“Menschen werden immer ihr Leben für ein besseres Leben riskieren”

Flüchtlingshelfer

Marco war diesen Sommer als Freiwilliger auf dem Bergungsschiff Sea Eye im Mittelmeer unterwegs, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten. Was ihn dazu motivierte, was er von der aktuellen Flüchtlingspolitik der EU hält und warum sich Menschen überhaupt dieser Gefahr aussetzen, erzählt er im ausführlichen Interview.

—Fotos: Bente Stachowske—

Hallo Marko, Du warst ja Anfang Juni für zwei Wochen im Mittelmeer auf der See Eye. Was genau habt Ihr da gemacht?

Wir haben Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet.

Und was genau ist Sea Eye?

Sea Eye ist ein Verein aus Regensburg, der 2015 von Michael Buschheuer gegründet wurde, da er nicht mehr zusehen wollte, wie im Mittelmeer Menschen ertrinken. Zuerst wollte er mit seinem Segelboot wollte darunter und dann Menschen retten. Er hat aber schnell gemerkt, dass das Segelboot eher ungeeignet dafür ist. Also gründete er den Verein und hat dann einen alten DDR Fischkutter gekauft – die heutige Sea Eye. Das Schiff ist schon 60 Jahre alt, aber von denen, die damals gebaut wurden ist bis heute noch keiner gesunken. Der Kutter wurde anschließend restauriert und ein bisschen umgebaut. Und seitdem fährt er alle zwei Wochen vor die libysche Küste und hält Ausschau nach Flüchtlingsbooten, um deren Insassen zu retten.

Warum gerade Libyen?

Von Libyen starten die meisten Flüchtlinge die riskante Überfahrt übers Mittelmeer.

Und dort schippert ihr dann die Küste entlang und sammelt Flüchtlinge auf?

Ja, so ungefähr oder wir warten auf Hinweise von der italienischen Marine oder anderen NGOs wie SeaWatch oder Ärzte ohne Grenzen, die dort unten ebenfalls nach Flüchtlingen suchen. Wenn wir dann Hinweise erhalten oder suchen, dann fahren wir allerdings nur bis an die 24 Seemeilen-Grenze heran, weil dahinter hat der libysche Staat schon gewisse Hoheitsrechte und ab der 12-Seemeilengrenze beginnt sozusagen sein Staatsgebiet.

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Schiff auf dem Weg in das SAR (Search and Rescue) Gebiet vor der libyschen Küste. Training auf See, das Schlauchboot wird ausgekrant und ein Rettungseinsatz wird geübt.

Das ist ja fast wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Ein bisschen. Aber wir haben ja auch Unterstützung, zum Beispiel durch die italienische Küstenwache MMRC oder Flugzeugen von den Young Pilots, die zweimal am Tage das Suchgebiet überfliegen und mit den Schiffen der anderen NGOs sind wir auch regelmäßig in

Und wie lange sind die Flüchtlinge dann denn auf Wasser? Handelt sich da um Stunden oder Tage bis die gerettet werden?

Das ist unterschiedlich. Wir hatten Leute, die meist wenige Stunden vorher aufgebrochen sind. Es gibt aber auch Boote, die schon länger auf See sind. So hatten wir einmal durch Zufall ein Holzboot gefunden, das rund 30 Seemeilen vom Festland entfernt war.

Wenn wir die nicht zufällig gefunden hätten, dann hätten die wahrscheinlich mehrere Tage da verbringen können – wenn sie überhaupt gefunden worden wären.

Und dort dürft ihr nicht reinfahren?

Genau, in die 12-Meilen-Zone fahren wir nur, wenn wir von der libyschen Küstenwache explizit darum gebeten werden.

Jetzt ist die Entscheidung an Bord solch eines Rettungsschiffs zu gehen, ein großer Schritt. Du hättest Dich ja auch in der lokalen Flüchtlingshilfe engagieren können und etwa ehrenamtlich in einem Flüchtlingsheim helfen oder den hier gelandeten Flüchtlingen Deutsch beibringen können. Was hat Dich zu diesem Schritt motiviert?

