Supernova Plasmajets – Glitzer im Haar

New Breed Of Glamrock

Glam, Glitter, Glitzer, das sind die Supernova Plasmajets, das ist Rrrock!

Manch einer reibt sich sicher verwundert die Augen, weil man hinter diesen Attributen alte Lappen wie Mötley Crüe, Twisted Sister oder den aufgespritzten Mittfünfziger Axl Rose von Guns ‘n’ Roses vermutet. Doch weit gefehlt, seit den Spaßvögeln Steel Panther oder Tenacious D. – die Band von Schauspieler Jack Black – bekommt dieses Genre auch wieder etwas mehr Aufmerksamkeit von jüngeren Leuten. Unter anderem eben von den Jungs und dem Mädel der Mannheimer Supernova Plasmajets. Aus alter Verbundenheit und weil ich ihm den Einzug in den Rock-Olymp gönne – auch wenn der hier öfter mal beschriebene Weg nicht meiner wäre –, habe ich mir Drummer Alexis Rose vorgeknöpft. Dann soll der jetzt mal schnell losplappern, damit er noch genügend Zeit hat, sich vor der Release-Party später hübsch zu machen.

Heute ist Releaseparty. Wie nervös seid ihr?
Ach wir sind ganz schön aufgeregt kann man sagen und freuen uns zugleich auch. Im Moment proben wir jeden Tag und versuchen für diese besondere Show noch alles zu perfektionieren und den letzten Schliff zu verpassen. Wir bringen auch diverse neue Show-Elemente rein, die dann teilweise für die anstehenden Tourdaten übernommen werden sollen. Ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen, aber es wird grell, vielleicht auch ein bisschen kitschig und der Sound brutal!

Das klingt großartig, ich freu mich schon das zu sehen. Zum Song „Hold You Close“ habt ihr mit den Rollergirls Delta Quads zusammen gearbeitet. Was habt ihr mit denen am Hut und wie passen die zum Song?
Wir kommen ja aus Mannheim und die Delta Quads sind mittlerweile schon ne sportliche Nummer in der Region. Die spielen in der 2. Bundesliga, da kann der SV Waldhof nur von träumen, haha (der Mannheimer Fußball-Traditionsclub, Anmk. Bocky)! Wir finden den Sport Rollerderby aber an sich ziemlich geil. Das ist alternativer, macht Spaß beim Zusehen. Bringt außerdem viel Action mit und ist einfach nicht so Schlippsträger-Bierernst wie die gängigen in Deutschland beliebten Sportarten, die dazu auch noch ein Vermögen an Eintritt kosten. Beim Rollerderby kann man auch mal Alkohol und Zigaretten konsumieren ohne dabei schräg vom Nachbar angeschaut zu werden, ziemlich Rock ’n’ Roll also. Zudem stehen die Supernovas mit ihrer Frontfrau Jennifer Crush auch ein Stück weit für Girl-Power und das ist beim Rollerderby nicht anders, von daher kam da zusammen was zusammen gehört.

Hand aufs Herz, der Song ist schon sehr Kuschelrock verdächtig, oder nicht?
Auf jeden Fall und das ist auch so gewollt! Wir wollten eine klassische Rock-Ballade schreiben, so wie früher Skid Row, Mr. Big usw. und das waren immer deren größte Hits, die im TV und Radio rauf und runter liefen. Auf dem Rest der Platte sind dann immer die Fetzen geflogen, so ist das auch bei uns. Wenn du dir heute so genannte Rock-Balladen im Radio anhörst, kriegst du ja das blanke Kotzen – das hat alles nichts mehr mit Rock-Musik zu tun, das meiste davon ist einfach nur Dreck ohne Substanz. Es war auch einfach mal wieder Zeit da was Ordentliches auf den Markt zu bringen, haha!

