Der Rote Baron – Ein Freiherr und seine Fans

Die fragwürdige Kultfigur des Ersten Weltkrieg

Als „Roter Baron“ war Manfred von Richthofen gefürchtet. Bis heute ist der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkriegs Vorbild für die Bundeswehr – und hat Verehrer auf der ganzen Welt

Es ist ein freundlicher, sonniger Tag. Kaum eine Wolke steht am Himmel über dem Wiesbadener Südfriedhof und es ist nahezu windstill – Kaiserwetter, hervorragend zum Fliegen. Heute ist der 21. April, der Tag, an dem jedes Jahr zahlreiche Besucher zum Westhain pilgern. Ihr Ziel ist das Grab mit der Nummer 77, das Familiengrab derer von Richthofen. Hier ruht auch das berühmteste Mitglied des alten Adelsgeschlechts: Manfred Albrecht von Richthofen, der wegen des rot gestrichenen Doppeldeckers und einer falschen Übersetzung seines Adelstitels als „Red Baron“ zur Legende wurde.

Das Familiengrab auf dem Wiesbadener Südfriedhof. Bereits am frühen Morgen hat die „Fallschirmjägerkameradschaft Eugen Meindl“ einen Kranz niedergelegt

Obwohl ich in Wiesbaden geboren bin, habe ich die letzte Ruhestätte des wohl berüchtigtsten Jagdfliegers aller Zeiten noch nie besucht. Vielleicht, weil ich nicht gedient habe. Heute, am 21. April 2018, will ich das nachholen: Es der 100. Todestag Richthofens, der für Kaiser, Reich und Ruhm gefallen ist. Ich habe einen kleinen Klappstuhl mit dabei, denn ich will etwas länger bleiben und schauen, wer noch vorbeikommt. Was sind das für Leute, die dem mit achtzig belegten Abschüssen erfolgreichsten Kampfpiloten des Ersten Weltkrieges die Ehre erweisen?

Der Erbfeind am Grab

Ich bin nicht der erste, als ich gegen halb elf eintreffe. Eine Fallschirmjägerkameradschaft hat bereits einen Kranz niedergelegt. Die Farbe der Schleife ist schwarz-rot-gold. Und ich bin nicht alleine: Ein Mann mittleren Alters, in Lederjacke, zieht seine Bahnen um den großen, grob behauenen Stein des Grabes. Er kommt immer wieder in die Nähe und schaut rüber, verschwindet wieder, um fünf Minuten später erneut aufzutauchen. Ich spreche ihn an. Ja, er sei extra wegen Richthofens Todestag angereist, sagt Régis Cholet. Er ist Franzose. Als Junge habe er immer wieder Geschichten vom Roten Baron gehört. Auch er hat Blumen mitgebracht. Dazu hat er seine Visitenkarte gesteckt, auf dessen Rückseite er mit einem Kugelschreiber einen Gruß auf Deutsch geschrieben hat. „Unser Held, in den Himmel, für immer“. Régis bleibt noch ungefähr eine Stunde in der Nähe, dann winkt er mir zum Abschied.

Régis Cholet ist eigens aus Frankreich angereist. Nach dem Besuch des Grabes will er weiter nach Nürnberg, „die Stadt Dürers“

Mit den anderen Besuchern des Grabes ist er nicht ins Gespräch gekommen. Und die werden immer mehr, zeitweise hält sich ein Dutzend gleichzeitig am Grab auf. Nicht alle, aber doch viele haben Blumen mitgebracht. Einen Bund weißer Rosen schmückt ein kleines Spielzeugflugzeug, der rote Dreidecker Richthofens, aus Plastik. Die meisten Besucher sind ehemalige Bundeswehrsoldaten, auch sie scheuen das Gespräch nicht. Fast alle beantworten meine Frage, warum sie an diesem schönen Samstagmorgen hier sind. Um einem Helden die Ehre zu erweisen – so oder so ähnlich äußern sich alle. Doch untereinander kommen die Besucher kaum ins Gespräch. In einem kurzen Smalltalk ist sich die Gruppe einig, dass der Umgang mit den Gefallenen in anderen Ländern anders ist. So würde Manfred von Richthofen heute, an diesem Tag, in Frankreich mehr Aufmerksamkeit geschenkt – ihm, dem gefürchteten Feind von damals. Und wer wisse, ob in einhundert Jahren überhaupt noch jemand hier in Wiesbaden vorbeikäme, stellt einer der Anwesenden in den Raum – ein bestätigendes Raunen geht durch die Gruppe. Das großes Leidensthema, es liegt wie ein kalter Schatten über dem Heldengrab: das gebrochene Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte.

