Terrorgruppe – Superblechdose

Hedonistische Heilsfront Strikes Again

Die Wahlberliner MC Motherfucker (Gesang) und Johnny Bottrop (Gitarre) werden nicht müde, wenn es darum geht zu behaupten, die Terrorgruppe hätte zu Beginn der 90er die Punkrock-Welt als Band aufgemischt. Widersprechen werde ich der These nicht, weil ich sie erst ein paar Jahre später kennenlernte. Also die Band und nicht die These. Da waren die beiden ersten Alben Musik für Arschlöcher (1995) und Melodien für Milliarden (1996) bereits veröffentlicht.

Über die Reunion 2014, nach dem Split 2005, behauptet das niemand mehr. Das wäre vielleicht auch ein bisschen vermessen und vor allem auch nicht wahr. Ich denke das wussten und wissen die beiden Aushängeschilder und einzigen ewigen Bandmitglieder auch.

Ich kam Anfang der Nullerjahre auf die glorreiche Idee ein Konzert mit ihnen, zu ihrem vorerst letzten Album Fundamental, im Mannheimer JUZ zu veranstalten. Dazu entbrannte dann eine mindestens zwei Vollversammlungen lange Diskussion über das damalige Tourplakat, weil darauf eine barbusige Pin-up-Verarsche zu sehen war. Am besten war der Diskussionsteilnehmer, der das Cover einwandfrei verbal auseinandernahm und interpretierte – Pin-up-Verarsche, Blauhelm, auf dem FUCK steht, Titel des Albums + verschleiertes Pin up mit nem Sprengstoffgürtel, auf dem „Sexbomb“ prangt, etc. Sprich, der hatte vollkommen kapiert um was es geht, war aber trotzdem dagegen, da dies ein sexistisches Cover sei.

Das Ende der Geschichte war, dass ich beim Booking andere Plakate bestellte. Dort war man sogar wenig überrascht über so viel Engstirnigkeit. Mit der Erfahrung von heute, sehe ich das mittlerweile leider auch so.

Doch noch vor dem Konzert hatte die Terrorgruppe 2002 mit der Blechdose ihr erstes Livealbum veröffentlicht, dem nun schlappe 15 Jahre später mit der Superblechdose das zweite Album mit Liveaufnahmen folgt. Ein Nachfolger, der aufgrund der langen dazwischen liegenden Zeitspanne und neu erschienenen Songs wirklich Sinn macht. Was mich wirklich an diesem Teil freut ist der satte Sound, und dass man die Livestimmung überaus gut eingefangen hat. Da macht es mir nichts aus, die Jungs in den letzten Jahren gar nicht so oft auf der Bühne gesehen zu haben – also zumindest fast. Denn neben der Musik klappt es ziemlich gut die Stimmung aus dem Publikum heraus in die heimischen vier Wände zu transportieren. Wobei mir Archis Beleidgungen doch fast am besten gefallen, zusammen mit der Minor Threat Hommage – auf dem beiliegenden Textblatt ist ein Bild, auf dem ein Zebra aus der Herde ausbricht und huft.

Insgesamt also eine Veröffentlichung, die der Terrorgruppe gerecht wird, weil halt vieles, ach was alles stimmt – Musik, Stimmung, Attitüde, Aufmachung, Verpackung = Aggropop deluxe.


Format: Doppel-CD, Doppel-LP, auf 300 Stk. limitierte weiße Doppel-LP, auf 1.444 limitiertes Copies Box-Set mit Doppel-CD, Doppel-LP, Buch und DVD Konzertfilm „Live SO36“ und auf 3.333 limitierte Copies Doppel-CD in echter Blechdosen Verpackung

Band: Homepage, Facebook

Label: Homepage, Facebook

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky

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