The Adicts – And It Was So

Viva!

Nach 42 Jahren Bandbestehen erscheint heute mit And It Was So das elfte Studioalbum von The Adicts.

Meiner Sozialisation entsprechend muss mein Erstkontakt mit den Droogs irgendwann Ende der Neunziger gewesen sein. Also just in der Zeit, als die Herren gerade eine längere Pause einlegten und keiner so recht wusste, ob es die Band überhaupt noch gibt. Zur Wiederbelebung kam es einem Gerücht nach über die Skate-Legende Tony Hawk, auf dessen Geburtstagsparty sie angeblich spielten und dort Blut geleckt hatten wieder regelmäßig live aufzutreten. Das Ergebnis war ihr siebtes Album – die Livealben abgezogen – Rise And Shine auf Captain Oi! Records, mit dem sie auf Tour gingen. Das damals von Mannheim aus nächste Konzert war am 29. August 2002 im gut 300 km entfernten Krefeld. Ein Ereignis, das sich eine kleine Reisegruppe dennoch nicht nehmen lassen wollte. Nach über 15 Jahren weiß ich bloß noch, dass ich völlig selig sowie überglücklich war und sogar noch heim gefahren bin. Ts, das würde mir heute auch nicht mehr passieren, so ne Strecke nach nem Konzert wieder heimfahren!

Die Folgealben nach 2002 interessierten mich recht wenig, da ich schon mit dem Album nicht so richtig viel anfangen konnte. An die ersten zwei bis drei Alben kommt einfach nichts ran und gleich vorweg, And It Was So auch nicht! Wie bei wenigen anderen Bands auch, sind The Adicts für mich eine Liveband und alles, was nach 1985 erschien, ist einfach nicht so richtig geil. Stattdessen konzentriere ich mich bis heute auf die Liveshows, die jede für sich immer wieder ein großartige Kindergeburtstag für Erwachsene ist. Gerne behaupte ich auch, dass Sänger Monkey sich öfter umzieht, als das Madonna zu ihren Glanzzeiten getan hat. Einfach, um vermitteln zu können, was da auf der Bühne los ist und wie viel Mühe sich die Band gibt. Denn das ist wirklich einzigartig, die Show, mit der die Fans vor der Bühne unterhalten und angetrieben werden. Das macht die Engländer jeweils zu den ganz Großen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Vorbildlich dabei finde ich, dass es egal ist, ob das vor mehreren tausend Leuten bei einem Sommer-Open-Air ist oder in einem 200er-Club. The Adicts kommen offensichtlich mit allen Bühnengrößen zurecht, was ziemlich sympathisch ist.

Im Hier und Heute angekommen, habe ich bereits erwähnt, dass mir And It Was So, wie schon die Vorgängerscheiben, nicht so wahnsinnig gut gefällt. Da ich aber mit nichts anderem gerechnet habe, bin ich auch nicht sonderlich enttäuscht. Denn wie beschrieben, habe ich bei der Band einen ganz anderen Fokus. Musikalisch ist das neue Dutzend recht rockig und hält etwas Glam bereit, der auch nicht allzu viel Saft durch die Stromkabel jagt. Aber mal ehrlich, erwartet das jemand von Leuten, die um die 60 Lenze mit sich rumschleppen? Ich nicht. Stattdessen freue ich mich für sie, dass auch The Adicts auf dem Nuclear Blast Sublabel Arising Empire gelandet sind und hoffentlich einen Spitzendeal abgeschlossen haben. Obendrein kommen sie demnächst mit Die Toten Hosen auf Tour, was sowohl als Promo für die neue Scheibe sicher auch sehr gut ist und musikalische Erziehung des Schunkelpublikums erst recht. Damit ist And It Was So kein grandios-umwerfendes Spätwerk einer Punkband, die bereits 1975 losgelegt hat. Die Liveshows hingegen sind mit die Besten, die ich kenne.

Credits an unseren Mit-Autor Arne Marenda


Info

Format: MC, CD, LP in verschiedenen Versionen, Download

Band: Homepage, Facebook

Label: Nuclear Blast

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
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