„Herr Kampfgarten wann gedenken sie endlich mal die Treppe zu putzen…“

Die Kassierer in Berlin

Samstag, 2. Februar 2019, Berlin/Club Astra – Die Frisur sitzt, die beste Ausgehkleidung ausgewählt und schon kann es losgehen. Die allmächtigen und unvergleichlichen Kassierer hatten zum Tanze geladen und dies wollte ich mir nicht entgehen lassen. Nachdem der Tag mit Fussball schauen, Kneipenbesuch und echten Berliner Großfressen schon einiges parat hielt, wuchs die Vorfreude auf das Konzert immer mehr an.

Natürlich stellt sich an solchen Tagen die Frage, wie oft man eigentlich der Band schon beigewohnt hat. Ehrlich? So wirklich weiß ich das echt nicht mehr… hehe.

Illustres Kassierer Publikum

Gegen 19 Uhr trafen wir am Veranstaltungsort ein und es wurde kurz hektisch. Nachdem ich die Info hatte einen ehrenwerten Platz auf der Gästeliste bekommen zu haben, wurde meine Freude, an genau dieser Tatsache, kurzzeitig getrübt. Mein Name war unauffindbar. Was tun? Falk angerufen, E-Mailverlauf senden lassen und schwups war die Klärung vorhanden. Da der innerliche Stress vorbei war ging es hinein direkt an die Bar und ab ins Getümmel. Das Publikum im Astra ist, im Vergleich zu anderen Veranstaltungsorten, wirklich besonders und erzeugt dadurch auch einen eigenen Flair. Was will ich damit sagen? Du triffst auf den meisten Kassierer-Konzerten die heißgeliebten Punker und Glatzen, sowie die in die Jahre gekommenden Musikfans, welche auch schon vor 20 Jahren den wohligen Klängen dieser Band lauschten. Im Astra treffen sich neben den erwähnten Gestalten, auch die Studenten, Anwälte, Ärzte, jung, alt und vor allem auch nicht wenige Erstbesucher, die entweder sich schon ein wenig mit der Band und deren Liveauftritten beschäftigt haben oder welche die nicht wissen wer die Band ist, was sie für textliche Glanzstücke raushauen oder was eine Bühnenshow alles beinhaltet. Diese Mischung hat mich dazu bewogen, jedes mal  wieder diesen Ort zu besuchen.

Nachdem ich im vorderen Teil des Clubs das ein oder andere Gespräch über Wölfi (er ist nun einmal Gott) und die Welt, schon so manche Textzeile gesungen hatte und auch meine Entspanntheit weiter Einzug hielt, ging es hinein, in den Konzertbereich.

Immer sehr beliebt: Die Smoking Area

Kotzreis vor Kassierer

Es spielten gerade KOTZREIZ auf und während der Kampf um einen geeigneten Standort losging, wurde es nach nicht einmal 3 Minuten schon nass auf meinem Schädel. Die Bierduschensaison war hiermit eröffnet. Es sollten an diesem Abend noch unzählige folgen (nach Nummer 6 hatte ich aufgehört zu zählen). Die drei Jungs von KOTZREIZ hatten an diesem Abend einen recht soliden Auftritt. Mein Freund neben mir rastete bei den Liedern „Pfeffi graf“ und „Saufen“ schon gut aus. Mir persönlich gefiel „Punk bleibt Punk“ an diesem Abend am besten. Sie waren, wie schon erwähnt, gut, hatten aber auch, bei mir persönlich, einen schweren Stand, da meine Ohren und Augen echt nur was für die nachfolgende Wattenscheider Combo übrig hatte. Ach ja mein Highlight bei KOTZREIZ war ein blonder, langhaariger Typ, welcher immer wieder vor ihnen auf der Bühne rumsprang. Es ging zwei-, dreimal von der Bühne in die Hörerschaft, bis er einmal richtig Anlauf nahm und auf den Boden der Tatsachen landete. Sah von weiten echt übel aus, aber hey das ist Punk. 😉 Nach gut 30 Minuten verließ die Vorband die Bühne, um für die Umbauarbeiten Platz zu machen.

Die Spannung stieg und stieg und stieg. Würden sie wieder „zu wie ein Kaufhaus am Sonntag“ auf der Bühne stehen und keinen Text mehr hinbekommen? Gibt es dieses mal eine An- oder Ausziehaktion? Und mit welchem Hit würden sie beginnen? Fragen über Fragen. Bis sie beantwortet werden konnten lief schönster Punk über die Boxen. Ein Mix aus u.a. Knochenfabrik, The Damned und The Boys. Doch all das war nun egal. Sie sollten endlich beginnen und die Ekstase starten.

Besoffen sein mit den Kassierern

Um 22 Uhr war es dann endlich soweit. Eine Lobeshymne auf allmächtigen Herren und die darauffolgende „Walküre“ eröffneten ihren Auftritt. Und da kamen sie Mitch Maestro, Nikolaj Sonnenscheiße, Volker Kampfgarten und Wolfgang „Wölfi“ Wendland. Ein ohrenbetäubender Lärm ging los und selbst im ach so verwöhnten und satten Berlin rasteten alle aus. Sie hatten alle Bock, die Hütte abzureißen und ein Feuerwerk zu starten. Es begann gleich mit einem der Hits – „Besoffen sein“. Als Wölfi das Mikro in die Hand nahm und einfach nur „Saaaaauuuufeeeeen, saaaauuuufeeen, jeden Tag nur saaaauuufeen“ sang, legten die 1500 Besucher los, als gäbe es kein morgen mehr und die Band folgte mit einer unglaublichen Energie. Man merkte an diesem Abend, dass sowohl die Menschen auf der Bühne, als auch die Gäste im Publikum motiviert waren und Lust hatten einen unbeschreiblichen Abend zu gestalten bzw. zu erleben. Vollkommendes Abdrehen bei Glanznummern der Punkgeschichte wie „Das schlimmste ist wenn das Bier alle ist“, „Mein Glied ist zu groß“, „Ich töte meine Nachbarn“, „Tot, tot, tot“, „Sex mit dem Sozialarbeiter“, „Stinkmösenpolka“ oder auch „U.F.O“.

