Mitten durch den Kopf #9

Polytox Monatsradar August 2021

Politics not Dancing

Leute, die mich schon länger kennen, wissen, dass ich im Sommer 2015 zuerst ehrenamtlich bei der Ankunft von Geflüchteten half, bevor ich den Job im Winter 2015 dann hauptberuflich annahm. Bis Ende September 2018 arbeitete ich so in Mannheims größter bedarfsorientierten Erstaufnahme- Einrichtung, in der anfangs rund 10.000 Menschen untergebracht waren. Viele Geschichten die ich dort erzählt bekommen habe und erlebte, bleiben ein Leben lang hängen. In einigen davon spielen Menschen mit afghanischen Wurzeln die Hauptrollen.

Persönlich kenne ich bspw. auch eine Person, die das Land verlassen musste, weil Taliban-Terroristen einen Mordanschlag auf sie verübten, da sie eine Ortskraft war. Völlig Banane in dem Zusammenhang, dass die Person ein mehrstündiges „Interview“ führen musste, um zu beweisen, dass das tatsächlich auch so war. Abgesehen davon, ob ich das Interview für gut oder schlecht befinde, die Person wurde mehrere Stunden wie ein Schwerverbrecher „verhört“ und sollte sozusagen Beweise liefern, sonst wäre sie abgeschoben worden. Inwiefern dabei getriggert wird und ob die Person deshalb psychische Probleme hat, spielte dabei keine Rolle. Selber schuld, wenn sie nicht in Schland geboren ist!

Vielleicht bin ich über normal sensibilisiert, aber was in dem Land gerade vor sich geht, finde ich total heftig und kann mir die Bilder nur schwer anschauen und die Informationen aufnehmen. Es ist wirklich sagenhaft, wie unfassbar bodenlos der Arbeitgeber Deutschland mit seinen Mitarbeitern umgeht. Sie feuert sie nicht nur und lässt sie nicht einfach so verrecken, sondern nimmt es in Kauf, dass sie gefoltert, vergewaltigt und massakriert werden.

On top stellen sich solche Lappen wie Laschet und andere Christdemokraten, ihre Nächsten liebend, hin und labern was von 2015 darf sich nicht wiederholen. Tote Menschen nimmt man sehenden Auges in Kauf. Fickt euch!

Stand 31. August 2021

Ob und wie tief der schöne Heiko Maas, aka Außemninister in die total dilettantische Situation verstrickt ist, die zig Menschen das Leben kostete und noch kosten wird, möchte ich an der Stelle gar nicht bewerten, weil ich das nicht kann. Aber ziemlich krass finde ich die Tatsache, dass er Ende des Monats August durch die Länder rund um Afghanistan tingelte, um mit den dortigen Regierungen auszuhandeln, dass sie doch bitte afghanische Flüchtlinge aufnehmen und dafür sorgen, dass sie dort bleiben und sich keinesfalls in Richtung Europa oder gar Deutschland auf den Weg machen. Der Spiegel, in dem der morgens Zähne putzt, geht wahrscheinlich bloß bis zur Kauleiste, denn die komplette Hackfresse kann er sicher selbst nicht mehr sehen.

Ebenfalls Stand 31. August 2021.

Funfact am Rande: Der schöne Heiko Maas war auch in Katar, weil das Land eine Schlüsselrolle als Vermittler mit den Taliban spielt. Die haben dort nämlich seit Jahren ein Büro, wo sie internationale Vertreter zu Verhandlungen treffen. Da bleibt echt ein Auge trocken, wenn man sich überlegt, was im Zusammenhang mit dem Thema mal wieder alles ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wird.

Auf jeden Fall freue ich mich schon auf die Fußball-WM kommendes Jahr. Wird bestimmt total super!

Wer sich in der Thematik über die etablierten Medien hinaus informieren möchte, kann und soll das mal über den Europaabgeordneten Erik Marquardt via Facebook oder Instagram tun. Ebenso empfehlenswert ist natürlich die Seebrücke – Homepage, Facebook oder Instagram. Zusammen mit anderen Organisationen haben sie die Aktion #KabulLuftbrücke auf die Beine gestellt und ein privates Flugzeug gechartert, um Menschen aus Kabul zu holen. Wie ihr vielleicht schon ahnt, die Aktion war ein ziemliches Debakel, bis man wenigstens ein wenig helfen konnte. Die erklärenden Videos wie es dazu kommen konnte, sind in der Tat total krass.

