PUNKROCK DIARY #4

Buch

Mit dem Punkrock Diary verabschiedet sich eines der besten und lustigsten Fanzines. Schnief. R.I.P.

In Wiesbaden gab es Ende der 90er Jahre einen großartigen Laden namens 2se, der im ersten STock der schäbigen Passage lag, die zum Karstadt führt. Der Laden war früher einmal ein China-Restaurant gewesen, wovon die abgefuckte Einrichtung und die Dekoelemente an den Wände zeugten. Chinesische Drachen und geschnörkelte Ornamente allerorten. Dort gab ich mit meiner alten Band ein für mich denkwürdiges Konzert. Als ich die improvisierte Bühne betrat, war ich schon so besoffen, dass ich mich nicht mehr artikulieren konnte. So sehr ich mich auch anstrengte, es gelang mir nicht eine Textzeile halbwegs verständlich ins Mikro zu brüllen. Dass ich an dem Abend klang wie Pedder von Daily Terror ohne Zähne geriet aber schnell in Vergessenheit, da unser Bassist gegen Ende des Auftritts seinen Bass an einer Säule zertrümmerte und daraufhin uns der Tontechniker den Saft abdrehte. Dieser Laden jedenfalls war von der Schließung bedroht und kündigte rund ein Jahr lang jede Party als die letzte Party an. Irgendwie erinnert mich das an Maks und sein Punkrock Diary. Die vergangenen Ausgaben schon lässt der Gute anklingen, dass er kein Bock mehr darauf hat und aufhören will. Wurde schon Punkrock Diary #3 als die letzte Ausgabe angekündigt, scheint Ausgabe #4 nun wirklich die letzte zu sein.

Mich macht das traurig, denn ich lese Maks einfach gerne. Der Gute hat einfach eine sympathische Schreibe und schafft es selbst scheinbare Nebensächlichkeiten witzig zu beschreiben. In seinen Tagebucheinträgen, die vor allem in Ausgabe #4 mehr denn je einem Tagebuch mit Reflektionen über das tägliche Leben und weniger einem Konzerttagebuch gleichen, nimmt er seine Umwelt kritisch, aber auch immer mit einer sarkastischen Note wahr. Dass lässt sich alles locker flockig in einem Rutsch oder auch zwei weglesen, und besonders, wenn man im öffentlichen Nahverkehr im Punkrock Diary schmöckert, kann man sich bösen Blicken der Mitreisenden sicher sein, wenn man scheinbar grundlos losprusten muss. Mir ging es zumindest so. Und irgendwie hoffe ich, dass Maks ähnlich konsequent wie das 2se ist und noch ein paar Ausgaben folgen – vielleicht auch einfach nach einer längeren Pause.

Doch wenn das Punkrock Diary #4 wirklich die letzte Ausgabe gewesen sein sollte, schließt sie mit einem würdigen Ende – nämlich mit einem Konzertbericht über Milenrama im Sabot Wiesbaden. Darin schreibt anerkennend: “Police Control und Les Concordes, beide aus Paris, aber nicht nur, sind durch und während Milenrama bereits in den letzten Zügen sind, tut es ihnen das Publikum gleich. Von den – Morgen ist schließlich Arbeitstag – letzten ca. 15 Anwesenden sind n12 aber sowas von hackedicht, dass ich mich wundere, dass noch soviele stehen bzw. Sich beim torkeln nicht voll auf die Fresse legen.” Ja, so ist Wiesbaden. Klein, aber besoffen, haha.

Wie auch immer, mit dem Punkrock Diary verabschiedet sich eines der besten und sympathischsten Fanzines des Landes. Und euch kann ich nur empfehlen, sich schleunigst alle noch vorhandenen Ausgaben zu ordern. Es lohnt sich!


 

Format: Buch

Preis: 2,50 Euro

Website: www.rilrec.de

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Falk Fatal

Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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