Einer der Besucher hat ein kleines Spielzeugflugzeug am Grab hinterlassen

Halb Forscher, halb Fan

Es kommen ausschließlich Männer zum Grab, nur eine einzige Frau bekomme ich heute zu sehen – als Begleitung ihres Mannes. Unter diesen Männern sind echte Fans. Auch wenn sie diesen Begriff sicher unpassend fänden. Dazu zählt Christian, der auch in der Bundeswehr war, wenn auch nicht bei der Luftwaffe. Er ist ein unscheinbarer junger Mann, trägt Turnschuhe und Jeans. Er legt ein einlaminiertes Foto des Roten Barons am Grab nieder. Auch am Stein hängt bereits ein Porträt: Dem Heldentum ein Gesicht geben. Als sei es ein Hobby wie jedes andere berichtet Christian, dass er auf den Spuren des Roten Barons bereits um die halbe Welt geflogen ist. Eine Teilstrecke davon sogar in einem alten Dreidecker, und zwar genau die rund zwanzig Kilometer vom Cappy nach Corbie, die Richthofen auf seinem letzten Flug am 21. April 1918 zurückgelegt hat. Entgegen seines früheren taktischen Verhaltens lässt Richthofen an diesem Tag nicht von seinem Gegner ab. Neuropsychologen stellten vor einigen Jahren die These auf, er habe sich aufgrund seiner Verwundung – einige Monate zuvor war er von einem Projektil am Kopf getroffen worden – zu sehr auf seine „Beute“ fixiert. So verfolgt er einen kanadischen Piloten, der sich bereits vom eigentlichen Kampfgeschehen entfernt hat, bis weit hinter die feindlichen Linien. Vom Boden aus nehmen ihn australische MG-Schützen ins Visier – und ein Kugel trifft. Richthofen muss notlanden und stirbt kurz darauf noch an Ort und Stelle.

Christian ist auf den Spuren des Roten Barons bereits um die halbe Welt gereist. Auch die Route, die Richthofen auf seinem letzten Flug genommen hat, ist er nachgeflogen – in einem Dreidecker

Odyssee eines Leichnam

Bevor die sterblichen Überreste des bekanntesten deutschen Kriegshelden hier in Wiesbaden ihre wirklich letzte Ruhestätte fanden, wurden sie mehrfach umgebettet: Fünf Jahre nach Richthofens Tod zunächst von Bertangles, unweit der Abschussstelle auf den deutschen Soldatenfriedhof in Fricourt, weitere zwei Jahre später auf Veranlassung seiner Familie und unter Vermittlung des Reichswehrministeriums auf den Berliner Invalidenfriedhof und schließlich, Mitte der Siebziger, ins Wiesbadener Familiengrab. Dort war bereits seine Mutter beerdigt worden, die nach einem weiteren Weltkrieg aus dem Osten hierher geflüchtet war. Gerade noch rechtzeitig war es den Nachfahren damals gelungen, Richthofen in die hessische Landeshauptstadt zu holen: Die DDR-Führung hatte beschlossen, den Invalidenfriedhof, der als wichtiges Zeugnis preußischer Militärgeschichte gilt, im Zuge des Mauerbaus weitgehend einzuebnen.

Posthumer Siegeszug in der Popkultur

Sein legendärer Dreidecker wurde nach dem Abschuss von Souvenirjägern zerlegt, die Einzelteile sind heute rund um den Globus verstreut. Christian weiß mehr: So befände sich der Sitz in Toronto, andere Teile in Neuseeland, wie eines der beiden Eisernen Kreuze, die aus dem Rumpf des Flugzeuges geschnitten worden waren. Es stimmt: Heute kann es im „Omaka Aviation Heritage Centre“ bewundert werden. Kein Geringer als Star-Regisseur Peter Jackson („Der Herr der Ringe“) hat es neben anderen Richthofen-Devotionalien zur Verfügung gestellt. Er dürfte zu den zahlungskräftigsten Verehrern des Roten Barons zählen.