Ja, das stimmt schon. Es gibt genügend Möglichkeiten sich hier vor Ort zu engagieren. Aber das reicht mir nicht. Ich wollte raus aus meiner Komfortzone, ich wollte dort hin, wo ich wirklich konkret helfen kann. Und das konnte ich an Bord der Sea Eye.

Aber Du bist jetzt ja kein Seemann. Wie kamst Du ausgerechnet an Sea Eye?

Ich wollte eigentlich bei SeaWatch anheuern. 2016 war das. Doch SeaWatch nimmt nur qualifizierte Fachkräfte an Bord, also Menschen, die eine nautische oder medizinische Ausbildung haben oder die Mechaniker sind. Aber da ich solche Ausbildungen nicht habe, haben die mich leider nicht genommen. Also habe ich mich informiert was es noch für NGOs gibt und welche Qualifikationen die fordern. So bin ich auf Sea Eye gekommen. Ich habe mich dann bei denen gemeldet, dann hatte ich noch ein längeres telefonisches Vorstellungsgespräch mit einem Mitarbeiter von Sea Eye und dann war ich eigentlich dabei.

Anfang Juni bist Du dann runter nach Malta, wo die Sea Eye vor Anker liegt. Ich nehme an, dieses Engagement ist ehrenamtlich?

Ja, das ist ehrenamtlich. Ich habe Hin- und Rückflug nach Malta gezahlt. Kost und Logis an Bord und in den Tagen vor und nach der Mission auf hoher See sind aber umsonst.

Aber das ist von NGO zu NGO unterschiedlich. Es gibt welche, die zahlen auch den Flug, aber das hängt ja auch von der Größe und den finanziellen Mitteln der jeweiligen NGO ab.

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Schiff im SAR (Search and Rescue) Gebiet vor der libyschen Küste. Nahe der 24 Meilen Grenze. Marco ist Deckshand an Bord der Sea Eye.Rettungseinsatz wird geübt.

Dann warst Du auf hoher See. Beschreibe doch mal wie es auf dem Schiff ist. Der alte Kutter hat ja bei weitem nicht den Komfort eines Kreuzfahrtschiffes.

Nee, den Komfort hat die Sea Eye wirklich nicht (lacht). Man merkt schon, dass das ein Schiff war, um Fische zu fangen und zu transportieren, und nicht um große Menschenmengen herumzufahren. Das Schiff ist rund 26 Meter lang und 3,80 Meter breit.

Es ist also alles ziemlich beengt an Bord. Unser Hospital ist eigentlich ein Bretterverschlag durch den Wind pfeift. Da drin gibt es eine Krankenliege und zwei Betten für das Personal. Vor der Krankenstation gibt es zwei weitere Liegen, dann gibt es für den Maschinisten eine kleine Hütte mit Tisch und Bett drin und der Kapitän hat ebenfalls einen eigenen Schlafraum. In der Messe, also im Speisesaal, stehen vier weitere Betten. Da ist es auf der Seefuchs, dem zweiten Boot von Sea Eye schon etwas komfortabler.

Aber Du warst ja auch nicht an Bord um Urlaub zu machen.

Genau. Und zwei Wochen kann man das schon einmal aushalten.

War das eigentlich Deine erste größere Seereise? Wie hat Dein Magen das überstanden?

Außer einer Fahrt mit der Fähre von Schweden nach Deutschland, 1998 war das, bin ich noch nie für längere Zeit auf dem Meer gewesen. Also war das schon meine erste größere Seereise und meinem Magen ist das überhaupt nicht gut bekommen, haha.

Wir waren kaum aus dem Hafen raus, da ging schon los. Ich saß die ersten drei Stunden mit geschlossenen Augen auf dem Achterdeck und habe mich am Seil festgehalten. Dann habe ich eine Zeitlang das Meer angebrüllt und dann noch zwei Stunden gebraucht, bis ich in der Lage war, unter Deck zu gehen. Ich habe es aber nicht in meine Koje geschafft. Also den ersten Tag war ich wirklich seekrank. Sobald ich mich hingesetzt habe, musste ich mich eigentlich direkt übergeben. Dass hat sich aber nach einem Tag gelegt, einen weiteren halben Tag habe ich gebraucht, um wieder zu Kräften zu kommen.

