Kotzreiz – Nüchtern unerträglich

Saufen mit Kontrollverlust

Kotzreiz Titel

So wirklich damit gerechnet, habe ich gerade nicht mit einem neuen Kotzreiz-Album. Dabei hätte ich Drummer Chris doch mal fragen könne, als ich ihn Anfang November in Dresden traf, wo er mit den Berlin Blackouts aufgetreten ist. Stattdessen haben wir uns gefreut uns mal wieder zu sehen und einfach etwas geplaudert.

Umso toller finde ich es jetzt, bzw. schon seit ein paar Tagen, dass die neue Platte bei mir eintrudelte. Zwar war mir klar, dass auch Nüchtern unerträglich in Richtung der beiden Vorgängeralben geht, aber das ist es ja auch, was ich erwartete und worauf ich mich freute. Sprich die Scheibe ist nicht unnötig in die Länge gezogen – 23:36 Minuten – und bietet wieder einiges an Abwechslung. Von klassischen Punkrocknummern, über Gedresche und Blödeleien. Da kommt keine Langweile auf und schon muss man nochmal von vorne beginnen.

Dabei ist der Titeltrack richtig fein kritisch bezüglich rücksichtsloser Ignoranz den Mitmenschen und unserem feudalistischen Lebenstil gegenüber. Da sprechen mir die drei Berliner so richtig aus der Seele. Toll ist auch, dass sie den 2015er Smasher Ratten im System mit auf das Album geholt haben und ihn damit quasi nochmal neu auflegen. Da wird frei von der Leber weg, mit richtig Wut im Wanst keifend gekotzt. Grandios einfaches Deutschpunkgeballer, das ohne haargenau abgestimmte Lyrik den Nagel mit voller Wucht auf den Kopf trifft. Ein fantastischer Song. Der abschließende Räudige Aal zeigt eindrucksvoll wie versiert die drei Kerle sind. Das Songwriting und die Melodie sind ebenso allererste Sahne wie der treibende NDW-Beat zu dem Lied, bei dem Pestpocken-Sängerin Andrea zu Gast ist.

Jetzt müssen wir bloß diesen saubeschissenen Corona-Zauber abwarten, um dann die in den Januar 2021 verlegten Shows anschauen zu können. Da bin ich dann mal gespannt, ob und wie Toilettenstern umgesetzt wird. Wenn auch thematisch unterschiedlich, so ist das für mich irgendwie die kotzreizsche Antwort auf Pascows Schmutzigrot.

Jedenfalls sei es wie es will, mit Nüchtern unerträglich hauen Kotzreiz, wie nicht anders zu erwarten, einen neuen Deutschpunkklassiker aus den Hüften, der mit vordergründig lässiger Spielfreude beweist, wie vielschichtig und abwechslungsreich elf Songs sein können. Ich bin mal wieder seelenloser Fan.

Kotzreiz Cover unerträglichKotzreiz: Facebook

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Kaufen: Out Of Vogue

Bocky
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