Das Full Force bleibt auch im 25. Jubiläumsjahr ein Schmelztiegel für alle, die es härter mögen

With Full Force 2018

Foto: Michael Bomke

Auf dem With Full Force 2018 ist es ein bisschen so wie in Bob’s Country Bunker. „Oh, wir haben beides: Country UND Western!“ Wobei man auf dem Full Force nicht nur alle beide, sondern sogar alle drei hat: Metal, Hardcore und Punk.

With Full Force 2018: If the Kids are united…

Entsprechend gemischt ist das Publikum auch in diesem 25. Jubiläumsjahr. Für Außenstehende – wie den Autor dieser Zeilen, der hauptsächlich wegen seiner musiktechnisch gesehen schlechteren Hälfte vor Ort ist –, ist das Gewusel auf dem weitläufigen Festivalareal deswegen ein wahres Panoptikum. Auf dem With Full Force findet man wirklich alle, in trauter Eintracht auf den diversen Campgrounds feiernd, vor der Bühne in Circle Pits und Co. – und natürlich mit aufblasbaren Gummitieren im großen See planschend: Den unausrottbaren, langhaarigen Metalhead mit Springerstiefeln und Jeanskutte, natürlich völlig zu mit den obligatorischen Patches von Bands wie Iron Maiden, Slayer oder Motörhead; viele sportlich gestylte Hardcorekids – und -kiddies –, deren Gepäck im Wesentlichen aus frischen Socken bestehen muss, die sie sich dann trotz der dreißig Grad bis an die Knie ziehen; und natürlich auch den ebenso oft jungen Dosenbierpunker, der von Musik oft gar nicht so viel Ahnung zu haben scheint und sich – Sonnenbrand und Tunnelblick verraten es – eher aufs Saufen konzentriert.

Wenig Punk auf dem With Full Force 2018

Macht Sinn, denn in Sachen Punk hat das With Full Force im Jahre 2018 nicht wirklich viel zu bieten. Eigentlich fast nur Dritte Wahl. Die spielen am zweiten Tag als zweite Band, bekommen vom Publikum aber das wohl beste Feedback aller Bands: Das grölt den Refrain des letzten Songs „Fliegen“ in einer rund zwanzigminütigen (!) Endlosschleife vor der Bühne, während dort schon längst die nächste Crew am Aufbau ist: „Aber ich möchte fliegen, ganz weit oben, überm Meer. Und dann seh’ ich all die Scheiße, all die Scheiße, hier unten gar nicht mehr …“ Zugegeben: Als eine der wenigen Bands, die deutsch singen, haben Dritte Wahl vielleicht einen Heim(at)vorteil – dass selbst Toxpack am Tag davor im gleichen Slot auf der gleichen Bühne nichts Vergleichbares hinbekommen haben, ist deshalb umso erstaunlicher. Schließlich geht’s bei dieser Band doch gefühlt in jedem Song irgendwie um „uns“, die wir gegen „die“ zusammenstehen müssen; und überhaupt darum, dass wir irgendwie ganz anders sind als alle anderen – gähn!

Doch wie auch immer – nächstes Jahr noch mal hin, dann zum dritten Mal in Folge? Könnte sein, denn wenn man ein Metal-, Hardcore- und Punk-Festival besucht und nicht wirklich Metal-, Hardcore- und Punk-Fan ist, bekommt man wenigstens mal was von den Bands mit. Klingt komisch – is’ aber so.

Tilmann Ziegenhain

Tilmann Ziegenhain

Der leicht adipöse Mittdreißiger kann von vielem etwas, aber nichts richtig und hatte damit die besten Voraussetzungen, um irgendwas mit Medien zu machen. Wenn er nicht in Mannheim als Redakteur arbeitet, studiert er in Frankfurt, lebt in Darmstadt oder fällt in seinem Geburtsort Wiesbaden rum.
Hätte er mehr Zeit, würde er gerne Sütterlin und Blues Harp lernen – oder öfter die Rüsselspringer im Zoo besuchen. Weil er aber immer noch nicht das Zehnfingersystem beherrscht, hat er keine.
Eine der letzten ungeklärten Fragen unserer Zeit ist ihm zufolge, wie Vegetarier eigentlich zu fleischfressenden Pflanzen stehen.
Nachdem er heute zum ersten Mal in der dritten Person über sich geredet hat, fragt er sich außerdem, ob es nicht Zeit für einen Künstlernamen wäre.
Tilmann Ziegenhain

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