Nathan, der Dumme: Präsident Trump in Nahost

Kommentar

Melania und Donald Trump bei der Ankunft in Saudi-Arabien (Bild: Weißes Haus, gemeinfrei)
Melania und Donald Trump bei der Ankunft in Saudi-Arabien (Bild: The White House, gemeinfrei)

Die erste Auslandsreise von Präsident Donald Trump war lange geplant. Sie wirkt dennoch wie eine Show, die von den zahlreichen Krisen ablenken soll. Schillernde Bilder und groteske Anekdoten statt wirklicher Politik. Doch das populistische Erfolgsrezept funktioniert nicht mehr.

Er sei „gerade aus dem Nahen Osten zurückgekommen“, sagte Trump nach seiner Ankunft  in Israel. Dass auch Israel im Nahen Osten liegt, schien dem Fernsehstar nicht wirklich bewusst zu sein. Dann behauptete er, in Saudi-Arabien „ein gutes Gefühl“ gegenüber dem jüdischen Staat bemerkt zu haben. Dieser Ausdruck ist einigermaßen schräg angesichts der komplexen Beziehungen der Länder. Es war einer dieser Trump-Momente, die wie ein schlechter Witz klingen, wenn man sie nacherzählt. So wie Anfang Februar, als er anlässlich des ‘Black History Month’ sagte, Frederick Douglass habe „einen großartigen Job gemacht“. Der Präsident – platziert zwischen afroamerikanischen Bürgerrechtlern – glaubte offenbar, der bekannteste Sklaverei-Gegner des 19. Jahrhunderts sei noch am Leben und eine Art Manager. Hoffentlich kann man eines Tages lässig über solche Aussprüche des mächtigsten Impro-Darstellers der Welt lachen. Momentan stört der Beigeschmack, den die maßlose Ignoranz hinterlässt.

Bei der pikanten Nahosttour bemühte sich Trump insgesamt, ein Bild der Selbstbeherrschung auszustrahlen. Und tatsächlich gelang es seinen Beratern und Aufpassern, allzu große Ausfälle oder bizarre Tweets zu verhindern. Das ist auch bitter nötig, schließlich erstickt das Weiße Haus in immer neuen Skandalen um mögliche Verbindungen des Trump-Wahlkampfteams nach Russland. Sogar die eigenen Anhänger wünschen sich vom Präsidenten, dass er einfach mal ein paar normale Präsidentensachen macht. In Riad verkündete Trump nun ganz große Würfe in der Weltpolitik: Eine Anti-Terror-Allianz soll die Region vereinen – und zwar ausgerechnet unter der Führung Saudi-Arabiens. Dessen Elite verfolgt eigentlich eine eher zwielichtige Politik: Auf der einen Seite ist man US-Verbündeter, auf der anderen aber auch Unterstützer radikaler Strömungen des sunnitischen Islams.

Neue Bilder, alte Politik

Die US-Administration unterstrich ihr Bekenntnis zum saudischen Königshaus mit einem Waffendeal, der insgesamt etwa 110 Milliarden Dollar umfassen soll. Das klingt spektakulär, ist jedoch – wie beinahe alles im Trump-Universum – bei näherer Betrachtung eher eine Luftnummer als ein Durchbruch. Die meisten Deals waren entweder bereits ausgehandelt oder befinden sich momentan noch in einem frühen Stadium der Unverbindlichkeit, schreibt der Verteidigungsexperte William D. Hartung im Fachmagazin Defense One. Letztlich wird eher ein politisches Signal gesetzt: die republikanische Regierung möchte im Gegensatz zur Obama-Administration nicht mehr einen Ausgleich zwischen Saudi-Arabien und dem Rivalen Iran erreichen, sondern Teheran stärker isolieren – zu Gunsten Riads.

Nichts Neues, eher eine Rückkehr zur neokonservativen Linie von George W. Bush. Ob das funktioniert? Die Chancen stehen wohl in etwa so gut wie bei früheren Nahostfriedenskonzepten… Am Mittwoch ist Donald Trump im Vatikan eingetroffen, seiner dritten Station, wo er mit dem Papst sprach. Wir alle werden, ob wir wollen oder nicht, zu Zuschauern einer unglaublich dämlichen Reality-TV-Show. Ein Mann, eine Aufgabe: der Weltfrieden. Die drei Buchreligionen, die zerstrittenen Erben Abrahams – vor dem Auge der Kamera vereint. Lessings Ringparabel scheint die Inspiration gewesen zu sein für diese flache Inszenierung. Die Rolle des Toleranzstifters Nathan übernimmt 2017 seltsamer Weise ein blondierter Rentner, der sich mit Rassismus, Lügen, Verschwörungstheorien und der Schützenhilfe russischer Hacker ins mächtigste Amt der Welt gemogelt hat. Doch globale Konflikte lassen sich nicht mit Fototerminen lösen.

Die Regeln haben sich nicht geändert

Inkompetenz und Kapriolen des US-Präsidenten bestimmen das Tagesgespräch auf der ganzen Welt. Frische Trump-Stories werden mitunter mehrmals täglich geliefert. Auch ausgesprochene Gegner des Weißen Hauses bedienen die Mechanismen der Entertainment-Welt. Die Kritik sucht selbst das Rampenlicht und stellt Inhalte hinten an. Die Gefahr besteht darin, dass hinter Show und  Knalleffekten die eigentliche Politik aus dem Blickfeld verschwindet. Die medial überhitzte Stimmung und die Gier nach Neuigkeiten in den sozialen Netzen erschweren tiefergehende gesellschaftliche Debatten. Sachliche Auseinandersetzungen werden aber dringender gebraucht denn je!

Im vergangenen Jahr sah es so aus, als hätten die rechten Populisten alle Regeln der Politik in den Ländern des Westens grundlegend umgeschrieben. Der Brexit und der Wahlsieg Donald Trumps schienen zu beweisen, dass Fakten keine Bedeutung mehr haben. Wer die Stimmungen der Bevölkerung versteht, braucht kein Konzept. Wer die Wut der Menschen im Internet anheizen kann, muss nicht einmal wissen, worum es geht. Charisma genügt. Doch nur wenige Monate später zeigt sich immer deutlicher, dass Fakten und Inhalte keineswegs verschwunden sind. Im Gegenteil, gerade in den Details scheitern die Populisten – wenn sie es mit kompetenten Gegenspielern zu tun bekommen. Ein Präsident, der nicht versteht, wie ein Gesetz gemacht wird, entpuppt sich als lächerliche Figur. Wenn Trump von seiner Magical Mystery Tour zurückkehrt, erwartet ihn in Washington ein mächtiger Feind: die langweilige Politik.

Der ägyptische Präsident Abd al-Sisi, der saudische König Salman, Melania und Donald Trump in Riad
Der ägyptische Präsident Abd al-Sisi, der saudische König Salman, Melania und Donald Trump in Riad (Bild: The White House, gemeinfrei)
Christoph M. Kluge

Christoph M. Kluge

In einem früheren Leben Herausgeber und Autor subkultureller Fanzines. Studium der Literatur- und Geschichtswissenschaften. Freier Autor und Journalist in Berlin. Aktuelles Projekt: Leverage Magazine. http://www.leverage-magazine.com/
Christoph M. Kluge

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