Polytox Wahlumfrage

Aussagekräftiger als jedes Triell und meinungsbildender als der Wahl-O-Mat ist diese Umfrage geworden, die ich im näheren und weiteren Freundes- und Bekanntenkreis mit Personen gemacht habe, die mehr oder weniger im Fokus der Punkrock-Gemeinde stehen, von denen leider nicht alle die Zeit zum Antworten fanden.

Die aussagefreudige Dutzend dieser Umfrage sind: Jan R. vom Trust Fanzine; Diana Ringelsiep, Journalistin und Aktivistin; Falk Fatal, Polytox-Mithalunke, Podcaster, Autor, Front-Sänger; Torsun, Sänger und Kopf von Egotronic; Jan Off, wortgewandter Autor und eloquenter Podcaster; Ronja, Chefin vom Plastic Bomb Fanzine und Mailorder; Thomas, Loikaemie-Sänger; Ugly, Mitherausgeber des Rauditum-Fanzine; Ecke, Veranstalter im Conne Island und Endless Summer (RIP); Lulu, Reimkönigin der Crackhuren, Plüschi, Betreiber der Alten Hackerei in Karlsruhe und top Typ sowie Henne, Sänger von Rawside und Ausdauerläufer.

Nachdem ihr euch entschieden habt die einzelnen Antworten zu den Fragen zu lesen oder lieber die Personen nacheinander, will ich euch gar nicht länger aufhalten, denn: was kommt ist interessant und lang!

Demnächst stehen Bundestagswahlen an. Wirst du wählen gehen oder bringen Wahlen sowieso nix?

Jan R.: Bocky mein Lieber, kurz vorab: im Prinzip fragst du „genau den richtigen“, schließlich studierte ich ja Politikwissenschaften und der Bereich „Das Politische Parteien-Wahl-System der BRD“ war obligatorisches Prüfungsthema. Nur habe ich überhaupt keine Ahnung, es hat mich nie besonders interessiert. Meine Leidenschaft war immer Politische Theorie, Simone De Beauvoir, Erich Fromm, Judith Butler, Frankfurter Schule, „die Nummer“.
Also habe ich auch nur gefährliches Halbwissen, jetzt zu deinen coolen Fragen: ich habe eigentlich immer gewählt bzw. oft auch wieder nicht. Ganz allgemein: ich finde mich beim gemäßigteren Teil – nenn es „linke SPD/gemäßigte Linke“ – am besten wieder. Ich war nie der große Radikaliniski. Ich wählte auch mal die APPD oder auch DIE PARTEI. Ich bin immer wieder überrascht und gleichzeitig bestürzt, was für seltsame Parteien – und vor allen Dingen so viele! – es doch (wieder) gibt. Bibeltreue Christen*innen, durchhalten, warum nicht wieder mal Gott.

Diana Ringelsiep

Diana: Wer nicht wählen geht, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Schließlich ist es ein Privileg, in einem Land zu leben, in dem freie und geheime Wahlen stattfinden. Ich werde meine Stimme – wie immer – per Brief abgeben, für den Fall, dass mir am Wahltag etwas dazwischenkommt. Am Morgen der letzten Bundestagswahl bin ich überraschend auf der Intensivstation gelandet und war froh, dass ich bereits alles per Post erledigt hatte. Dieses Jahr werde ich am Wahlsonntag im Auto sitzen, weil ich am Abend vorher einen Vortrag über „Sexismus im Punk“ auf dem Revolution Fest in Bamberg halten werde. Ich muss jedenfalls keine Angst haben, es nicht mehr rechtzeitig ins Wahllokal zu schaffen. Und der Gang zum Briefkasten ist während einer Pandemie ohnehin die sicherere Variante.

Falk: Ich bin seit 1998 wahlberechtigt. Bei meiner ersten Bundestagswahl habe ich aus voller Überzeugung die APPD gewählt. Da die Partei danach nicht mehr auf dem Wahlzettel stand, wähle ich seitdem das in meinen Augen kleinere Übel. Das variiert allerdings bei jeder Wahl. Also ja, ich halte Wahlen für sinnvoll. Es macht halt schon einen Unterschied, ob wir eine Regierung haben, die alle soziale Errungenschaften einreißen will oder eine, die wenigstens ein bisschen Sozialstaat zu retten versucht, die einen Scheiß auf Umweltschutz gibt oder eine, die wenigstens so tut und das Schlimmste zu verhindern versucht. Es macht also schon einen Unterschied, wer an der Regierung ist, von daher bringen Wahlen etwas.

