KLAUS N. FRICK – Für immer Punk?

Buch

Klaus N. Frick hat eine neue Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht. Die ist absolut lesenswert!

Im Vorwort von “Für immer Punk?” schreibt Klaus N. Frick, er sei für die Szene nie jemand von Bedeutung gewesen, da er nie in einer wichtigen Band oder in einem wichtigen politisch-kulturellen Zentrum dafür gesorgt habe, dass die Szene floriert. Ich möchte Klaus hier widersprechen. Punk ist mehr als Musik und es wäre traurig, wenn sich Bedeutung nur daran misst, ob jemand in einer wichtigen Band gespielt oder einige Konzerte veranstaltet hat. In diesem Sinne hatte und hat Klaus sehr wohl eine Bedeutung für die Szene, schließlich ist er einer ihrer Chronisten. Mehr als 20 Jahre lang veröffentlichte er sein kleines, feines Egozine, den Enpunkt. Schrieb und schreibt zudem zunächst fürs Zap, später fürs Ox den Fortsetzungsroman Peter Punk, die zum Teil auch in Buchform erhältlich sind. Und schließlich hat er sicher einige Fanziner und Fanzinerinnen beeinflusst und inspiriert. Also lieber Klaus, stell Dein Licht mal nicht unter den Scheffel! Du hast sehr wohl eine Bedeutung!

Aber diese Zurückhaltung ist typisch für den sympathischen Karlsruher und zieht sich auch durch die 30 Kurzgeschichten, die in der mehr als 300 Seiten dicken Kurzgeschichtensammlung “Für immer Punk?” enthalten sind. Wo andere (Fanzine-)Autoren in ihren Texten gerne auf die Kacke hauen und zur Übertreibung neigen (ich zum Beispiel), regiert bei Klaus die nüchterne Betrachtung. Hier wird nicht versucht, auf Teufel-komm-raus die nächste Pointe zu landen, sondern einfach aufzuschreiben, was war oder besser, wie es hätte sein können. Denn: Bei den Kurzgeschichten handelt es sich um Erzählungen, die zwar auf wahren Begebenheiten basieren, die von Klaus aber bewusst verändert und verzerrt wurden.

Damit ist eine Kurzgeschichtensammlung entstanden, deren erste Geschichte um 1976 herum spielt, als der Protagonist mit Punk noch nichts am Hut hat, sondern seinen ersten schüchternen Kuss abholt, und die mit einem Text endet, der im Jahr 2013 angesiedelt ist. Und so erhält der Leser eine fiktive Punkerbiografie, in der die wilden, naiven Jahre genauso vorkommen, wie die spätere Abgeklärtheit, in der gewisse Zweifel (und auch Verzweiflung) an der Szene thematisiert werden, wie auch die kleinen und großen inneren Konflikte, die man ab einem gewissen Alter und einer gewissen Bürgerlichkeit einfach verspürt. Denn, hat sich der kleine Punker erst einmal in einem selbst festgesetzt und ein paar Mal Pogo getanzt – man wird ihn einfach nicht mehr los, so sehr man sich vielleicht auch bemühen mag und versucht auf einer langweiligen After-Work-Party so etwas wie Spaß zu verspüren. Nur, der kleine Punker macht einem meist einen Strich durch die Rechnung.

Ich habe die rund 320 Seiten mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen und habe mich dabei prima unterhalten gefühlt. Zum einen natürlich, weil die Geschichten einfach gut und spannend geschrieben sind, zum anderen, weil hier eben nicht nur eine fiktive Vergangenheit verklärt wird, sondern auch die Schattenseiten, die es damals natürlich auch gab, zur Sprache kommen. “Für immer Punk?” sei euch deshalb sehr ans Herz gelegt. Dafür müsst ihr nur noch das Buch kaufen. Also husch, husch in den nächsten Buchladen oder statt der Hirnkost-Website einen Besuch ab.

Wer übrigens das lesenswerte Interview mit Klaus N. Frick noch nicht gelesen hat, klickt hier


Format: Buch

Verlag: Hirnkost

Autor Website: http://enpunkt.blogspot.de/

Verlag Website: http://shop.jugendkulturen.de/

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Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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