Du bist doch ein erwachsener Punk…

Kolumne

MP3 Playlist Kolumne

Technischer Fortschritt wird von Musiknerds oft abgelehnt? Die CD? Unpersönlicher, zu cleaner Klang. MP3? Seelenlos, kein Cover, schlechter Klang. Streaming? Hör mir auf! Unser Gastautor Louis Creed dagegen sieht auch die Vorteile der modernen Welt. Seht Ihr das auch so?

…und lässt dir von Bill Apple vorschreiben, in welcher Reihenfolge du deine MP3s hören musst? Nun ja, zugegebenermaßen, das saß. Und das von Rachel, die ich vor 10 Jahren bei www.hc-flirt.de nach einer Profil-Volltextsuche nach Saetia gefunden hatte. Geheiratet hatten wir inzwischen. Und dabei wollte ich doch nuuhhr…naja, dem Information-Overload von zu hörender Musik irgendwie entgegenwirken.

Genauer gesagt, ich wollte Musik so hören, wie ich sie früher gehört habe. Eine neue CD gekauft, und dann die nächste Woche die ganze Zeit rauf und runter gehört. Und von vorne bis hinten durch. So halt.

Das kann man zwar auch mit MP3s auch ohne weiteres machen, aber wenn man mehrere Gigabytes MP3s im „neu“ Ordner hat, die darauf warten, gehört zu werden, dann finde ich meine Herangehensweise mit den „Smart Playlists“ auf meinem Laptop besser, denn dort habe ich es im Musikprogramm so eingerichtet, dass in einer Playlist neue Alben so lange auftauchen, bis man alle Songs mindestens 10 mal gehört hat. Und das ist ja nichts im Vergleich dazu, wie oft ich die Nevermind gehört habe.

Ist die Playlist wirklich smart?

„Gezwungenermaßen“ setzt man sich so eine Zeit lang mit den Songs auseinander, entdeckt die weniger catchigen Titel neben den Hits, und weiß auch, welcher Song nach welchem anderen Song kommt, wenn die Band in 20 Jahren zum Jubiläum des Albums alle Songs nacheinander live abreißt.

Ich mag auch, dass man seine Musik auch nicht nur im virtuellen Schrank stehen hat, sondern auch in Abständen immer mal wieder hört. Das Ohr reift ja mit Alter und den Umständen, und manche Sachen findet man ein paar Jahre scheiße, und dann wieder geil. So zuletzt bei Sick of it all.

Auch das schafft eine (andere) smarte Playlist, die dir eben alle diejenigen Songs zusammenstellt, die du zum Beispiel zwei Jahre oder länger nicht gehört hast. Damit reduziert eine solche Liste die Komplexität und lässt mich mit der einen oder anderen schwerer zugänglichen Platte doch mal wieder zu befassen, die ich – Hand aufs Herz – jetzt vielleicht gerade nicht aufgelegt hätte.

Freiheit dank Skip-Taste

Und es ist ja auch nicht so, dass ich mir jetzt verbindlich von meiner Playlist vorschreiben lasse, diese Listen von vorne bis hinten durchzuhören. Ich nehme mir nämlich die Freiheit und drücke dann einfach die Skip-Taste. Und die so stigmatisierten Songs lässt meine besonders smarte Liste dann auch erst nach einer besonders langen Schamfrist wieder auftauchen.

Aber klar, anstatt ein Album 10 Mal zu hören und danach alle paar Jahre kann man die Zeit natürlich auch nutzen um neue Alben zu hören oder aber nur die starken Songs eines Albums, während man die Filler weglässt. Ist das eine Quantität vs. Qualität-Diskussion?

Und: Warum hört man Musik eigentlich überhaupt öfter als einmal? Man weiß doch eh, wie der Song weitergeht. 99 Prozent aller Filme schaut man doch auch nur einmal, und von den Büchern habe ichFriedhof der Kuscheltiere wohl als einziges Buch dreimal gelesen. Gedichte, ja, die liest man öfter.

Sollte es daher für mich tatsächlich okay sein, auch meine Songs alle nur einmal zu hören? Oder vielleicht bei Mint-Qualität des Tonträgers gar nicht? Darf man sammeln, was man nie wieder hören wird, nur um es zu besitzen? Oder sollte man nur sammeln, was man auch nochmal hört? Ist das sonst Verschwendung und Materialismus? Oder aber kann das gar kein immer-mehr-

Wegwerfkonsum sein, weil MP3s virtuell sind, am Ende nicht im Meer landen und keine Rohstoffe verbrauchen?

Los Schwarm, was sagst du? Jetzt bitte nicht Spotify.

Autor: Louis Creed

Polytox Redaktion

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