Torsun: Prinzipiell bin ich der nach wie vor der Meinung, dass Wahlen, könnten sie für grundlegende Änderungen sorgen, verboten wären. Das bedenkend hab ich die längste Zeit meines Lebens nicht an ihnen teilgenommen. Mittlerweile denke ich, dass ich doch wähle, um zumindest manche Prozesse zu verlangsamen. Es ist in den täglichen Nachrichten zu verfolgen, wie der Klassenkampf, wer die Kosten der Pandemie wird tragen müssen, längst begonnen hat. Und zwar von oben. Die Kosten sollen mal wieder denen aufgehalst werden, die sowieso schon nichts haben. Der Ton wird dabei konstant brutaler, wie man z.B. an den neuesten Ausfällen der CDU bezüglich Langzeitarbeitsloser ablesen kann.

Dass SPD und Grüne dabei keine Verbündeten der sozial schwachen sind, haben sie nach der rot-grünen Ablösung von Helmut Kohl ja eindrucksvoll bewiesen. Somit bleibt nicht viel übrig.

Ich geh zumindest mal davon aus, dass deine Leser:innenschaft Faschos ebenso hasst, wie ich.

Jan Off: Wie gewohnt steht auch in diesem Jahr keine Partei auf dem Wahlzettel, der ich vorbehaltlos meine Stimme schenken könnte. Um die AfD in die Schranken zu weisen, werde ich dennoch wählen gehen. Wahlen ändern tatsächlich nichts, zumindest, solange nicht die Systemfrage gestellt wird. Demgemäß wünsche ich mir eine Wahl, die dies hier zum Inhalt hat: Wollen wir weiterhin im Kapitalismus leben oder gemeinsam darüber nachdenken, ob nicht eine Alternative denkbar wäre?

Ronja: Ich werde auf jeden Fall wählen gehen.

Wir leben halt in diesem System, das mir nicht schmeckt aber das wir auch noch nicht geschafft haben, zu stürzen. Bis wir das hingekriegt haben versuche ich, mit meiner Stimme das Schlimmste zu verhindern. Vom nicht wählen wird’s ja auch nicht besser und so hab ich wenigstens das Gefühl, Armin Laschet verhindert zu haben.

Aber mit dieser „meine kleine Stimme ändert doch eh nichts“ Einstellung kann man dann eigentlich immer zu Hause bleiben, dann braucht man auch kein Fanzine machen, keine Songs schreiben, auf keine Demo gehen… Ich finde schon, dass jede Stimme zählt und je mehr Menschen man selbst noch mit mobilisiert, desto mehr werden das dann auch.

Thomas: Ich werde auf jeden Fall wählen gehen. Das Dümmste, was man machen kann ist, nicht wählen zu gehen.

Ugly: Ich werde, so wie ich es von jeher tue, per Briefwahl mein Wahlrecht wahrnehmen. Mir ist zwar bewusst das ich das System nicht per Wahlen in ein besseres verändern kann, aber das kann ich noch viel weniger wenn ich meine Stimme nicht abgebe. Den Menschen die sagen dass Wahlen nix verändern würden, kann ich nur sagen „genau und deshalb gib bitte deine Stimme ab, damit die AfD nicht noch mehr Einfluss bekommt“. Geht wählen damit sich nix verändert!

Ecke: Ich bin diesbezüglich zum ersten mal richtig zwiegespalten. Ich war immer ein Verfechter der „Geh Wählen!“ Devise – sei es weil mich eine Partei oder ein Kandidat überzeugen konnte, sei es weil ich eine gewisse Konstellation vermeiden wollte – Stichwort „taktisch wählen“ oder oder oder. Und argumentierte gegen Leute, die sich der Wahl verweigerten oder den „Bringt doch sowieso nix“ Mantra folgten. Aber dieses Mal habe ich das Gefühl dass mich alle Angebote die die Parteien mir machen weder überzeugen, noch ich diesen auch nur irgendeinen Glauben schenken könnte, es ist einfach nur bitter. Kurz: Ich überlege zum ersten Mal nicht zur Wahl zu gehen.

