Helge Wagner und die Monster

Pop-Art

Inspiriert von Pop-Art und Punk, hat Helge Wagner seinen ganz eigenen Collagen-Stil entwickelt, wie seine Original Monsters Series eindrucksvoll beweist.

Unser Alltag ist voller Müll. Unsere Konsumkultur ist davon geprägt. Dinge werden produziert, nur damit sie wieder im Müll landen. Seien es Amazon-Retouren, die geschrottet werden, weil es günstiger ist als diese neu zu verpacken, billige Plastikgegenstände, die nach kurzer Verwendung den Geist aufgeben. Andere Gegenstände werden sofort als Wegwerfartikel produziert. Gleichzeitig muss aber ein immenser Aufwand betrieben werden, um die Waren nicht nur in den Läden zu platzieren, sondern die Konsumenten über deren Existenz und den Vorteilen gegenüber anderen Waren zu informieren. Ohne Werbung läuft nichts. Auch heute noch. Klassische Werbung mag etwas altbacken wirken angesichts von Targeted Online-Advertising, Demografic Layering oder Recent Purchasing Behavior, trotzdem sind Anzeigen, Flyer und Werbeprospekte immer noch fester Bestandteil vieler Werbestrategien.

Gerade Prospekte, vor allem die von Handelsketten, werden mit großem redaktionellen Aufwand produziert und millionenfach verteilt, nur um anschließend millionenfach ungelesen im Müll zu landen. Und selbst wenn kurz durchgeblättert wird; Prospekte gehören zu den Gegenständen, die für den Müll produziert werden.

Wir sind alle Zombies

Diese Abfälle der Konsumkultur hat der Wiesbadener Designer und frühere Sänger und Gitarrist der Gießener Emoband Skinny Norris, Helge Wagner, für die sieben Collagen seiner Original Monster Series benutzt. Im Zentrum jeder Collage steht ein Zombie, selbst so ein Kritikprodukt an der Konsumkultur des 20. Jahrhunderts. Wer einmal gesehen hat, wie sich Menschen am Black Friday vor der Ladenöffnung gegen die Türen drücken und dann nach Öffnung wie eine gesichtslose Masse in den Laden schwappen, nur um einen neuen Flatscreen-TV, die Nike-Sneaker-Sonderedition oder die Mikrowelle zum Super-Sonder-Tiefpreis zu ergattern, fühlt sich unweigerlich an George A. Romeros “Dawn of the Dead” erinnert.

The Original 5 Frankfurt Wieners, 2014

Wagner zeigt seine Zombies als entfremdete Gestalten, die nicht einmal mehr zur Ausbeutung taugen, die deplatziert wirken und doch genau deshalb so gut in die Collagen, zu unserer Zeit passen. Denn letztendlich sind wir alle Zombies, wenn wir uns morgens in U-Bahnen, S-Bahnen oder Stadtbussen quetschen, mit leerem Blick zur Arbeitsstelle fahren, nur, um dort zu funktionieren, etwas Geld zu bekommen, das hilft, unseren “Blutdurst” zu stillen.

Kurt Schwitters lässt grüßen

Die Collagen sind sehr gelungen, wirken sehr plastisch und es braucht oft mehr als einen flüchtigen Blick, um den Collagencharakter der von Wagner geschaffenen Kunstwerke zu entdecken. Nach einer erfolgreichen Ausstellung im Wakker Wiesbaden wird die “Original Monster Series” am 14. November bei Scholz & Volkmer in Wiesbaden, noch einmal neben vielen weiteren Collagen aus Wagners Werkstatt zu sehen sein. Mit der Ausstellung „THE BUTTERMILCH BROS. (THEIR MOTHERS AND SOME OTHERS)“ wirft Wagner einen ausführlichen Blick zurück auf vier Jahre Beschäftigung mit dem Medium. 2014 – 2018… eine kleine Werkschau.

„THE BUTTERMILCH BROS.“ – Collagen von Helge Wagner

Vernissage Mittwoch, 14. November 2018, ab 19:00 Uhr

Scholz & Volkmer, Schwalbacher Straße 72, 65183 Wiesbaden

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Falk Fatal

Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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