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Du hast eben schon gesagt, dass Du eigentlich keine Fachkenntnisse für die Arbeit an Bord eines Schiffes hast. Was hast Du gemacht, wenn ihr gerade keinen Rettungseinsatz hattet?

Es gibt natürlich Tätigkeiten, die alle erledigen müssen. Dass ist zum Beispiel die Brücke und das Deck putzen oder den Müll rausbringen. Daneben gibt es kleinere Reparaturen, die man auch ohne technische Ausbildung erledigen kann. Dann muss der Motor, sobald er läuft, gepflegt werden. Alle zwei Stunden schaut man nach dem Öl, und kippt gegebenenfalls was nach, und nach dem Bilgewasser, das sich an der tiefsten Stelle im Schiff sammelt, muss man auch regelmäßig kontrollieren. Eine weitere Aufgabe ist die Wache. Da sitzt man auf der Brücke und passt auf, dass der Kapitän oder Steuermann nicht einschläft.

Wie läuft das konkret ab, wenn ihr Hinweise auf ein Flüchtlingsboot bekommen habt oder selbst eines entdeckt?

Zuerst sieht man einen kleinen schwarzen Punkt am Horizont, der je näher man kommt, größer wird. Oder man sieht etwas auf dem Radar. Danach schnappt man sich ein Fernglas und schaut noch einmal genauer. Wenn es sich wirklich um ein Flüchtlingsboot handelt, hält man den Kurs bei.


Wer das komplette Interview mit Marco hören will, kann es sich hier anhören in Folge 11 des Polytox Podcast.

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Und dann?

Dann ziehen wir uns die Rettungswesten an und wenn wir nah genug dran sind, lassen wir das Beiboot zu Wasser. Auf dem sind meist drei Personen: der Fahrer, der auch einen Sportbootführerschein haben muss, ein Kommunikator, der gut Englisch oder Französisch, am besten beides spricht, und ein Funker, der Kontakt zur Sea Eye hält. Bei meiner Mission hatten wir meistens noch eine Fotografin dabei. Dazu kommen dann die BigBags – das sind große Plastiksäcke – mit Rettungswesten für die Flüchtlinge. Zwei BigBags kann man mitnehmen, in jeden BigBag passen 33 Schwimmwesten. Mit einer Fahrt kann man also 66 Schwimmwesten verteilen. Wenn dann alles an Bord ist, fahren wir zu dem Flüchtlingsboot und drehen erst einmal eine Runde um dieses und winkt freundlich.

Zu welchem Zweck macht ihr das?

Zum einen natürlich, dass möglichst alle auf dem Flüchtlingsboot mitbekommen, dass wir da sind, und dass wir nicht zu den Schleppern oder libyschen Küstenwache gehören. Zum anderen natürlich um uns selbst einen Überblick zu verschaffen, wie viel Leute ungefähr an Bord sind. Denn gerade bei den sogenannten Rubberboats, die so überfüllt sind, dass die Menschen sogar auf dem Bootsrand sitzen, kann man immer davon ausgehen, dass ungefähr die doppelte Zahl der Menschen, die man sieht, an Bord sind.

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Auf dem gesichteten Schlauchboot sind ca. 125 Menschen an Bord, sie werden mit Rettungswesten versorgt. Frauen mit Kindern und Schwangere werden an Bord der Sea Eye gebracht, es sind 19 Frauen und 7 Kinder.

Was sind Rubberboats?