Lulu: Hey, ich werde defintiv wählen gehen und mithelfen, dass AFD und CDU keine Mehrheit bekommen. Ich träume nahezu jede Nacht davon. Wenn ich mir ausmale, das dieses dumme Arschloch Laschet Kanzler wird, könnte ich heulen.

Plüschi: Ja ich gehe wählen, obwohl ich der Auffassung bin, dass sich nicht sonderlich viel verändern wird aber es gilt doch hier unbedingt das Nichtverändern in der Waage zu halten und auf jeden Fall einen weitern Rechtsruck zu verhindern und die AFD insbesondere.

Henne: Ich werde wählen, auch wenn es wie fast jedes Mal ein Fest der Unwählbaren ist, dennoch werde ich irgendwas mit meinem Wahlzettel machen, es geht für mich eher darum wem ich meine Stimme nicht gebe! Irgendwie bin ich immer noch ein kleiner Wahlboykottierer, denn wer da an die Macht kommt ist wohl irgendwie trotzdem vlt. nur das kleiner Übel.

Bei den letzten Bundestagswahlen 2017 lag die Wahlbeteiligung bei nur rund 76%. Davor, 2013, sogar bei nur bei 71,5%. Was glaubst du ist der Grund, dass das so ist und wie schätzt du das für 2021 ein?

Jan R.: Tja, es ist ein bisschen so wie im Supermarkt: du schaust dich um und denkst dir „Das ist ja total cool, wie viele unterschiedliche Produkte und wie viel Auswahl es gibt, genial“. Am Ende stellst du fest, dass es zu 80% nur drei Konzerne sind, die Millionen Marken haben und diese drei Konzerne sind beinahe identisch – wenn man mal ehrlich ist. Und irgendwie ist es bei den Parteien doch auch so bzw. die Grundattitüde der Politiker*innen ist doch eigentlich größtenteils unverändert: denen ist es doch absolut oft WUMPE, was los ist – Hauptsache selber viel Macht und Sack Kohle. Plakativ? Sicher. Richtig? Keine Ahnung. Aber „guck sie dir doch mal alle an“! Bestes Beispiel: Chief Andi, unser Mann im Ministerium. Eigentlich Punkrock. Dem ist einfach alles egal. „Früher“, als es den Osten noch gab, da wurde man nur selten Zeuge von solchen Menschen, es war noch ein bisschen verpönt, sich keine Mühe zu geben und ganz offen zu sagen „Mir ist alles latte. Ich nehme euer Geld und mach damit, was ich will“. Seit 1989 bringt die Markwirtschaft einen ganz anderen Charaktertypus hervor. Ich vermute, er wird in 2 Jahren Chef von allen Autofirmen und somit Präsident der Welt. Tja, ob CDU, SPD, FDP, GRÜNE, die sind doch wirklich gleich. Sagen das eine. Machen das völlig andere. Gibt schon ein paar, oft marginale, Unterschiede, stimmt, aber irgendwie… geht’s denen doch nur um ihre Karriere. LINKE ist bestimmt auch tendenziell manchmal so. D.h. die Leute merken, es ändert sich gar nichts, es wird nur noch schlimmer, egal, wer an der Macht ist. Warum also wählen?

Diana: Viele Menschen glauben, dass ihre Stimme eh nichts ändert – was natürlich ein Trugschluss ist, wenn man bedenkt, was das nicht-wählende Viertel aller Wahlberechtigten ausrichten könnte. Hinzu kommt meines Erachtens, dass keine der etablierten Parteien den Mut hat, sich klar zu positionieren. Sie nähern sich einander schon seit vielen Jahren an und es ist nahezu unmöglich geworden, die Aussagen von Politiker*innen allein aufgrund ihres Inhalts einer Partei zuzuordnen. Nehmen wir zum Beispiel die gerade in Hamburg in Kraft getretene 2G-Regel, die Geimpften und Genesenen an teilnehmenden Veranstaltungsorten gewisse Freiheiten zurückgibt (Entfallen der Abstands- und Tischregeln, Aufhebung des Tanzverbots etc.). Obwohl Corona-Strategien wie diese ein wichtiges Wahlkampfthema sein sollten, sehen die Parteien lieber dabei zu, wie die vierte Welle auf uns zurollt, weil sie es sich zu kurz vor der Wahl nicht mit den Impfgegner*innen verscherzen wollen. So ist die 2G-Regel laut Bundesgesundheitsminister Spahn zwar „durchaus diskussionswürdig“, er findet es jedoch „gleichzeitig wichtig, dass aus den vorhandenen Spannungen nicht Spaltungen entstehen“. Was soll man dazu sagen? Politik funktioniert nun mal nicht, ohne Stellung zu beziehen. Ich kann es daher verstehen, dass viele Menschen genervt von dieser Wischiwaschi-Dauerwerbesendung sind, in der es schon lange nicht mehr darum geht, Wähler*innen zu gewinnen – sondern möglichst wenige zu verlieren.