Ihr bezieht euch auf Hairmetal und Glamrock. Seid ihr nicht viel zu jung für Europe, Kiss oder Mötley Crüe?
Überhaupt nicht. Da kommen wir wieder auf das Thema Musik mit Substanz. All diese Bands haben zeitlose Musik gemacht, da ging es in erster Linie nicht nur darum die schnelle Mark zu verdienen. Diese Bands wollten etwas schaffen, was für viele viele Jahre ein Statement sein sollte. Marek Lieberberg meinte vor kurzem in einem Interview, dass er in ein paar Jahren keine Headliner mehr für Rock am Ring haben wird, weil eben genau diese Bands so langsam aber sicher in Rente gehen. Es gibt viele Faktoren warum das so ist, da ist es schwierig den schwarzen Peter herauszupicken, ich denke aber die Hauptschuld tragen die Majors, die das Internet viel zu lange als Einnahme-Quelle unterschätzt haben und jetzt mit allen Mitteln versuchen damit noch ein paar Kröten zu ziehen. Wirklich Geld für gute Aufbauarbeit von Newcomern ist da dann nicht mehr vorhanden, da bringt man lieber die zwanzigste Mariah Carey „Best Of“ zu Weihnachten auf den Markt. Man darf gespannt sein, wie das die nächsten Jahre weitergeht. Ein guter, erster Schritt wäre mal wieder ein paar Bands zu signen, die eine Message haben und durch ihre Attitüde auffallen und nicht alle gleich aussehen und austauschbar sind. Amen!

Ich habe Supernova Plasmajets immer als eine Band wahrgenommen, die mit dem Genre mehr kokettiert, als sie sich auch privat sehr damit identifiziert. Doch wie ist es denn wirklich?
Ja und Nein. Die Glam-Mucke an sich finden wir natürlich schon alle geil, sonst würden wir das nicht machen. Unser Ziel war und ist es dieses ganz arg peinliche von damals herauszufiltern und durch Modernes zu ersetzen. Deshalb klingen wir an manchen Stellen mal Pop-Punkiger, mal nach Paramore oder bringen auch mal einen trashigen Euro-Pop-Dance-Part mit rein. Es gibt keine Grenzen, wir sprengen einfach diese biederen Metal-Regeln, was man darf und nicht darf. Mal ehrlich – Was soll der Quatsch? Aufgewärmtes Essen von gestern schmeckt doch immer kacke. Ausnahme ist Lasagne, die ist am nächsten Tag immer noch ne Spur geiler, haha.

Ich muss es wissen: Wer von euch wäscht sich am meisten die Haare und welche Produkte werden dafür benutzt?

Unser Basser Cliff Bourbon, der alte Zottel, benutzt nur Glisskur. Randy Stardust vertraut ganz auf Dove – für den besonderen und wallenden Glanz – und Jennifer Crush schwört voll und ganz auf Paul Mitchell. Ich persönlich wasche meine Haare ja immer in Sand, weil ich so ein kerniger Typ bin, am Wochenende gönne ich mir aber auch manchmal ne Haarkur, schließlich sollen sie mir ja noch lange erhalten bleiben. Ich will nicht so enden, wie diesen Hair Metal-Musiker aus den Achtzigern, die jetzt mit Bierbauch und Glatze auf der Bühne stehen. Da stehen die Mietzen gar nicht drauf!

Könnt ihr euch in der Band auf eine Gruppe als die beste des Genres einigen, oder zieht ihr euch da regelmäßig gegenseitig an den Haaren?
Da können wir uns nicht einigen, aber das macht auch nichts, wir haben schon viele gemeinsame Nenner wie beispielsweise Reckless Love, H.e.a.t. oder auch Steel Panther. Ansonsten hat jeder noch mal seine eigenen Vorlieben und das ist wichtiger wie man denkt, so entsteht was Neues und man ist viel kreativer. Wenn du eine Band gründest und von allen Metallica die Lieblingsband ist, was glaubst du wie die am Ende zusammen klingen werden? Genau … wie Megadeth, haha.

