QUICK’N’DIRTY: DIET CIG /// PWR BTTM /// RAKTA

Post-Punk/Indierock

Zweimal Indiepunk, einmal Post-Punk: Die Scheiben von Diet Cig und Rakta überzeugen auf ganzer Linie. Bei PWR BTTM bleiben viele Fragen offen.

DIET CIG – Swear I’m good at this

 

Wow, das ist aber mal eine positive Überraschung. Kannte die Band vorher nicht und bin jetzt umso positiver überrascht, was das Duo aus New York auf ihrem Debüt-Album fabriziert. Das erinnert an schrammeligen Indie-Pop, wie ihn die Lemonheads zum Beispiel in den 80ern gespielt haben, genauso wie an die Rrriot Grrrls-Bands der frühen 90er Jahre. Gerade mit letzteren verbindet sie inhaltlich eine Menge, sind Diet Cig doch sehr engagiert im Kampf gegen das leider immer noch vorherrschende Patriarchat. Was mir gut gefällt an “Swear I’m good at this” ist die positive Energie, die die zwölf Songs verströmen. Die Konzerte im April habe ich leider verpasst, aber vielleicht kommen Diet Cig irgendwann nochmal nach Deutschland auf Tour. Bis dahin tröstet  mich dieses starke Debüt-Album.

Info

Format: CD/LP

Label: Frenchkiss Records

Band Website: http://dietcig.com

Label Website: www.frenchkissrecords.com/


PWR BTTM – Pageant

Anmerkung: Eigentlich sollte hier nur ein kurzes Review zu “Pageant”, dem neuen Album von PWR BTTM stehen. Doch vor Veröffentlichung des Albums sind Vorwürfe bekannt geworden, ein Mitglied der Band, Ben Hopkins, habe nach einem Auftritt einen Fan vergewaltigt. Ben Hopkins bestreitet das. Er dachte, der Sex sei einvernehmlich gewesen, heißt es in einem Statement auf der Facebook-Seite der Band. Nachzulesen hier. Artikel zu den Vorwürfen findet ihr hier, hier und hier. Die Band wurde daraufhin von ihren Labels gekickt und die große US-Tour, um das Album zu promoten, wurde gecancelt. “Pageant” ist zurzeit sowohl physisch als auch virtuell auf Streamingplattformen nicht erhältlich. Allerdings scheint es bislang keine Anzeige und keine Ermittlungen gegen Hopkins zu geben. Die Band will wohl mit neuem Management weitermachen, ob sie nach diesen schwerwiegenden Vorwürfen aber noch eine Zukunft hat, ist wohl eher unwahrscheinlich. Vor allem in der queeren Community, aus der viele Fans stammten, scheint das Vertrauen dahin.  Ungeachtet dessen, haben wir uns entschieden, das ursprüngliche Review leicht modifiziert zu veröffentlichen.

Ich habe keine Ahnung für was PWR BTTM steht. Ist das eine Abkürzung? Oder ist das wieder so eine Hipstergeschichte, bei der man die Vokale entfernt hat? Ich weiß es nicht und eigentlich ist es ja auch egal, wenn der Rest stimmt. Und der Rest sind, in diesem Fall, 13 schrammelige Indierocker, die vom queeren Duo Ben Hopkins und Liv Bruce zum Besten gegeben werden. Hier gibt es nix zu meckern. Das Songwriting ist mehr als ordentlich, akustische Schnörkeleien – neben den Hauptinstrumenten Gitarre und Drums, die Hopkins und Bruce bei Konzerten immer wieder tauschen – wie Keyboards, Flöten oder Bläser lassen keine Langeweile aufkommen und sorgen beim Hören für gute Laune. Manchmal erinnert mich der Sound an Weezer. Meine Favoriten sind der Titelsong, die Queer-Hymne “Sissy” und das bezaubernde “Big Beautiful Day”. Eigentlich ein gGutes Album, das angesichts der erhobenen Vorwürfe aber einen faden Beigeschmack hinterlässt. das hoffentlich bald auch hierzulande von PWR BTTM präsentiert werden wird.

Band Website: https://pwrbttmband.com


RAKTA – s/t 


Rakta sind mal wieder eine tolle Überraschung. Von der Band noch nie etwas gehört, deshalb auch nicht viel erwartet und richtig positiv überrascht worden. Rakta sind eine reine Girlgroup aus Brasilien, die auf ihrer schon 2014 erschienenen Debüt-LP tollen, sperrigen und mit viel Hall und Echo gespielten Post-Punk präsentieren, der mich an alte P.I.L. erinnern. Die LP hat sechs Songs, die mehr oder weniger nahtlos ineinander übergehen und zumindest bei mir für eine leicht hypnotische Wirkung erzielen – was ich positiv meine. Eine Platte, die man nicht nebenbei hören sollte, sondern bewusst und am besten laut! Geiler Scheiß!

Info

Format: LP

Label: Raccone Records

Band Website: www.facebook.com/raktaraktarakta

Label Website: www.raccoone-records.de

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Falk Fatal

Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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