Tausendsassa Falk

Falk: Ich finde 76 % gar nicht so wenig, wenn ich mir die Wahlbeteiligung bei Landtags-, Europa- oder Kommunalwahlen anschaue. Da ist die Wahlbeteiligung deutlich geringer. Warum die Wahlbeteiligung so ist wie sie ist? Keine Ahnung. Manche wird es schlicht nicht interessieren, andere werden vermutlich denken, dass ihre Stimme keine Rolle spielt, weil “die da oben sowieso tun, was sie tun” und für manch andere ist nicht die passende Partei dabei und deshalb lassen sie es ganz. Aber ich glaube, dass dieses Jahr die Wahlbeteiligung höher sein wird. Die Zeiten werden deutlich politischer wahrgenommen als noch vor zehn oder 15 Jahren, was nicht nur an Corona liegt. Es wirkt so, als ginge es dieses Mal wirklich um etwas, deshalb glaube ich, werden wir dieses Jahr eine höhere Wahlbeteiligung als bei den beiden vergangenen Wahlen erleben.

Torsun Burkhardt

Torsun: Wie gesagt: taugten Wahlen für grundsätzliche Veränderungen, wären sie sicher verboten. Das dürfte zumindest ein Grund unter vielen sein, der Menschen vom Wählen abhält.

Jan Off: Auf diese vergleichsweise langweilige Frage möchte ich vergleichsweise langweilig antworten: In Bulgarien lag die Wahlbeteiligung im Jahr 2021 bei 42,2 %.

Ronja: Das Problem ist, dass viele konservative bis tendenziell rechte Wählergruppen ja auf jeden Fall zu Wahl gehen. Die CDU baut ja auf ihre Stammwähler_innen, die meisten schon alt sind. Das merkt man am Wahlkampf, an der Auswahl der Werbemedien und an der Themenwahl. Ich denke, dass es in diesem Jahr ganz stark darauf ankommt, ob die Menschen unter 30 gecheckt haben, dass das grade ihre Zukunft ist, die ihnen vor der Nase ruiniert wird. Da geht’s ja selbst hier in Wohlstands-DLand nicht mehr um politische Ideale von Umweltschutz und so, sondern um deren Wohlstand, teilweise um deren blanke Existenzsicherung in den nächsten Jahren.

Wenn die alle ihr Potenzial entdecken, ist da durchaus noch was zu machen. Wenn die lethargisch im Bett bleiben, wird’s langsam eng.

Thomas: Ich glaube, dass die Menschen den Glauben an die Politik verloren haben. Es wird viel gelabert, verändern tut sich wenig. Das führt zwangsläufig dazu, dass die Leute sich nicht vertreten fühlen und deshalb nicht wählen gehen. Mir geht’s am Ende ähnlich. Ich fühle mich von keiner Partei vertreten, wähle aber das, für mich, geringste Übel.

2021 werden es wahrscheinlich noch weniger an die Urnen schaffen.