Haha, saugut! Alexis, beruflich machst du selbst sozusagen irgendwas mit Medien. Doch jetzt sitzt du auf der anderen Seite und bekommst Termine rein. Wie ist es nun mal die Medien-Chose von der Seite aus zu sehen?
Das ist ganz gut und spielt uns sehr in die Karten. Ich weiß einfach auf was es ankommt und was die Medien erwarten, z. B. werden gute und interessante Bandfotos von vielen Bands unterschätzt und sehen total langweilig aus, das ist bei uns anders. Auch ist es interessant mal zu sehen, wie die Konkurrenz am Markt arbeiten, was man ja so gar nicht mitkriegt. Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, da hieß es auch schon mal, bucht erstmal eine Anzeige, dann hören wir uns vielleicht mal die CD an und ihr kriegt dann eventuell noch ne Rezi. Seltsamerweise war das aber nur bei deutschen Medien der Fall. Die englischen, schwedischen Magazine, usw. waren da wesentlich toleranter. Schade eigentlich, dass da zumindest in Deutschland zu viel auf die Kohle geschaut wird und nicht mehr nach Inhalten. Da fängts halt schon an. Wenn das anders wäre, hätte Marek Lieberberg wahrscheinlich in ein paar Jahren auch mal wieder echte Headliner-Bands am Ring und müsste nicht mit so nem Imagine-Dragons-Mist arbeiten.

Die Reaktion auf euch in der so genannten Fachpresse ist ziemlich enorm. Könnt ihr nachvollziehen, woran das liegt?
Wie du richtig erkannt hast, weiß ich schon ein wenig auf was es ankommt und das ist ein Vorteil für uns. Wir sind einfach anders. Wir haben auffällige, polarisierende Bandfotos, wir lassen uns nicht in eine musikalische Zwangsjacke drängen. Wir machen uns die Optik wieder zum Vorteil (das hat bei Kiss ja auch schon gut funktioniert) und wir wirbeln einfach mal ne Menge Staub in diesem knochigen, alten Genre auf. Außerdem geben wir uns immer nur mit 110 % zufrieden. Ein Anspruch der Enorm wichtig ist, wenn man irgendwie Erfolg haben möchte. Auch unser öffentliches Auftreten hat den höchsten Standard, da stimmt einfach alles von der Homepage, über die Videos bis zum CD-Layout. Wir ziehen unsere Corporate Identity eisenhart und überall durch – das bleibt einfach hängen und gibt der Band eine Persönlickeit. Halbe Sachen funktionieren nie, das muss man sich immer bewusst sein und man braucht auch den richtigen Biss für alles und darf sich bei nichts kleinkriegen lassen. Am Ende nimmt das auch die Fachpresse positiv auf, weil man einfach aus der austauschbaren Menge heraussticht. Eine witzige Anekdote einer großen deutschen Metal-Zeitschrift vor wenigen Tagen noch – da hat sich der Redakteur furchtbar darüber echauffiert, dass wir in einem Song einen Elektro-Beat eingebaut haben, was ja so ungefähr die schlimmste aller Drachentöter-Metal-Totsünden ist. Am Ende gab’s aber trotzdem satte Punkte bei der Rezi und man hat anhand der Details auch herausgelesen, dass er sich die CD garantiert mehr wie einmal anhört. Ein bisschen Provokation ist von daher hin und wieder gar nicht so ne dumme Idee.

Zu euren abschließenden Worten wäre es mir auch noch wichtig zu erfahren, was demnächst außer der bisherigen Livetermine ansteht.
Wir haben bis Ende 2017 schon diverse einzelne Gigs gebucht, eine richtige Tour am Stück allerdings noch nicht. Wir haben ein Angebot vorliegen für eine größere Tour im Herbst, allerdings heißt das dann aber auch gleich Pay To Play und da lägen wir im höheren fünfstelligen Bereich, was wir alleine fast nicht stemmen können. Da müssen wir dann einfach mal schauen, ob das umsetzbar ist oder ob es noch Alternativen gäbe. Außerdem suchen wir noch nach einer Booking-Agentur, die uns da noch unter die Arme greift und vielleicht auch noch Kontakte hat, an die wir so nicht ohne weiteres drankommen. Ansonsten wollen wir auf jeden Fall noch ein bis zwei Videos zur neuen Platte herausbringen und schreiben sogar parallel schon wieder an neuem Material für die nächste Platte. Vielleicht haben wir auch noch die eine oder andere Überraschung im Gepäck, da wollen wir jetzt aber mal nichts vorweg nehmen, aber man darf gespannt sein!


Info

Format: LP, CD, Digital

Label: AOR Records

Band-Webseite: Supernova Plasmajets

Label-Webseite: AOR Records

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky

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