Ja, Richthofens Fangemeinde ist im Ausland größer als in seiner Heimat. In den USA tritt er bereits in den Sechzigern einen erstaunlichen posthumen Siegeszug in der Popkultur an. Ausgangspunkt ist der bekannte Peanuts-Comic. Dort träumt sich Snoopy wiederholt in die Rolle eines Piloten, der gegen den Roten Baron kämpft. In späteren Videospielen konnte man den Hund dann an der heimischen Konsole selbst steuern: Im Atari flog das Tier zunächst auf einer verpixelten Hundehütte, für Playstation und PC bekommt Snoopy dann später ein Flugzeug. Inspiriert vom Comic schickt die Rockband „The Royal Guardsmen“ wiederum den Song „Snoopy Vs. The Red Baron“ durch den Äther – und das mit Erfolg, die Single wird 1966 nicht nur in den Staaten, sondern auch in Australien und England ein Hit. In Deutschland kam sie immerhin noch auf Platz 14.

Überhaupt ist zu dieser Zeit in der Surfer- und Hot-Rod-Szene der Westküste alles angesagt, was irgendwie teutonisch ist. Und so landet der ehemalige GM-Designer Tom Daniel im selben Jahr wie die Guardsmen ebenfalls einen Hit: Für die bekannte Modellbaufirma Monogramm kreuzt er das legendäre Ford Model T und eine Pickelhaube – und tauft den Spielzeug-Hot-Rod auf den Namen „Red Baron“. Der Hersteller bringt das Teil als Set mit einem Fokker-Dreidecker auf den Markt. Es verkauft sich bis Ende 1973 mehr als zwei Millionen Mal.

Vor allem in der Zweiradszene ist der Kult um den Roten Baron ungebrochen. Rund um den Globus entstehen bis heute ungezählte Custombikes – umgebaute Serienmotorräder –, zum Thema Richthofen: Eines der spektakulärsten baute der Wuppertaler Tüftler Frank Ohle: Er hat das Thema ausgereizt und einen 150 PS starken Flugzeugmotor in seinem Zweirad verbaut, eine Replika des Motors, der einst auch Richthofens Fokker antrieb. Die meisten anderen Bikes sind zwar weniger spektakulär, haben dafür aber eine Straßenzulassung. So auch die Kawasaki von Martin, einem sympathischen jungen Mediengestalter aus Berlin, den so gar nichts Preußisch-Militärisches umgibt und der, da ausgemustert, genau wie ich nie gedient hat. Er stellte sein Umbauprojekt in den größeren geschichtlichen Rahmen: Pünktlich zum heutigen hundertsten Todestag war es fertig, sodass er damit nach Wittmund fahren konnte. Während ich auf dem Friedhof in Wiesbaden sitze, finden dort nämlich die offiziellen Feierlichkeiten statt: in der Richthofen-Kaserne.

Ungebrochene Militärtradition

Genauso erstaunlich wie Richthofens kommerzieller Erfolg in der Pop- und Customkultur ist seine ungebrochene Vorbildfunktion fürs deutsche Militär: 1961 verlieh Bundespräsident Lübke dem in Wittmund stationierten Jagdgeschwader 71 der Luftwaffe den Traditionsnamen „Richthofen“. Auf die Frage, welche Rolle Manfred von Richthofen im heutigen Traditionsverständnis der Bundeswehr spiele, heißt es vom Kommando der Luftwaffe: „Manfred von Richthofen werden Tugenden wie Treue, Pflichtbewusstsein, Gehorsam und Wahrhaftigkeit zugeschrieben, welche sich auch heute noch in den soldatischen Tugenden wie Kameradschaft, Zuverlässigkeit und Zusammenhalt widerspiegeln. Zudem steht der Namen Manfred von Richthofen für die Einführung von taktischen Verfahren in der Jagdfliegerei, die auch heute noch in den Luftstreitkräften zahlreicher Nationen Anwendung finden. Seine Einsatzbereitschaft auch unter höchsten Belastungen war bemerkenswert und ist daher beispielgebend.“

