Schrottgrenze dürfen das

Schrottgrenze & Botschaft am 3.3.2017 im Schon Schön, Mainz

Schrottgrenze haben kürzlich mit “Glitzer auf Beton” ein tolles, neues Album veröffentlicht. Ob die neuen Lieder auch live etwas taugen, verrät euch unser Autor Marco Capgras.

Wie sangen Pascow damals so schön? „Alle meine Freunde, die leben jetzt in Hamburg…doch ich sehe da keinen Sinn“.  Alex Tsitsigias von Schrottgrenze liefert im Jahre 2017 beim Konzert in Mainz endlich den Grund: „Wir in Hamburg kennen Fasching ja gar nicht“. Unter diesem Aspekt scheint die Hamburg-Reisewelle von damals plötzlich doch sehr vernünftig…

Die Band „Botschaft“ eröffnet den Abend mit, ja, weiß nicht, netter Musik. Nicht schlecht, könnte für meinen Geschmack noch etwas flotter sein, aber das ist dann einfach nicht die Musikrichtung die ich bevorzuge.

Das `viel zu poppig´ wirft manch einer ja auch Schrottgrenze vor. Diese Leute haben nur eins nicht verstanden: Schrottgrenze dürfen das. Was manche Bands nicht dürfen, dürfen Schrottgrenze. Punkt. Keine Diskussion.

Diese feuern dann auch einige Hits des neuen Albums ab, darunter auch meine neuen Lieblingssongs wie „Glitzer auf Beton“, „Sterne“ und „Zeitmaschinen“. Warum laufen diese Songs eigentlich nicht im Radio? Okay, das frage ich mich auch bei Bands wie ABFUKK, aber bei Schrottgrenze ist das doch nicht so unrealistisch, oder?

Ich muss gestehen, ich hatte Schrottgrenze die letzten Jahre etwas aus den Augen verloren. Die letzten Alben gingen einfach nicht mehr an mich. „Vaganten und Renegaten“ hab ich noch hoch und runter gehört, aber dann war Schluss. Umso erfreulicher, dass mir das neue Album wieder so manch lange Autofahrt versüßt.

Irgendwann fragt Alex Tsitsigias dann auch ins Publikum, wer denn 1996 schon bei ihrem Konzert im Haus Mainusch war. Dass ich dann der Einzige war, der laut „hier“ gerufen hat, wunderte mich nicht, fuhren Schrottgrenze auf ihrem ersten Album textlich doch noch eine ganz andere Schiene. Er wusste aber noch, dass damals, die hier in der Region recht bekannten „Magic Splatters“ mitspielten. Daran konnte ich mich wiederum nicht mehr erinnern. Da er so ein gutes Gedächtnis hat, befand ich es für klug, nicht zu erwähnen, dass ich damals der Depp war, der auf die Bühne kam und nen Song mitgeträllert hat. Nicht dass ich ihnen jetzt 20 Jahre später noch nen Schnaps als Entschädigung ausgeben muss.

Als Rausschmeißer kamen dann noch Hits wie „A7“, „The Laird of John O’Groats“ und natürlich „Lila will heim“.

Insgesamt hätte ich den Schrottis auch gerne noch ne Stunde länger zugehört, war irgendwie ne ganz nette Atmosphäre im Mainzer „Schon schön“. Okay, diesen Geruch nach Klostein sollten sie in den Griff bekommen. War mein erster Besuch dort, keine Ahnung ob das immer so ist.

Auf dem Rückweg nach Darmstadt dann noch „Glitzer auf Beton“ in den CD Player geschoben.

„Weil Geschlechter konstruiert sind und ich nicht an sie glaub. Weil Ignoranz Gewalt ist und weil es immer noch Schutzräume braucht… Lieb doch einfach, wen du willst!“

Das mache ich sonst eigentlich nie, die Band des besuchten Konzertes auf dem Heimweg hören. Diesmal schon…


Info:

Website Schrottgrenze: www.schrottgrenze.de/

Website: Botschaft: https://de-de.facebook.com/botschaftband/

Marco Capgras

Marco Capgras

Exil Darmstädter, aus dem wunderschönen Bad Offenbach geflohen. 1995 - 2012 bei der Punkband „Ungunst“ am Mikrofon, mimt er jetzt bei seiner aktuellen Band „Captain Capgras“ den großen Zampano. Zwischendurch schnappt er sich mal seine Kamera und knipst ein bißchen fürs Polytox. Das will er so lange machen, bis er die Konzertfotografie beherrscht. Somit dürfte er uns also noch sehr lange erhalten bleiben…
Marco Capgras

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*