Die sehen aus wie Schlauchboote, sind es aber nicht wirklich. Das sind Boote, für die kein Gummi verwendet wird, sondern Lkw-Plane. Und damit die überhaupt irgendeine Last aushalten, werden Holzbretter als Boden eingelegt. Doch die brechen oft ab einem gewissen Gewicht oder schneiden sich in die Plane rein, sodass Luft entweicht und es oft nur eine Frage der Zeit ist, wann das Schiff sinkt. Und mit einem alten Motor und Kompass werden die dann losgeschickt. Es ist klar, dass die so niemals die italienische oder maltesische Küste erreichen würden.

Ok, kommen wir nochmal zurück zur eigentlichen Rettungsmission. Ihr habt eure Begrüßungsrunde gedreht. Was nun

Wir fahren von hinten an das Bord ran und suchen eine Person mit der wir uns verständigen können. Der erklären wir kurz, was wir machen. Wir versuchen auch zu klären, ob Kinder, Kranke oder schwangere Frauen an Bord sind. Dann verteilen wir die Schwimmwesten und erklären, dass Hilfe unterwegs ist.

Wenn alle Schwimmwesten haben, verteilen wir noch Wasser und Müsliriegel.

Ihr nehmt die Flüchtlinge also nicht an Bord?

Im Normalfall nehmen wir nur Kranke, Schwangere oder Kinder an Bord, um diese ärztlich zu versorgen. Die Sea Eye wäre auch zu klein, um eine große Zahl Flüchtlinge an Bord zu nehmen. Wir verständigen stattdessen die italienische Küstenwache und die schicken dann ein Schiff, um die Menschen zu bergen. Solange warten wir dann.

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Marco hilft einem Mann auf das Schlauchboot.

Das kann wahrscheinlich auch mal ein paar Stunden dauern?

Ja, das kann auch mal ein paar Stunden dauern.

Und wenn es unnormal läuft?

Dann nehmen wir auch Flüchtlinge solange an Bord bis Rettung da ist.

Was wäre so ein Fall denn?

Wenn zum Beispiel das Flüchtlingsboot am Sinken ist.

Hattet ihr so einen Fall während Deines Aufenthalts auf der Sea Eye?

Ja, einmal.

Aber es ist alles gut gegangen?

Ja, wir konnten alle retten und haben dann für die Flüchtlinge eine Rettungsinsel zu Wasser gelassen.

Die EU-eigene Rettungsmission Mare Nostrum wurde ja vor einiger Zeit eingestellt, oder?

Ja, die wurde 2015 beendet. Jetzt gibt es nur noch Frontex, die die europäischen Küsten schützen soll. Die wird zwar von der EU finanziert, unterliegt aber keiner parlamentarischen Kontrolle. Und dann gibt es noch die Operation Sophia. Da zerstört die libysche Küstenwache zusammen mit Frontex direkt in Libyen seetaugliche Boote, damit die Flüchtlinge erst gar nicht starten können. Dass ist dann auch einer der Gründe, warum sie in diesen Rubberboats aus China unterwegs sind, die eigentlich nicht seetauglich sind.

Die EU hat sich also aus der Flüchtlingsrettung verabschiedet?

Es gibt noch die Operation Triton, die die Außengrenzen der EU bewachen soll. Die liegen aber meist vor der italienischen Küsten. Eine EU-Mission, die gezielt nach Flüchtlingsbooten sucht, gibt es meines Wissens nach zurzeit nicht.

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Marco hilft einem Mann auf das Schlauchboot.

Wie läuft das eigentlich an der libyschen Küste ab, wenn die Flüchtlingsboote starten. Manche der Refugees merken vermutlich erst da, auf was für ein Himmelfahrtskommando sie sich einlassen?

Ein Flüchtling, den wir gerettet haben, hat mir erzählt, dass er seit 2010 auf der Flucht ist. Der kam aus Zentralafrika und hatte fünf Jahre gebraucht, um überhaupt nach Libyen in eines der Flüchtlingscamps zu kommen. In Libyen hat er nochmals zwei Jahre gebraucht, um die 1.000 US-Dollar für die Überfahrt zu verdienen.

Wie hat er sich das Geld verdient?

