Killbite – Discrimi-Nation

Kein schöner Land

Die Bremer Killbite sind das, was man eine klassische Crustband nennen kann. Der Sound ist reduzierter Metal mit Anti-Attitüde und der nötigen Portion englischem Hardcorepunk, was aufgrund seiner Rohheit immer für eine gewisse Authentizität bürgt. Das ist Musik, wie man sie heute leider nur noch selten hört. Doch schaut man sich derzeit mal in der Welt so um, könnte man wetten, dass es von dieser Sorte Bands demnächst wieder mehr geben wird.

 

Alleine der Opener und gleichzeitige Titeltrack Discrimi-Nation weißt darauf hin, was ich meine. Killbite ist keine Band, die so richtig Lust auf den nächsten Morgen macht. Ganz im Gegenteil legen sie den vorher mit Salz bestreuten Finger, in die ohnehin schon siffenden Wunden der Jetztzeit. Konkret meine ich neben Themen wie Fremdenhass, unter anderem den überaus problematischen Umgang mit Flüchtlingen, die über das Mittelmeer versuchen die Festung Europa zu erreichen, oder eben jene Deppen, die glauben eine Art Geburtsrecht auf ein neo-feudalistisches Leben zu haben.

Durch diese nicht wirklich positive Grundausstrahlung hat die Band, im Vergleich zu Black-Metal-Märchenonkels mit ähnlichen Inhalten, deutlich weniger Fans, weil sie sich viel zu konkret ausdrücken. Aber das spielt keine wirklich große Rolle, da sie nämlich ein umso besser funktionierendes Netzwerk an Kumpels und Freunden haben. Das ist sogar so gut, dass sie nach der Veröffentlichung dieses Debüt-Albums vor rund einem Jahr direkt eine fast zweiwöchige Tour durch Brasilien absolviert haben!

Insofern ist doch alles gut. Killbite wissen ganz genau was sie machen: Keine massenkompatible Musik, weil sie das gar nicht wollen. Sie möchten sich in ihren Kreisen bewegen und fühlen sich dort wohl. Trotzdem könnte ich mir, wie eingangs schon erwähnt, durchaus vorstellen, dass ihr Name schon bald größere Kreise zieht. Sollte das allerdings nicht passieren, dann ist auch das wumpe. Um es auf den Punkt zu bringen: Killbite’s Discrimi-Nation ist ein deftiges Brett Crustpunk, dem man gewachsen sein sollte. Sonst haut einen der fulminante Mix aus Soundwand und inhaltlichem Präsenz glatt um.



Info

Format: LP, Digipack

Label: Break The Silence Records

Band-Webseite: Killbite

Label-Webseite: Break The Silence Records

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky

Letzte Artikel von Bocky (Alle anzeigen)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*