wir uns einmal selbst an die eigene Nase fassen und uns überlegen würden, was uns wirklich fehlen würde, wenn wir uns ein Jahr keine lebensnotwendigen Konsumartikel (Essen, Trinken, Medikamente…) kaufen würden? Wir sind gerade Zeugen vom Ende des Systems und des Wachstumswahns. Wir sehen doch das alles aus den Fugen geraten ist. Die Warnsignale sind nicht mehr zu ignorieren und wir müssen jetzt eine radikale Kehrtwende einlegen bevor es zu spät ist.

CETA scheint vertagt, aber nicht vom Tisch. Was sagt ein Profi wie du zu diesem Freihandelsabkommen und was prophezeist du uns von diesem Abkommen?

Wir sind gespannt was bezüglich der Freihandelsabkommen à la CETA und TTIP in Zukunft noch alles geschehen wird. Wir stellen als Demokraten uns bezüglich der Freihandelsabkommen jedoch folgende Fragen: Wieso kann man den Bürgern nicht offen kommunizieren und ihnen erklären worum es geht? Wenn ein Freihandelsabkommen so toll ist und allen nur Vorteile bringt, warum wird so etwas dann hinter verschlossenen Türen ausbaldowert? Unserer Ansicht nach werden insbesondere große internationale Konzerne von den Freihandelsabkommen profitieren. Es geht um Geld. Menschen sind zweitrangig.

Der Fokus ist aufgrund von dem Krieg in Syrien, der Flüchtlingsdebatte im Allgemeinen, dem Rechtsruck in Europa und diverser anderer politischen Themen derzeit vom Finanzsektor abgelenkt. Wie groß schätzt du die Möglichkeit ein, dass der aber demnächst zurückschlägt, um wieder im Zentrum des Scheinwerferlichts zu stehen?

Vorab: Die Finanzwelt ist ja schuld an der ganzen Misere und die Probleme des Finanzsektors wurden keineswegs gelöst, sondern lediglich mit viel Geld in die Zukunft verschoben. Selbstredend werden die Probleme wieder auf den Tisch kommen. Die kommende Krise wird 2008 aussehen lassen wie ein Kindergeburtstag oder musikalisch: 2008 war 7 Seconds und Millencolin, die nächste Krise wird „fucking straight edge Hardcore in our face“. Italiens Banken beispielsweise steht das Wasser nach wie vor bis zum Hals und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese gerettet werden müssen. In Südeuropa sehen wir die größte Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit, die sind einfach alle Pleite. Punkt aus.

Der Euro wird scheitern – ich denke innerhalb der nächsten 5 Jahre. Die EU und der Euro sind für den Vormarsch der extremen Parteien verantwortlich.

Der Euro wird scheitern – ich denke innerhalb der nächsten 5 Jahre. Die EU und der Euro sind für den Vormarsch der extremen Parteien verantwortlich. Wenn Le Pen, Wilders, Beppo Grill die Wahlen gewinnen, wovon ich ausgehe, dann haben wir keinen Euro mehr. Auch die AFD wird eine entscheidende Rolle bei der Wahl dieses Jahr spielen. Ich glaube Merkel packt es nicht noch mal. Mal schauen.

Warum machen sich Staaten wie Deutschland überhaupt so abhängig von Banken?

Ganz einfach, weil sich ein Staat aus Steuereinnahmen und aus Schulden finanziert. Reichen die Steuereinnahmen nicht aus, muss sich ein Staat verschulden. Heute verschulden sich Staaten größtenteils bei Banken und Versicherungen. Alle Staaten der Welt, auch das tolle Deutschland mit Rekordsteuereinnahmen, zahlt keinen Cent Schulden zurück und macht weiterhin Schulden. Und aus diesem Grund, weil alle Staaten Schulden bei Banken und Versicherungen haben, ist dies auch die einzige Branche weltweit, die tun und lassen kann, was sie will und immer mit Steuergeldern gerettet wird. Wenn du als Privatperson oder als Unternehmer eine falsche Entscheidung triffst, dann bist du die Pleite. Dann gibt es kein Rettungspaket der EZB oder vom Staat. Dann war es das. Basta. In der Finanzwelt ist das anders. Wer bestimmt wo es langgeht? Der Schuldner oder der Gläubiger? Immer der Gläubiger. Und alle Staaten sind Schuldner bei Banken. Letztere bestimmen also wo es langgeht. Deshalb hat sich 2008 auch nichts geändert und aus den Krisenverursachern wurden sogar die Krisengewinner! Chapeau. Das ist eine Meisterleistung. Nenne mir eine andere Branche die sich außerhalb von Recht und Gesetz eingenistet hat und ganz genau weiß: Mir kann nichts passieren, denn ich bin systemrelevant. Nein, ich bin das System!

Eislingen, Stadthalle: Buchpremiere “Kapitalfehler” mit den erfolgreichen “Crash”-Bestsellerautoren Marc Friedrich und Matthias Weik
Wird Trump ab dem 20. Januar 2017 die globale Finanzwelt noch schneller ins straucheln bringen? Oder wie schätzt du ein, dass ein irrer Milliardär, mit dem Gemüt eines zugekoksten Drogenkartellbosses demnächst die US and A regiert?
 
Bisher hat die Finanzwelt von Trump profitiert, der amerikanische Aktienmarkt ist in Rekordhöhen geschnellt. Wenn man sich anschaut, wie viel Wall Street und vor allem Goldman Sachs jetzt in der Regierung sitzt, ist der Gewinner schon wieder die Finanzwelt. Trotzdem glaube ich, dass die Börsen das Jahr mit negativen Vorzeichen beenden werden und Trump uns alle überraschen wird. Die Aktienmärkte werden fallen und Trump wird uns, wie beispielsweise mit seinem ersten Auftritt 2017, massiv überraschen. Ich gehe nicht davon aus, dass er es 4 jahre im Weißen Haus aushält. Die Amis hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera (ist im übrigen bei uns nicht besser) und haben für sich für das eine entschieden.
 
Das Bild, das ihr malt, ist das der Teufel an der Wand oder sollen wir uns auf eine ausgewachsene Dystopie vorbereiten?
 
Sorry, aber das ist absolut realistisch. Es ist keine Zeit für naiven Optimismus oder übertriebenen Pessimismus, sondern für Realismus. Wer jetzt die Warnsignale ignoriert und nicht sieht, dem ist nicht mehr zu helfen. Wir erleben gerade live und in Farbe einen epochalen Wandel, der auch nicht mehr gestoppt werden kann.
 
Das sind recht deutliche Worte, die Marc in diesem Gespräch findet. Wenn das wirklich alles so eintritt wie er und Matthias es voraussagen, dann kann man sich jetzt schon einmal warm anziehen. Oder zumindest darauf vorbereiten, dass man in nicht allzu ferner Zukunft vor Situationen gestellt wird, die man so noch nicht kannte. Wer sich in dem Zusammenhang denkt was er mit den paar Kröten macht, die in den letzten Jahren angespart wurden, und nicht weiß wohin damit, weil man ad hoc keine vernünftige Idee hat, dem kann vielleicht geholfen werden, wenn er sich diesen Clip anschaut:
 

 

Weitere Infos zu Marc Friedrich und Matthias Weik findet ihr hier:
Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky

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