POGENDROBLEM – Erziehung zur Müdigkeit

Deutschpunk

Kulturpessismus ist ein weitverbreitetes Phänomen, vor allem in der Punkszene. Die “Früher-war-alles-besser”-Einstellung ist hier häufig anzutreffen. Früher war Punk noch ein Threat und die Punks noch nicht dead. Und diese ganze Jammerei und Studentenscheiße gab es auch noch nicht – so die oft wiederholte und gehörte Rede von Punks, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben.

Ich halte das ja für Quatsch. Früher war nicht alles besser und heute ist nicht alles scheiße. Punk geht halt den Weg, den andere Jugendkulturen vorher gegangen sind. Und nach 40 Jahren schocken grüner Irokese, Lederjacke und zerrissene Jeans halt einfach nicht mehr. Dafür muss man sich jetzt mindestens fünf Kilo Altmetall ins Gesicht hängen und die übrigen Stellen tätowieren lassen. Damit lockt man vielleicht noch jemand hinter dem Ofen vor, der dann angeekelt die Straßenseite wechselt, aber nicht mehr mit dem Versandhandel-Punker-Outfit.

Dafür läuft es musikalisch deutlich besser, wie das Debütalbum von Pogendroblem beweist. Zehn herrlich angepisste, rasend schnell heruntergebollerte Deutschpunksongs, die zwar simpel gespielt klingen, die man aber erst einmal in dieser Geschwindigkeit spielen muss. Dazu Texte, die nicht klingen als wären sie aus dem Schlachtrufe BRD-Baukasten zusammengesetzt worden, sondern die sich mit bissigem Humor über das Hier und Jetzt auslassen. Mit “Hambacher Forst > Hambacher Fest” ist dann sogar ein Lied brandaktuell geworden, das mit wunderbaren Textzeilen aufweist: “Du warst viel allein mit Frau Mama, Weil Vati auf der Arbeit war, Drum sehnst du dich nach alten Herrn, Die dir das Leben erklärn”. Großartig. Hätten Tocotronic Humor und wären dem Stil ihrer ersten Platte treu geblieben, würden sie jetzt vielleicht wie Pogendroblem klingen. Tja, Pech gehabt Tocos.

Zurück zu Pogendroblem und Großartig, denn das ist ein überhaupt passendes Wort, um die “Erziehung zur Müdigkeit” von Pogendroblem zu beschreiben. Dieses Album sollte in keiner gut sortierten Plattensammlung fehlen.

Info

Format: LP

Label: In a car

Band Website: www.facebook.com/pogendroblem

Label Website: www.facebook.com/In-a-car-258006981203388/

Falk Fatal
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Falk Fatal

Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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