THE RAZORBLADES – 21st Century Surf wird 15 Jahren

Surf

Europas beste Surf-(Punk)Band, The Razorblades wird 15 Jahren alt und veröffentlicht aus diesem Grund eine EP mit sieben Lieblingslieder der Band. Tilmann hat sich die Jubiläums-EP “15 Years In The Van” angehört, Falk hat Razorblades-Mastermind Martin Schmidt auf den Zahn gefühlt. Here we go!

Seit nunmehr 15 Jahren beglücken die Wiesbadener Razorblades die Fans mit ihrem instrumentalen Surf-Rock. Trotz wechselnder Besetzung hat sich die Band ihren eigenen Stil bewahrt, den sie selbst als „21st Century Surf“ bezeichnet – der hat es in sich und wird dem Namen durchaus gerecht: Statt sich stur an die eigenen Vorbilder wie Dick Dale zu halten, spielen die Rasierklingen ihre messerscharfen Twang-Gitarren schneller, härter und mit – man verzeihe den Begriff – „Punk-Attitüde“; will heißen: Sie reiten zwar Tsunamis, machen aber keine große Welle draus. Anlässlich des Jubiläums gibt’s nun auf „15 Years In The Van“ sieben neue Songs, dieses Mal ausnahmslos Cover. Den Anfang macht der gute alte Ludwig van mit seinem bekanntesten Stück „Für Elise“, danach gibt’s Songs von The Cure, Joy Division und anderen – ein wilder Mix, wobei das Trio von den Originalen eh nicht viel übriggelassen hat. Schade nur, dass man nicht mitgrölen kann. Und schade, dass es kein Vinyl gibt. Erstens, weil die EP auf „General Schallplatten“ erschienen ist, dem Label von Mastermind Rob Razorblade. Und zweitens, weil sie auf den ersten Blick so aussieht, denn die CD steckt in einer 7“-Hülle. Egal, dafür gibt’s einen Button und einen Aufkleber dazu, mit denen der Fan sich und sein Surfbrett verschönern kann. PS: Erhältlich nur über die Homepage und auf den Shows, von denen die Band derzeit wieder einige spielt – hingehen!

(Tilmann Zigenhain)

The Razorblades: “Einen 15-Jahres-Plan gab es nicht”

15 Jahre Razorblades. Hättest Du damals bei der Gründung gedacht, dass Du irgendwann dieses Jubiläum feiern wirst?

15 Jahre im Voraus zu planen ist ja meistens ziemlich schwer. Ich hatte aber schon immer den Plan es mal mit einer Band längerfristig zu versuchen erfolgsmäßig voran zu kommen. Glücklicherweise war immer Interesse an THE RAZORBLADES vorhanden – von Veranstaltern, Fans und auch der Presse, so dass wir immer sehr aktiv waren und aus jeder neuen CD oder Tour hat sich quasi etwas Neues ergeben. Hinzu kommt, dass man heute als Nicht-Mainstream-Künstler einfach generell einen langen Atem haben muss, um Erfolg und Aufmerksamkeit zu bekommen. Den konkreten 15-Jahres-Plan gab es also nicht, aber es ist schön, dass es so lange gehalten hat!

15 Jahre Razorblades, was war Dein schönstes Erlebnis mit der Band in all diesen Jahren?

Das eine Erlebnis herauszupicken ist schwer. Höhepunkte waren bestimmt die Touren in den USA und England und dass ich mit einigen meiner Helden auf der Bühne gestanden habe – oder diese im Publikum und nachher gesagt haben, dass ihnen die Show gefallen hat. Generell freut es mich, dass wir mit dieser unkommerziellen Musik so weit gekommen sind. Wir haben in ganz Europa und den USA Fans und Freunde, die immer wieder bei den Konzerten auftauchen, eine Menge Clubs besuchen wir jährlich und diverse Zeitschriften und Blogs freuen sich über neue Veröffentlichungen. Letztendlich ist das schönste Erlebnis immer ein voller Club, mit Leuten, die auf die Musik abfahren, tanzen und mitmachen – was glücklicherweise immer noch regelmäßig vorkommt.

Wie hat sich die Surf/Rock’n’Roll-Szene in den vergangenen 15 Jahren verändert? Zum Guten, zum Schlechten?