No Culture No Hope

Nun stell man sich mal vor, der schöne Heiko Maas muss demnächst seine ebenso schönen Desgineranzüge packen, aus dem Außenministerium ausziehen und verließe dann gegebenenfalls komplett die Politik. Der arme Kerl, was der dann wohl macht? Der findet doch nie wieder einen Job.

Oder Abgeordnetenwatch und Lobbycontrol informieren uns, wie letztens im Falle des ehemaligen schmierigen SPD-Chefs Siggi Gabriel, was man nach einer politischen Karriere so treiben kann. Klar die Liste der Politiker, die in die Wirtschaft wechselten, nachdem sie angeblich dem Land und dem Volk dienten, wäre recht lange, wollte man sie jetzt alle aufzählen. Schlimm genug, dass das so normal ist. Ich denke das ist aber auch einer der Gründe, weshalb Politiker:innen nicht mehr den Rückhalt in der Bevölkerung haben wie das noch vor Jahrzehnten war. Denn viel zu oft wird deutlich, dass politische Karrieren darauf angelegt sind sich die Taschen zu füllen und weniger aus ideellen Gründen angetreten werden. Die Birne und Gerhard Schröder sind hier wohl die bekanntesten Beispiele.

Dass direkte Korruption dabei immer eine Rolle spielt, glaube ich noch nicht mal. Also, dass ein Politiker während seiner Amtszeit mit saftigen Geldbeträgen geschmiert wird. Stattdessen hat das für mich etwas von einer Doppelspioage. In dem Sinne, dass während der Amtszeit über Lobbyisten ziemlich viel geregelt wird. Kümmert man sich als Politiker rege um die Geschäfte eines gewissen Bereichs, bekommt man dort nach seiner Tätigkeit im Bundestag recht fix einen Job. Ein Netzwerk und Wissen hat man sich bis dahin mindestens vier Jahre und länger aufgebaut. Wie sich so ein Fall anbahnt kann man sich momentan übrigens auf Lokalebene wunderbar in Mannheim anschauen.

Wer jetzt an das tolle und neu eingeführte Lobbyregister-Gesetz aus dem Frühling denkt, den kann ich getrost enttäuschen. Denn hier ist es nicht so, dass man erfährt, welcher Lobbyist mit welchem Politiker über welches Thema mit welchem Ziel gesprochen hat. Es muss lediglich angegeben werden welcher Lobbyist, welcher Bande angehört. Das war’s. Ein ziemlich schlechter Witz, wenn ihr mich fragt.

Da wundert einen die stetig sinkende Wahlbeteiligung in den letzten Jahren nicht, wenn man das Gefühl bekommt als Wähler:in von der Politik ähnlich abgekoppelt zu sein wie die Börse von der Realität.

Schade halt, dass unter anderem aus solchen Gründen wirklich fähige Politiker wie Gerhard Schick oder demnächst Fabio de Masi völlig entnervt oder ausgelaugt der Politik den Rücken kehren.

Zum Schluss in dieser Rubrik noch die Frage, ob ihr schon den ersten Teil der neuen Rezo-Zerstörung gesehen habt? Sehr zu empfehlen. Teil 2 ist zwar auch schon raus, kam ich bloß noch nicht dazu.

Punk ist das Geilste

Die Jungs von AKJ und Sarah habe ich bereits an anderer Stelle abgefeiert. Mache ich aber einfach nochmal. Was ich alles kann, Hammer!

Ne andere feine Begebenheit war in der Mitte des Monats das von der Alten Hackerei organisierte Knochenfabrik-Konzert. Anfangs noch im Sitzen, doch es wurde dann ja dunkler und fast alles wurde gut. Schön, dass die Band sich vor Jahren entschloss wieder aufzutreten.

Auch nicht schlecht die Party bei Oli, dem Bassisten von ACK. Da sah ich ein Konzertplakat, von einer Show, die ich vor fast 19 Jahren mitorganisierte.

Außerdemist die neue Ausgabe des tollen Rauditum Fanzine am Start. In Ausgabe #5 gibt es ein kleines Kanada-Special, die Bandstory und Gespräch mit Braindance, Fragen an Sucker, den ehemaligen Oxymoron und jetzigen Bad Co. Project Sänger oder Infos zur Sichtweise der Punks in Myanmar!

 

Bocky
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