Ugly: Verglichen mit Landtags-, Regional- oder Europawahlen ist die Beteiligung immens hoch. Für den Bürger sind die meisten Entscheidungen nicht nachvollziehbar, was zum einen an dem Einfluss des Lobbyismus und zum anderen an den eigenen Interessen der Politiker zutun hat. Lobbyismus ist zwar grundsätzlich notwendig um die verschiedenen Interesse die zu dem jeweiligem Thema bestehen Gehör zu verschaffen, nur ist der Einfluss der Lobbyisten in einer Schieflage. Den Interessen einer kleinen Minderheit wird mehr Gewicht gegeben als den Interessen der größten Gruppen. Politiker die „nebenbei“ in zig Aufsichtsräten sitzen und dort ein vielfaches einnehmen als sie es mit ihrem Mandat tun, haben nicht das Allgemeinwohl im Sinn sondern die Interessen der Firma die sie bezahlen. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Das verärgert die Wähler, sie erkennen dass das System falsch läuft und resignieren weil sie keinen Ansatz sehen dies verändern zu können. Dann kommen Populisten und prankern die Fehler des Systems an und versprechen genau das was der Wähler hören will und aus der Resignation wird ein „Widerstand“ gegen die Etablierten. Trump hat 2020 mehr Stimmen bekommen als je ein Präsident zuvor, zum Glück bekam Bidden noch mehr, obwohl er 1000x der Lüge überführt wurde und seine Politik offensichtlich gegen die Interessen der Bevölkerung agierte. Es genügte dass er behauptete gegen die Etablierten zu sein und das obwohl er Teil des Etablishments war. In Deutschland ist es die AfD die versucht nach diesem Schema zu agieren, erfolgreich leider. Ich denke es gehen mehr Menschen zur Wahl als in den Jahren zuvor, zum einen weil sie durch die Lügen der AfD die Hoffnung haben es könnte sich was zum Positiven verändern, zum Anderen um den Einfluss der AfD zu stoppen.

Ecke: Ich schätze dieses Mal wird die Wahlbeteiligung noch geringer ausfallen. Die Kandidaten sind allesamt farblos, humorlos und polarisieren viel zu wenig. Alle 3 Kanzlerkandidaten regieren mit ihren Parteien ja irgendwo zumindest auf Landesebene schon mit und beweisen seit Jahren aufs tragischste ihr allgemeines Versagertum. Wenn es regnet gehen dieses mal wahrscheinlich nicht einmal 70% an die Urne.

Lulu: Leider muss man ja sagen, dass die AFD viele Leute zur Wahl gezogen hat. Sie haben polarisiert. Viele haben die aus Protest gewählt und viele aus Protest dagegen. Außerdem glaube ich, dass die Jugend einfach sehr viel politischer geworden ist als noch in vergangenden Generationen. Über Social Media wird viel dafür geworben, seine Stimme einzusetzen.

Plüschi: Ich glaube einer der Gründe ist, dass die Parteien und Politiker die jungen Leute mit ihren Themen nicht ansprechen und sie auch nicht ernst nehmen. Würden junge Leute mehr in die Verantwortung genommen und ihnen mehr zugetraut wäre das Wahlverhalten bestimmt ein anderes. Außerdem sehen natürlich einige gesellschaftlich abgehängten Schichten null Veränderung für sich nach Wahlen und das frustriert.

Henne: Puh mit so Prozentzahlen hab ich mich noch nie beschäftigt, ich glaube das viele echt nur versuchen es nicht noch schlimmer zu machen und vielen ist das eben auch scheißegal! Die gehen dann lieber ins Sportheim eins Trinken. Da aber ja nun die Ära Merkel definitiv zu Ende ist, kann ich mir vorstellen das die Wahlbeteiligung zumindest nicht geringer wird. 

Was stört dich an Politik im Allgemeinen am meisten?

Jan R.: Die meisten Politiker*innen interessiert nur Geld und Macht für sie selber. Alles andere – Inhalte – ist ihnen egal, gut, sie haben notgedrungen eine Art Wahlprogramm, aber ich habe fast immer das Gefühl, das sich mir im TV, online oder in der Tageszeitung so Polit-Cyborgs präsentieren, so schlimm wie Fussballspieler: durchgecastet, jedes Wort von Berater*innen abgestimmt, nie ´ne Emotion bzw. wenn doch, dann war alles vorher kalkuliert, absolute „Profis“, d.h. total langweilig, vorhersehbar und immer das bittere Gefühl: nur für Geld machen die das? Wie arm! Als ob es nicht wichtigeres gäbe. Etwas zynisch jetzt… Patentrechte sichern? Klar, wichtig! Aber Menschenleben retten vielleicht auch ganz cool? Nee, mal lieber abwarten, weil nachher sind die ja schon tot UND DANN hätte ihnen ja auch kein Medikament geholfen, verstehen Sie diese Logik? Oder Militäretats! Unbedingt hoch! Aber Mittel für die Seenotrettung? Nun, das müssen wir erst mal gucken, wie sich alle 190 Länder dazu verhalten, ferner denken wir da über eine Online-Zoom-Diskussion mit allen Menschen der Erde nach, erstmal lieber noch abwarten…

