Black Cat Zine #2

Fanzine

Black Cat Zine

Ich bin ja der Meinung, dass das Black Cat Zine seinen Namen in Black Cat Book ändern sollte. Ausgabe 2 hat 170 Din-A5-Seiten und ist dank des dicken Papiers, das für den Druck verwendet wurde, ein echter Trümmer. Laut meiner Küchenwagen wiegt das “Heft” 311g. Die über 200 Seiten dicke Taschenbuchausgabe von Neil Postmans “Wir amüsieren uns zu Tode”, das ich zurzeit lese, bringt es nur auf 184g. Nur damit ihr eine ungefähre Vorstellung bekommt, von was ich hier schreibe. Doch das Black Cat Zine besticht nicht nur mit Masse, sondern auch mit Klasse.

Viel Inhalt in tollem Layout

Das Layout des Zines ist ansprechend und gleichzeitig lesefreundlich und vor allem aus einem Guss. Haptik und Ästhetik stimmen also schon einmal. Kommen wir zum eigentlichen Inhalt: den Texten. Doch auch hier gibt es fast nix zu meckern. Ob es die Interviews mit Hansel von Ausbruch, das sehr ausführliche Gespräch mit Achim vom freiLand Potsdam oder mit Frank Zerra, dessen Bruder 1993 in Hoyerswerda bei einem Naziüberfall auf einen Jugendclub brutal ermordet wird: sie alle sind sehr interessant, gehen in die Tiefe und sind weit entfernt von 0815-Standard-Interview-Blablabla. Dazu gibt es persönliche Texte zur schwierigen Liebe zum Heavy Metal, warum es okay ist, wenn sich ein Rapper einen 24 Millionen US-Dollar teuren Diamanten implantieren lässt, oder eine Auswahl an guten Liedern, in denen es über Sex geht und die keine misogyne Scheiße transportieren sowie weibliche Erfahrungsberichte über den leider auch in der Punkszene existenten Sexismus. Die linke Kampfsportcrew Randgestalten und eine Gruppe von Menschen, die Yoga für Flüchtende anbieten, stellen sich vor und die Geschichte der Hausbesetzer:innenszene in Potsdam wird erzählt. Jan Off und ich steuern Kurzgeschichten dabei, es gibt Rezepte und noch viel mehr tolle Texte zu entdecken. 

Probleme habe ich eigentlich nur mit einem Text. Dem über das Lost Boy Syndrom. Dafür hat Autorin Fini aus verschiedenen Erfahrungsberichten zwei Fallbeispiele konstruiert. Diese sind zwei Männer um die 30, die sie als beruflich erfolgreich und gutaussehend beschreibt, die sich allerdings im Selbstmitleid und Selbsthass ergehen und die immer wieder Phasen in ihrem Leben haben, in denen sie nichts auf die Kette bekommen und ihnen alles scheißegal ist. Dass dieses lethargische Verhalten für die „Lost Boys“ keine schlimmeren Konsequenzen hat, liegt an den Partnerinnen und deren Carework, die die Jungs immer wieder vor dem Schlimmsten bewahren. Die Autorin interpretiert dieses Verhalten als Beweis der Existenz der hegemonialen Männlichkeit. Mich erinnert das Verhalten der beiden Fallbeispiele an das Verhalten depressiver Menschen. Und tatsächlich, über eines der Fallbeispiele heißt es im weiteren Verlauf des Textes, das es seit Monaten wegen Depressionen krankgeschrieben ist.

Viel interessanter Lesestoff

Die Vermutung, dass das vorher beschriebene Verhalten Ausdruck der depressiven Erkrankung ist (und damit kein Verhalten darstellt, das bewusst gewählt wird), liegt mehr als nahe. Warum die Autorin zum Beweis der Existenz der hegemonialen Männlichkeit depressive Menschen stigmatisiert, erschließt sich mir nicht. Für die Beweiserbringung der hegemonialen Männlichkeit wäre das nicht nötig gewesen, da hätte es bestimmt andere, nicht von Krankheit ausgelöste Verhaltensweisen von Typen gegeben. Das ist aber auch die einzige, kleine Kritik, die ich am Black Cat Zine #2 habe. 

Kurzum: das Black Cat Zine #2 bietet viel interessanten Lesestoff, liefert Denkanstöße und unterhält. Mehr kann man sich von einem Fanzine eigentlich nicht wünschen. Wenn Ihr das “Heft” also irgendwo seht: greift zu! Oder bestellt es direkt bei mir 😉 Die 10 Euro inkl. Porto sind gut investiertes Geld.

Info:

Herausgeber: Black Cat Tapes

Website: www.facebook.com/blackcattapes161/

Falk Fatal
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