Zwar von 2015, gibt das Feeling eines Kassierer-Konzerts gut wieder.

Ein Besuch vom nackten Donald Trump prachte wirklich jeden zum Staunen und als Volker Kampfgarten auch noch versuchte mit dem Kopf seinen Anus zu besteigen, hielt es niemanden mehr und ein unglaublicher Krawall durchdrang das Astra. Wölfi hatte auch seine Ansprachen wohl überlegt und appellierte immer wieder an die menschliche Vernunft, da diese in den heutigen Zeiten bei so manchem zu wünschen übrig lässt. Dem Grand Prix Eurovision Song Contest ging es auch an den Kragen und die „Erdrotation“ erklang. Lehrinhalte der Physik wurden mit „Quantenphysik“, sowie „Ich fick durch die ganze Wohnung“, an die anwesenden Menschen gebracht. Einzig und allein der Nacktheitsgrad war mir persönlich ein wenig zu kurz gekommen. Ja klar gab es zwischenzeitlich sechs nackte männliche Teilnehmer (mit Wölfi) auf der Bühne, jedoch zog sich Herr Wendland nach meist einem Lied schon wieder an. Schade, das kenn ich besser. 😉 Egal. Weiter im Text. Es war ein Abend für jeden der Kunst und Humor versteht. Das waren an diesem Abend so gut wie alle im Raum. Bester Beweis war der Moment als das Lied „Mach die Titten frei“ vorbereitet wurde. Erst durften die Besucher einen Kanon singen mit dem Text „Stimmt ein, stimmt ein, Sexismus ist gemein“, um dann das schon erwähnte Lied mit zu trällern. Und da auch die unglaublichen Kassierer nicht von schweren Vorwürfen verschont bleiben, gab es anschließend noch „Hol den Pimmel raus“.

Ebenfalls  genial waren Wölfi’s Ansagen zum Thema Ausziehen und zu den Liedern selbst. Ein kleines Beispiel – Wöfli fragt das Publikum wer sich ausziehen will, es meldet sofort eine Person und die Antwort darauf „Sie sind schon nackt, da klappt das mit dem Ausziehen nicht mehr“. Ein weiteres – eine kleine Personengruppe rief immer wieder „Arbeit ist Scheiße“, nachdem ein Lied beendet war und das nächste einen kleinen einleitenden Text benötigte, schrie eben jene Personengruppe „Ausziehen, ausziehen“ – Wölfi erwiderte „Jetzt liegen sie vollkommen falsch, nun hätte „Arbeit ist Scheiße“ gepasst“. 😀  Nach gut 2 ½ Stunden Punk pur, war die Show hinüber und bei den anwesenden Besuchern waren weit und breit nur lächelnde Gesichter zu erkennen. Ein Raum vollster Zufrieden- und Glückseligkeit wie der Mensch es selten erlebt.

Kassierer allmächtig

Fazit – ein Abend mit den allmächtigen Kassierern war, ist und wird auch hoffentlich in der Zukunft immer ein Freudenfest sein, was nicht seines Gleichen sucht, sondern einfach Einmalig und nicht vergleichlich ist. Ein großer Dank geht an Falk (Danke für den Gästelisteplatz und auch deine ruhige Art bei meinem verzweifelten Anruf), an den einzigartigen Glocke (gute Freunde kann niemand trennen), das Berliner Publikum (wenigstens einmal im Jahr seit ihr euch für nix zu Schade, Daumen hoch) und natürlich an Mitch Maestro, Nikolaj Sonnenscheiße, Volker Kampfgarten sowie Wolfgang „Wölfi“ Wendland (ihr werdet niemals alt und stupide, macht weiter so).

Dann hoffentlich auf bald und bis die Tage… Euer Eddie.

P.S. : Da ich Teil des ganzen Geschehens war, sind die Bilder eher suboptimal geworden, aber hey erlebt DIE KASSIERER einmal selbst, dann versteht ihr weshalb Bilder am Auftrittsort eher solala sind. 😉

Eddie Johnson

Fast niemand kann Besserwisser leiden, aber ich mag mich. Aufgewachsen und groß geworden im östlichen anhaltinischen Fläming, leb ich aktuell in einem über eine halbe Millionen kleinen Kaff in Mittelsachsen. Ich hatte mal eine Glatze und bin aktuell wieder mit vollem Haupthaar versehen. Glatze kommt bestimmt eher als mir lieb ist wieder. Neben Konzerten von verschiedensten musikalischen Einflüssen (abgesehen vom heißgeliebten Punk, geht’s auch gern ruhiger oder mal mit Bass), sind auch Besuche von bestimmten sportlichen Veranstaltungen mein Steckenpferd.
Jetzt schreib ich hier über meine Gedanken und alles was so subkulturelles anfällt. Ich bin gespannt...
Eddie Johnson
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