Diana: Mich stört vor allem die Ignoranz zahlreicher deutscher Spitzenpolitiker*innen, denen jegliche Menschlichkeit abhandengekommen und für die Politik nichts anderes als ein Real-Life-Monopoly ist. Die Nachricht der in Kabul einmarschierenden Taliban war erst wenige Stunden alt, als Kanzlerkandidat Armin Laschet sagte: „2015 darf sich nicht wiederholen.“ Ich meine, spürt der Mann noch was? Gibt es ihm nicht zu denken, wenn die AfD ihn zitiert? Das Mittelmeer ist nach wie vor die tödlichste Grenze der Welt. Schutzbedürftige Familien sitzen seit Jahren in griechischen Geflüchtetencamps fest und Deutschland schaut konsequent weg. Ich wünschte, die mächtigen alten weißen Männer in der Politik würden in der humanitären Hilfe genauso viel Engagement und Entschlossenheit an den Tag legen wie sie es im Kampf gegen geschlechtergerechte Sprache tun. Aber echte Emotionen weckt bei einigen wohl nur das Gendersternchen.

Falk: Hier könnte ich Dir vermutlich eine kilometerlange Antwort geben, aber da ich nicht das ganze Internet vollschreiben will, belasse ich es bei einem Satz: Mich stört an Politik am meisten, dass kurzfristige Kapitalinteressen immer vor den Interessen der Gesellschaft und der Umwelt kommen. Wichtig ist in diesem System immer, was für Folgen ein neues Gesetz für die Wirtschaft hat, und nicht, ob es der Gesellschaft als Ganzes nutzt. Diese Politik hat uns die Lage gebracht, in der wir uns nun befinden.

Torsun: Puh, Politik? Ich zitiere an dieser Stelle mal Dithmar Dath, der vor geraumer Zeit ein sehr lesenswertes Interview zum Thema Wahlen gegeben hat: „Entschuldigung, aber die Vorstellung, ich würde mich für Ideen interessieren, wo es um Politik geht, statt für Lebensbedingungen, geht fehl. Ich will den Sozialismus nicht, weil er in Büchern steht, sondern weil ich keine reichen Eltern habe. Wenn ich nicht mehr arbeiten kann, geht’s mir an den Kragen, falls mir keiner hilft.“

Jan Off: knackig

Jan Off: Politik heißt, sich gesamtgesellschaftlich einmischen, wann und wo immer es möglich ist. Demgemäß stört mich an Politik im Allgemeinen erst mal gar nichts. Als bedrückend empfinde ich es allerdings, dass vielen allein deshalb die entsprechende Teilhabe verunmöglicht wird, weil es ihnen an Zeit und sonstigen Ressourcen mangelt. Lobbyismus, zumindest in der Form, wie wir ihn heute kennen, gehört dringend abgeschafft.

Ronja: An Parteipolitik? Nebeneinkünfte. Wenn jemand in Vollzeit den Job übernommen hat, als Volxvertreter_in zu agieren, will ich erwarten können, dass diese Person nach 8-10 Stunden heim geht und sich erholt, um am nächsten Tag gut ausgeschlafen weiter das Volk zu vertreten. Je höher diese Nebeneinkünfte entlohnt werden, desto mehr stört mich das, da ich ab nem bestimmten Punkt nicht mehr glauben kann, dass der eine Job nichts mit dem Anderen zu tun hat. Oder man sich damit schon mal auf den nächsten Job vorbereitet.

Thomas havin‘ a say

Thomas: Fehlende Konstanz und verloren gegangene Glaubwürdigkeit. Es ist schön, dass die Politik das Große Ganze im Blick hat, es nützt aber nichts wenn am Bürger vorbei regiert wird (der ist ja auch noch da, trotz der weltweiten Probleme).