Propaganda und Realität

Am Bild des ritterlichen Helden der Lüfte wird freilich bereits zu Richthofens Lebzeiten gearbeitet. Die deutsche Militärführung setzt das junge, adelige Fliegerass gekonnt für ihre Propaganda ein. Dessen Heldentaten am Himmel sollen die Soldaten bei Laune halten, die unten, auf dem von Schützengräben durchzogenen Boden der kriegerischen Tatsachen zu Hunderttausenden ihr Leben lassen. Seine auf Befehl der Obersten Heeresleitung verfasste Autobiografie „Der Rote Kampfflieger“ wird ein Bestseller – ob viel Richthofen drinsteckt, ist allerdings fraglich: Mit Erich von Salzmann hat der Ullstein-Verlag ihm einen Ghostwriter zur Seite gestellt, vor Druck muss das Werk durch die Zensur und ein originales Manuskript ist nicht erhalten.

Auch die Nationalsozialisten versuchen, Richthofen für sich zu instrumentalisieren – schließlich führt auch ein gewisser Hermann Göring eine Zeit lang das Richthofen-Geschwader. 1937 lassen die Nazis Richthofens Grab auf dem Invalidenfriedhof mit einem überdimensionierten Quader neu gestalten. Als Richthofen nach Wiesbaden umgebettet wird, spendet der Familienverband ihn dem Geschwader in Wittmund. Bis vor Kurzem stand er dort in der Kaserne, bevor das sieben Tonne schwere Stück 2017 zurück auf den Invalidenfriedhof kam. Ob ein Zusammenhang mit dem ungefähr zeitgleichen Skandal um Wehrmachtsdevotionalien in der Bundeswehr besteht? Fraglich, denn die Planungen, den Stein zurückzuführen, begannen bereits zwei Jahre zuvor. Die Kosten haben Familie Richthofen und der Förderverein des Invalidenfriedhofs übernommen.

Bis heute im Dienst: Richthofens Nachfahren

Auch sonst stehen die Nachfahren des Roten Barons bis heute in Kontakt mit der Bundeswehr. Und so nimmt die Familie auch an den heutigen Feierlichkeiten in Wittmund teil. Nicht ich in Wiesbaden bin es also, der mit den Nachkommen ins Gespräch kommt, sondern Martin, der Berliner. Er posiert in Wittmund zusammen mit seinem umgebauten Zweirad und zwei Familienangehörigen, die sichtlich angetan von seiner Idee sind. Genau wie die Soldaten – kein Wunder, haben sich aktive und ehemalige von ihnen doch bereits 1992 im Motorradclub „Red Baron“ zusammengetan.

Ein Gentleman der Lüfte?

Zurück nach Wiesbaden. Es wundert mich nicht, als nach einem Franzosen auch noch zwei Amerikaner am Grab auftauchen. Schließlich lässt sich in den Staaten mit Richthofen bis heute so ziemlich alles verkaufen, bis hin zur „Red Baron“-Tiefkühlpizza. Roy und Paul nennen mir zwar ihre Nachnamen, doch fotografiert werden wollen sie nicht. Sie sind Mitarbeiter des US-Konsulats in Frankfurt am Main, ehemalige Soldaten der Airforce und privat gekommen. Sie kennen die Geschichten um das „Gentlemen’s Agreement“ seit ihrer Kindheit, erzählen sie begeistert. „Ein gutes Vorbild“ – deswegen seien sie hier.

Bis heute steht Richthofen für dieses „Agreement“, dessen Geschichte vor nicht allzu langer Zeit mit einem schmalzlockigen Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle erneut in den Kinos erzählt wurde: In einer Szene dieses Films kämpft der Rote Baron gegen einen Engländer. Als der Ladehemmungen hat, gibt ihm Richthofen ein Handzeichen und beide landen. Kurz darauf, am Boden, unterhalten sie sich wie zwei Gegner eines sportlichen Wettkampfes. Schweighöfer-Richthofen meint zu seinem englischen Kontrahenten, er habe unmöglich auf ihn schießen können, nachdem er gesehen habe, dass dieser Ladehemmungen hätte: „Ich mag euch Engländer, denn auch ich liebe ,fair play‘“. Die schöne Anekdote hat allerdings einen Haken: Sie ist frei erfunden.

