Brausepöter – Nerven geschädigt

Punkrock

Brausepöter haben sich gegründet, da war ich noch nicht auf der Welt. Kürzlich bin ich übrigens 40 Jahre alt geworden. Zu sagen, Brausepöter waren eine der ersten deutschen Punkbands ist sicher nicht falsch. Allerdings findet man ihren Namen in den Punkgeschichtsbüchern nur am Rande. Bands wie Male, Mittagspause, SYPH, Radierer, Abwärts oder Einstürzende Neubauten werden deutlich öfter erwähnt – was zum einen daran liegen dürfte, dass sich Brausepöter nach einem Tape und einer 7” bei Alfred Hilsbergs Zick Zick Label 1982 wieder auflösten, und zum anderen an ihrer Herkunft. Brausepöter kamen und kommen aus Rietberg, einer Kleinstadt bei Gütersloh. Die Redakteure von Sounds, Musikexpress oder Spex kamen hier nur selten vorbei und so sind Bands aus den Großstädten deutlich bekannter.

Seit 2010 sind Brausepöter wieder aktiv, sogar in Originalbesetzung, und haben seitdem zwei CDs veröffentlicht und viele Konzerte gespielt. Unter anderem auch einmal in Wiesbaden, wo ich die drei Herren als sehr sympathische Zeitgenossen erleben durfte. Musikalisch fand ich schon ihr Vorgängeralbum “Selbstauslöser” sehr gelungen, jetzt haben sie mit “Nerven geschädigt” einen mehr als würdigen Nachfolger veröffentlicht. Musikalisch ist das natürlich nicht mehr zu 100 Prozent der kantig-nervöse Punk der ersten Stunde, sondern der Sound hat einige Rockelemente bekommen. Aber das steht Brausepöter gut. Ein bisschen wie bei den Fehlfarben heutzutage, die auch nicht klingen wie eine schlechte Kopie vergangener Tage, sondern sich musikalisch verändert haben ohne dabei ihre Herkunft zu verleugnen.

Das Album geht los mit “Ewig Ding”, einem waschechten Surfpunksong. Das darauffolgende “Fremder” ist dann schön-stampfender Punk und die Nummer 3 auf dem Album, der Titelsong “Nerven geschädigt”, biegt in Richtung Post-Punk ab. Der Abwechslungsreichtum geht mit dem eindringlichen, aber doch eher ruhigen “Seele” weiter. Sehr rhythmisch und sehr gut ist “falscher Alarm”. “Mein ganzer Körper brennt” ist dann wieder ein etwas ruhigerer Rocksong. Meine persönlichen Hits sind “Dies ist nicht meine Welt”, eine straighte Punkrocknummer, und der gut gelaunte Powerpopper “Dienstag Mittag”. “Komm mal” hat einen schönen 60s-Touch, was auch an der zu hörenden Orgel liegt. Bei “Denkst Du an die Zukunft” ertönt die Orgel ebenfalls, dafür ist es etwas rockiger. Das längste Lied mit knapp 4 Minuten Spielzeit ist “Leider ohne Dich”, ein schönes Post-Punk-Stück. Kurz vorm Ende erklingt mit “Ganzes Leben längst vorbei” ein kleiner Provinz-Blues. Der Rausschmeißer “Pogo ganz allein” wird bei künftigen Konzerten sicher eines der beliebtesten Lied sein.

Brausepöter haben es geschafft, sich im Vergleich zu ihrem schon guten Comeback-Album nochmal zu steigern, und zeigen, dass es auch mit Ü50 durchaus möglich ist, unpeinlichen Punkrock/Post-Punk zu spielen, der im Hier und Jetzt spielt und nicht nur versucht, die Vergangenheit aufzuwärmen. Starkes Album von Brausepöter, das Euch hiermit ans Herz gelegt ist!

Info

Format: CD/LP

Label: Tumbleweed Records

Band Website: https://brausepoeter.de

Label Website: https://tumbleweedrecords.de

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Falk Fatal

Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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