Ugly: Das wir keine Politiker im eigentlichen Sinne mehr haben. Poli ist die Stadt, frei übersetzt also die Allgemeinheit, demnach ist der Politiker der Allgemeinheit und dem Allgemeinwohl verpflichtet. Nur sind sie es nicht, egal für welche Buchstaben sie kandieren. Es sind Karriereristen, die ihren Arsch an die Wand bekommen wollen und denen die eigenen Interessen wichtiger sind als das was für das Allgemeinwohl das Richtige wäre. Bahr, Wehner, Brandt, Schmidt und sogar Strauss waren Politiker deren Handeln bestimmt wurde von dem Allgemeinwohl, sie wollten das Richtige für die Bevölkerung in Deutschland machen. Diese Intension finde ich heute bei keinem der Politiker die sich zur Wahl stellen. Höchstwahrscheinlich war Ströbele der letzte echte Politiker, selbst als seine Partei sich schon längst selbst verraten hatte. Aber auch Merkel hat sich gemausert und mir scheint als wäre sie mittlerweile mehr dem Allgemeinwohl verpflichtet. In der heutigen Situation sollte man das freie Mandat in ein gebundenes Mandat ändern, dann wären Politiker nicht mehr ihrem nicht vorhandenem Gewissen verpflichtet, sondern ihren Worten und Versprechen.

Ecke: Dass ich das Gefühl habe dass es in den Parteien keine sogenannten „Volksvertreter“ (sic! aber mir fiel kein besseres Wort ein) mehr gibt und alle, aber ausnahmslos alle, sich ihre Posten und Pöstchen durch Beziehungen und jahrelange Katzbuckelei zugeschoben haben. Wenn denn das die Frage war. Ich meine jetzt scheint die SPD die Wahl zu gewinnen (Stand 10.9.) – mit einem Olaf Scholz als Kanzlerkandidat: G20 Versager, CumEx, Weltmeister im Langweilig Sein! Nochmal, die gewinnen jetzt die Wahl, obwohl sie als Partei vor Jahresfrist klinisch tot waren – und bitte nenne mir einen Grund was die seitdem Tolles geleistet haben? Wahl gewinnen durch nicht auffallen. Was haben wir über die Amis mit den Optionen Biden oder Trump gelacht. Germany: Hold My Beer – wir haben Laschet, Baerbock und Scholz! Ist doch irre.

Lulu: Mich stört oft, das es irgendwie so realitätsfremd ist. Es wird da über Themen diskutiert, die irgendwie egal sind, nur um von den wichtigen Dingen abzulenken. Warum isses Leuten denn wichtiger, schnell auf der Autobahn zu fahren, als ein funktionierendes Rentensystem zu haben? Es ist oft Propaganda ohne wirkliche Inhalte, die mich oder die Mehrheit der Leute wirklich betrifft. Ich möchte nicht mehr von realitätsfernen, alten Männern regiert werden, die sich profitgeil alles in die eigene Tasche wirtschaften und mir dann trotzdem erzählen, dass was ich mit meinem eigenen Körper anstellen darf und was nicht. Alte ekelhafte Säcke, die sich über 69 abgeschobene Flüchtlinge zum 69. Geburtstag freuen und Afghanistan zu einem sicheren Herkunftsland erklären und gleichzeitig Terroristen mit Waffen beliefern.

Henne: Sagen wir mal so, wenn ich jemand etwas verspreche, halte ich das auch. Politiker haben wohl eher nur den Machtanspruch und wenn dieser gesichert ist, sind Versprechen auch nicht mehr so wichtig.

16 Jahre Merkel gehen zu Ende. Was möchtest du ihr mit auf den Weg geben?

Jan. R.: Tatsächlich fand ich es cool von ihr, dass sie sich Ende März 2021 entschuldigt hatte, als es um die Rücknahme vom Oster-Lockdown ging oder was. Da hatte ich wirklich kurz das Gefühl, das ich lange nicht mehr hatte, so Motto „Wow! Die ist ein Mensch und kein komischer Ego-Roboter. Der scheint das irgendwie doch nahe zu gehen, was momentan passiert, es ist ihr nicht völlig egal“. Den Eindruck hatte ich sonst eigentlich kaum mehr bei Politiker*innen, da merkte man richtig, „die haben keinen Bock, sich mit Corona, Finanzkrisen o.ä. auseinanderzusetzen, ja, es scheint sie bei ihrer eigenen Karriereplanung richtiggehend zu stören“. Merkel ist konservativ und so hat sie regiert, d.h. größtenteils sah ich vieles ganz anders, aber dieses kurzzeitige Aufscheinen von „Leute, es tut mir leid, war mein Fehler, sorry“ fand ich ziemlich genial. Wäre toll, wenn sie weiterhin offen zu Fehlern steht.

