Saunapunk mit Terrorgruppe und Mitgift in der Oettinger Villa Darmstadt

Konzertbericht

Saunapunk mit Terrorgruppe Foto: Marco Capgras
Saunapunk mit Terrorgruppe Foto: Marco Capgras

Terrorgruppe und Mitgift in der Oettinger Villa, Darmstadt? Marco Capgras ließ sich dieses Konzerthighlight am 22. Juli 2017 nicht entgehen und hat für die Nachwelt die Auftritte der Deutschpunker mit seiner Kamera festgehalten.

Sehr ärgerlich, wir kommen viel zu spät zum Konzert. Die Terrorgruppe hat schon ihr halbes Set gespielt, weil keiner von uns wusste, wo die verdammte Oetinger Villa ist. Ich laufe den Gang Richtung Konzertsaal und mir kommen auffällig viele Skinheads entgegen. Drinnen geht es gut zur Sache. Der Sound klingt dreckig. Der Gesang  schön rotzig und die Texte gemein. Das Publikum wird bespuckt und beschimpft. Die Band natürlich auch. Es dürfte mein zweites oder drittes Terrorgruppen-Konzert gewesen sein.

Das alles ist jetzt 23 Jahre her. Als ich hörte, dass es die Männer nach so langer Zeit jetzt mal wieder nach Darmstadt verschlägt, war natürlich klar, dass ich mich nicht zwei Mal bitten lasse. Schon allein deshalb, weil ich mittlerweile den Weg zur Villa kenne und sie in 7 Minuten mit dem Fahrrad erreiche. Somit komme ich dieses Mal auch nicht zu spät und es bleibt genug Zeit für Bier trinken und quatschen. In weiser Voraussicht, dass ausverkaufte Villa-Konzerte immer verdammt heiß werden, meinte Holger ganz locker, er habe sogar extra keine Unterhose angezogen.

Mitgift heizen den Glutofen an

Den Opener machen „Mitgift“ aus Darmstadt. Jetzt kann man mir natürlich Vetternwirtschaft unterstellen, da ich die 4 Musikanten auch außerhalb ihres Treibens auf der Bühne in mein Herz geschlossen habe, aber das passte doch sehr gut. Ironische, ausgeklügelte Texte und eingängige Melodien. Perfekt geeignet, um für die Terrorgruppe einzuheizen. Das sahen, glaube ich, auch die meisten Leute im Publikum so, wenn man mal dem Applaus nach urteilen darf. Guter Start!

Dann war ich echt gespannt. Bis zur „Melodien für Millionen“ galt die Terrorgruppe als eine meiner Lieblingsbands. Danach habe ich sie ein bisschen aus den Augen verloren. Umso überraschter war ich, als die Herren mit ihrem Set anfingen und wirklich einen Hit nach dem anderen abfeuerten. Verdammt, ich dachte ich mach ein paar Fotos und trinke gemütlich 3-4 Bier in den hinteren Reihen. Pustekuchen, das war wirklich der Wahnsinn. Auf die Schnelle ein paar Bilder geschossen und dann ab in den Pogokreis. Selten so ein textsicheres Publikum gesehen. Schön übrigens, wenn die eigene Ehefrau einem die Textzeile „Die Nacht war schön, doch ich hab leider deinen Namen vergessen“ ins Ohr brüllt. Danke, ich hab dich auch lieb!

Trinkpause zur Halbzeit

Im übrigen weiß ich jetzt auch, woher MC Motherfucker seinen Namen hat. Gar nicht weil er gerne andere Mütter fickt. Nein, er fickt gerne seine eigene. Es hat richtig Spaß gemacht, den Herrschaften da auf der Bühne zuzuschauen. Irgendwann meinte Archi dann auch, dass er sich vor 23 Jahren um diese Uhrzeit gerade ausgezogen hat, es heutzutage aber nicht mehr darf. Haha, so ändern sich die Zeiten. Auch neu für mich, ein Konzert zu unterbrechen um eine Trinkpause einzulegen. Klingt jetzt vielleicht nach Rockstargehabe oder Rentnerband, aber jeder der dabei war weiß, dass es im Saal so unfassbar heiß war, dass das die einzig richtige Entscheidung war. Sogar noch heißer als bei den berüchtigten Turbostaat Konzerten in der Villa. Die Leute kippten sich alles über die Köpfe was annähernd flüssig war und Abkühlung versprach.

Fazit des Abends: Terrorgruppe, ihr habt mich wieder! Irgendwer meinte dass sie demnächst nochmal nach Frankfurt kommen, wer kommt mit? Am besten wieder mit MitGift als Support, das hat gepasst und meine Chancen auf ne Mitfahrgelegenheit würden enorm steigen, haha. Außerdem hab ich vergessen mir die limitierte „Tiergarten“ als Vinyl mitzunehmen. Wehe die ist bis dahin ausverkauft!

Marco Capgras

Marco Capgras

Exil Darmstädter, aus dem wunderschönen Bad Offenbach geflohen. 1995 - 2012 bei der Punkband „Ungunst“ am Mikrofon, mimt er jetzt bei seiner aktuellen Band „Captain Capgras“ den großen Zampano. Zwischendurch schnappt er sich mal seine Kamera und knipst ein bißchen fürs Polytox. Das will er so lange machen, bis er die Konzertfotografie beherrscht. Somit dürfte er uns also noch sehr lange erhalten bleiben…
Marco Capgras

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