Falk Fatal: Im Sarg ist man wenigstens allein

Der hessische Hunter S. Thompson

Falk Fatal kann beides: Als halbwegs seriöser Journalist Fakten sortieren und mit pointierten Kommentaren Orientierung geben, als Fanzine-Macher aber auch Fiktives. Für sein erstes Buch hat er nun eine Auswahl seiner oft grotesken, manchmal brutalen, immer aber unterhaltsamen Kurzgeschichten zusammengetragen. Als Sänger der Oldiepunkband Front weiß Fatal, dass es weder auf die Länge noch auf die Technik ankommt – sprich, die Kurzgeschichten sind schnörkellos auf den Punkt geschrieben und meist wirklich kurz, eher Minutennovellen à la István Örkény; nur leichter verdaulich und mit unmittelbarem Nutzwert für alle möglichen Problemlagen. Denn wer wüsste auch ohne die Lektüre, worauf es bei Schönheitswettbewerben für Kühe wirklich ankommt? Eben.

Das Buch in seinem HabitatZu befürchten ist, dass Ähnlichkeiten mit lebenden Personen voll beabsichtigt sind und in so mancher Geschichte wahre Begebenheiten stecken. Auch insofern kann man Fatal das Zeug zu einem hessischen Hunter S. Thompson attestieren, denn wo die Grenzen zwischen Fakten und Fakes liegen, weiß wohl nur er selbst. Bleibt nur zu hoffen, dass er sich nicht wie dereinst der Erfinder des Gonzo-Journalismus eine Kugel in den Kopf jagt. Apropos: 75. Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs regt Fatal ganz nebenbei auch zum Nachdenken darüber an, ob während der Hochzeitsnacht im Führerbunker eher Blitz- oder Stellungskrieg angesagt war.

Zwar ist die Mehrzahl der 19 Storys bereits an anderer Stelle erschienen, für sein erstes Werk mit ISBN hat sich Fatal aber die Mühe gemacht, sie zum Teil stark zu überarbeiten – zumindest behauptet er das.


Das Buch

Falk Fatal (2019): Im Sarg ist man wenigstens allein. 138 Seiten, Edition Subkultur, ISBN 978-3-943412-85-7, 11,80 Euro

Tilmann Ziegenhain
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