Schwarz-weiß-roter Gruß

Nach den Amerikanern kommen noch zwei Männer, um einen Kranz niederzulegen. Ein ungleiches Paar: Der eine trägt T-Shirt und Strohhut, der andere Anzug und Sonnenbrille. Sie sind Mitglieder eines Vereins, der ein Museum über das „Große Hauptquartier“, die mobile Kommandozentrale der deutschen Streitkräfte im Ersten Weltkrieg, in Bad Kreuznach plant. In der Mitte ihres Kranzes befindet sich ein Porträt des Roten Barons, umringt von üppigen Blumen. Ihre Farben: Schwarz, weiß und rot. Die Schärpe nennt Richthofen den „besten Jagdflieger des 1. Weltkriegs“.

Auch zwei Mitglieder eines Vereins, der ein Museum über das „Große Hauptquartier“ in Bad Kreuznach eröffnen will, sind gekommen. In der Mitte ihres Kranzes befindet sich ein Porträt des Roten Barons, umringt von üppigen Blumen – deren Farben: Schwarz, Weiß und Rot

Rund zwei Stunden sitze ich hier nun. Wenn ich nicht mit den Besuchern des Grabes spreche, versuche ich das „Phänomen Roter Baron“ zu verstehen. Dass es einen anderen Richthofen hinter dem Helden gab, ist durch seine Äußerungen belegt. Es ist nicht der hochdekorierte Liebling der Propaganda, sondern ein junger Mann mit Zweifeln. So schreibt er in einer Notiz von 1917: „Mir ist nach jedem Luftkampf erbärmlich zumute. Ich glaube, so ist es wirklich, es ist nicht so, wie die Leute in der Heimat sich das vorstellen, mit Hurra und Gebrüll, es ist viel ernster, verbissener.“ Dass ihn viele Menschen bis heute immer noch als Held verehren, ist am Ende vielleicht egal: Gerade weil es in der Materialschlacht des Ersten Weltkrieges keinen ritterlichen Kämpfer gab und geben konnte, musste man ihn erfinden.

Verdächtige Gestalten?

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, als plötzlich ein mir bekanntes Gesicht um die Ecke biegt. Ich kenne D. seit Jahren, immer wieder kreuzen sich unsere Wege im Nachtleben. Er hilft gerade einem Bekannten bei Gärtnerarbeiten auf dem Friedhof und will nachsehen, was hier los ist. Angeblich würden sich komische, tätowierte junge Männer am Grab Richthofens rumtreiben. Er scheint Rechtsradikale zu wittern. Doch der einzige „junge Mann“ mit Tattoos weit und breit bin ich. Ich nehme das als Zeichen und breche auf. Ich will versuchen, den Rest dieses sonnigen Tages zu genießen – und mich über das unverdiente Glück freuen, einhundert Jahre später als Manfred von Richthofen leben zu dürfen.

Tilmann Ziegenhain

Der leicht adipöse Mittdreißiger kann von vielem etwas, aber nichts richtig und hatte damit die besten Voraussetzungen, um irgendwas mit Medien zu machen. Wenn er nicht in Mannheim als Redakteur arbeitet, studiert er in Frankfurt, lebt in Darmstadt oder fällt in seinem Geburtsort Wiesbaden rum.
Hätte er mehr Zeit, würde er gerne Sütterlin und Blues Harp lernen – oder öfter die Rüsselspringer im Zoo besuchen. Weil er aber immer noch nicht das Zehnfingersystem beherrscht, hat er keine.
Eine der letzten ungeklärten Fragen unserer Zeit ist ihm zufolge, wie Vegetarier eigentlich zu fleischfressenden Pflanzen stehen.
Nachdem er heute zum ersten Mal in der dritten Person über sich geredet hat, fragt er sich außerdem, ob es nicht Zeit für einen Künstlernamen wäre.
Tilmann Ziegenhain

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