Ich glaube, dass originelle Musik an Stellenwert verloren hat. Durch Tribute-Bands, Casting Shows, Coversongs im Rockabilly oder Country-Stil und auf Youtube hat sich so eine Mentalität verbreitet, die sagt „XYZ ist geil, weil er genauso klingt wie der und der“. Viele Menschen schauen sich dann lieber eine Band an, die 1 zu 1 klingt wie ihr Vorbild, oder dieses sogar komplett imitiert, bis hin zum Outfit und dem verwendeten Gitarren und Verstärkern. Sich auf jemand einzulassen, der seine eigenen Songs spielt, die man dann eben zuerst nicht kennt, ist dann vielleicht zu anstrengend oder gilt sogar als langweilig. Das schlägt sich dann natürlich bei kleinen, unkommerzielleren Konzerten mit solchen Bands nieder – es kommen wenige Leute was den Verdienst von Band und Veranstalter verringert und dazu führt, dass man es irgendwann sein lässt. Viele Clubs sind verschwunden in den letzten 10 Jahren oder haben es sehr schwer, ihre Veranstaltungen zu füllen. Dann gibt es eben Elektroparties statt Rock’n Roll, was nicht so mein Ding ist . Allgemein ist die Szene auch definitiv älter geworden. Am Beginn der Bandgeschichte war das Publikum oft um die 20, heute geht es meist mit 30 oder älter los. Der Nachwuchs ist definitiv geringer geworden, weil Gitarrenmusik zurzeit nicht gerade die Musik für junge Menschen ist.

Das ist also eher eine Verschlechterung… Für THE RAZORBLADES läuft aber vieles auch auf einer sehr persönlichen Ebene…man kennt Veranstalter, Clubs und hat eine gewisse Anzahl an Fans, die dann unabhängig von einer Szene auftauchen. Vielleicht ist das auch ein Trend, dass es nicht mehr so eine wirkliche Szene gibt, sondern sich jede Band ihr eigenes Erfolgskonzept stricken muss. Bis heute haben wir aber Kontakte in der Surfszene, zu Labels, Fanzines und anderen Bands, aus denen sich auch immer wieder Konzerte oder andere Aktivitäten ergeben.

Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre das ein Wiederaufleben des musikalischen Individualismus, dass Bands wieder verstärkt neue Musik komponieren, die möglichst eigenständig ist und das Publikum das eben auch honoriert….so wie es in den 80ern den Fall war. Rückblickend ist es wirklich verblüffend, wieviel Leute damals auf Underground-Konzerten waren. Heute herrscht da eher so eine BWL-Mentalität vor, man „orientiert sich am Markt“ und so spielen dann auch in der Rock’n Roll-Szene Ramones oder Johnny Cash-Tribute Bands. Wir fühlen uns dann manchmal wie die Don Quichotes des Rock’n Roll, die gegen die Windmühlen des Desinteresses angehen…aber einer muss es ja machen und glücklicherweise gibt es ja auch noch Leute, die sich für abseitigere Musik interessieren.

Für eure Jubiläums-EP habt Ihr ausschließlich Songs anderer Bands wie The Cure, Joy Division oder auch Ludwig van Beethoven gecovert. Wie kamt Ihr zu der Songauswahl?

Ich fand es irgendwann recht langweilig, dass fast alle Surfbands die gleichen Klassiker des Genres nachspielen, so schön sie auch sind, und hab Ausschau nach Songs gehalten, die man neu interpretieren kann. Dabei verbindet sich dann meine musikalische Vergangenheit aus Rock, Punk und New Wave mit dem Surfsound der Razorblades. Allen Songs gemein ist, dass sie eine starke Melodie haben, die man mit der Gitarrevariieren kann und dass ich einen Weg zu finden, sie neu zu interpretieren. Der Zuhörer soll den Song nicht sofort erkennen, sondern erst mal denken, was ist das, kenn ich doch irgendwoher und dann beim Refrain geht die Erleuchtungs-Lampe an….oder so Da wir die Nummern instrumental spielen, kann man da eine große Bandbreite abdecken und Ludwig Van Beethoven passt ganz gut zu Slade und The Cure.

Was können eure Fans von der Jubiläumsfeier am 2.12. erwarten?

Eine typische energiegeladene Show von THE RAZORBLADES, mit eine paar Ex-Mitgliedern und alten Songs, die wir lange nicht gespielt haben. Dazu kommen noch zwei Bands, Demon Vendetta aus Frankreich mit heftigem Horrosurf und The Hollywood Gangsters, meine neuste Band, die ausschließlich Film- und TV- Melodien spielt, mit Kontrabass, Jazzdrums und Lapsteel. Wird bestimmt nett.

Wie sehen die Pläne für die nächsten 15 Jahre aus?

Wir machen einfach weiter und sehen, wo uns der Weg noch hinführt….es gibt schon Songs für das nächste Album, vielleicht arbeiten wir auch noch mehr mit Gesang…mal schauen. Frag mich in 5 Jahren nochmal, dann weiß ich mehr

Derzeit sind die Razorblades schon wieder in ihrem Van. Am 02.12. spielen sie ihre „15th Anniversary Show“ in der Wiesbadener Kreativfabrik.


Info:

Format: CD/DL

Label: General Schallplatten

Band Website: https://www.therazorblades.de

Label Website: https://general-schallplatten.com

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Falk Fatal

Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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