Die Männer verdingen sich als Tagelöhner, oft auf dem Bau. Natürlich unter – im Vergleich zu Deutschland – katastrophalen Arbeitsbedingungen und schlechten Löhnen. Stellenweise werden die auch entführt, um die Familie zu erpressen. Noch schlechter sind die Frauen dran. Die werden als Sexsklavinnen gehalten und erst wenn sie schwanger und damit für Sexarbeit nicht mehr zu gebrauchen sind, werden sie aufs Boot gesetzt.

Und dann?

Dann werden sie irgendwann nachts an den Strand gebracht. Und dann haben die Flüchtlinge die Wahl: entweder sie setzen sich auf das Boot oder sie werden erschossen. Denn sie haben die Schlepper ja gesehen und könnten sie später theoretisch identifizieren.


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Wie geht es Dir damit? Es ist ja schon ein Unterschied, ob man darüber in der Zeitung liest oder in den Nachrichten einen Bericht sieht.

Mir geht’s damit eigentlich recht gut. Niemand ist ertrunken – weder von der Crew noch von den geflüchteten Menschen, es ist auch niemand schwer verletzt worden, und denen, die gesundheitliche Probleme hatten, hat unser Doc wieder auf die Beine gebracht. Von daher habe ich den Einsatz als Erfolg abgehakt.

Und es ist natürlich auch ein gutes Gefühl, den Menschen helfen zu können. Die freuen sich, wenn sie dich, denn sie wissen: jetzt ist das Schlimmste vorbei.

Das heißt, das wird nicht Dein letzter Einsatz gewesen sein?

Ja, nächstes Jahr will ich wieder an Bord gehen.

Was passiert eigentlich mit den Flüchtlingsbooten nach dem die Refugees gerettet wurden?

Die zerstören wir, damit sie nicht noch einmal benutzt werden können. Denn den meisten Flüchtlingsbooten folgen sogenannte Engine Fisher. Das sind entweder selbst Schlepper oder Leute, die auf eigene Rechnung handeln, die den Flüchtlingsbooten in einiger Entfernung folgen. Aber nicht, um im Ernstfall helfen zu können, sondern um den Motor zurückzubringen oder den Schleppern zu verkaufen, nachdem die Flüchtlinge entweder gerettet oder ertrunken sind. Deshalb versuchen wir und die anderen NGOs die Boote so schnell wie möglich zu zerstören, um den Schleppern das Geschäft so schwer wie möglich zu machen.

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Marco hilft einem Mann auf das Schlauchboot.

Jetzt gab es ja massive Kritik an den Rettungsmissionen seitens europäischer Politiker wie Thomas de Maiziere. Euch und den anderen NGOs wird vorgeworfen, mit den Schleppern zusammen zu arbeiten.

Es gab nie eine Zusammenarbeit mit den Schleppern. Wir und die anderen NGOs leisten Erste Hilfe gemäß internationalen Vereinbarungen zur Seenotrettung. Sea Eye hält sich deshalb auch nur in internationalen Gewässern auf und fährt nicht in libysche Hoheitsgewässer hinein, außer wir werden von der libyschen Küstenwache darum gebeten.

Also sind die Vorwürfe falsch?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass es nach Beginn der privaten Rettungsmissionen keinen exorbitanten Anstieg der Flüchtlingszahlen auf der Mittelmeerroute gab. Erst seitdem Deal mit der Türkei, der den Landweg dicht gemacht hat, versuchen vermehrt Menschen die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Darüber hinaus werden immer Menschen versuchen ihre Heimat zu verlassen, solange die Verhältnisse dort so sind wie sie sind. Die Klimakatastrophe in Afrika nimmt immer größerer Ausmaße an, es gibt Terrorismus zum Beispiel von Boko Haram und ganz allgemein sind die Lebensbedingungen in vielen afrikanischen Staaten schlicht beschissen. Solange die Verhältnisse so bleiben, wird es immer Menschen geben, die so verzweifelt sind, dass sie für die Chance auf ein etwas besseres Leben ihr Leben riskieren.

Marco, vielen Dank für das Interview!

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Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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