Man darf auch nicht vergessen, wie es vor ihr in der CDU/CSU war, also wenn man das dann in Relation zu ihrer Amtszeit sieht… Ich denke da zum Beispiel an den „Sparfuchs“! Auch so einer, schön Spende in bar locker annehmen, aber dann anderen Ländern drastischste Sparmaßnahmen aufzwingen, es wäre eigentlich superlustig, wenn er nicht so eine große Macht hat, sehr vielen Menschen das Leben sehr schwer zu machen. Oder nimm Law-and-Order-Chief Manni! Meine zwei Lieblingsbücher ever sind das Buch zur Flick-Affäre Anfang der 80er von zwei Spiegel-Redakteuren – Die gekaufte Republik – und dann das Buch Helmut Kohl, die Macht und das Geld in den 2000er zu Kohl und der zweiten CDU-Spendenaffäre. Ich habe die zwei Bücher schon so oft gelesen und mich fasziniert immer noch jeder Satz aufs Neue. Es ist so krass, wie das alles abging, wie alle so wunderschön harmonisch sich gegenseitig beinahe völlig offen Kohle zuschoben. Und irgendwo dort stand, ich glaube bei dem Flick-Buch im Nachwort von Enzensberger oder Böll: „Alles, was die Linken immer kritisierten – Stichwort STAMOKAP, also die Politik im Dienste des Kapitals – stellte sich durch die Flick-Affäre als richtig dar, ja, in der Realität war es noch viel schlimmer“. Ich glaube, Merkel musste dann sehr viel aufräumen und hatte es nicht leicht. „Wir schaffen das“ fand ich auch gut, irgendwie auch krass, dass eine Selbstverständlichkeit – und genau das ist es ja, man nimmt Menschen auf, die vor dem Krieg flüchten, man schickt die nicht zurück, man muss sich doch helfen, meine Güte! – so eine Empörung hervorrief, besonders bei „christlichen“ Politiker*innen der CDU. Nächstenliebe? Ja, find ich auch gut, aber bei den Religionstypen gilt das IMMER NUR für deutsche heterosexuelle weiße Männer – der Rest, also die deutliche Mehrheit, hat weniger Rechte. Interessiert die nicht. Tolle Einstellung! Ignoranz der Menschheit im Namen der Nächstenliebe. Das bringt uns weiter! Vielleicht wird in 20 000 Jahren eine Frau so was wie eine stellvertretende Vize-Päpstin-Assistenz, sie darf dann für die 20 Chefs Kaffee kochen oder wäre das „zu früh“ mit der „Gender-Revolution“, „lieber noch bisken warten“.

Diana: Neulich hat jemand getwittert: „Ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin, für einen Mann als Bundeskanzlerin“. Das trifft es sehr gut. Auch wenn die CDU und ich in diesem Leben keine Freundinnen mehr werden, Angela Merkel wird mir fehlen. Ich war gerade von Zuhause ausgezogen und auf Wohnungssuche in Berlin, als sie die erste Frau an der deutschen Regierungsspitze wurde. Ich fand das richtig scheiße damals, ihre Partei war schließlich der Feind. Dennoch war die Signalwirkung für junge Frauen wie mich über all die Jahre immens. Klar, in Sachen Gleichstellung hat sie sich rückblickend nicht gerade mit Ruhm bekleckert – Müttern wird dank des Ehegattensplittings bis heute die Rückkehr in den Beruf erschwert, der Gender-Pay-Gap liegt noch immer bei 18 Prozent und die Kanzlerin hat immer wieder betont, keine Feministin zu sein. Dennoch hat sie 16 Jahre lang dem patriarchalen System getrotzt und etwas in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung von Frauen verändert. Frau Merkel im Amt der Kanzlerin? „Wir müssen die Kirche doch mal im Dorf lassen…“, amüsierte sich Gerhard Schröder damals in der Elefantenrunde. Männer können sich nicht vorstellen, wie es ist, in einer Welt aufzuwachsen, in der einem durch solche Nebensätze ständig unmissverständlich klargemacht wird, wo man aufgrund seines Geschlechts (nicht) hingehört. Wohin wir auch schauen, wird uns vor Augen geführt, dass Macht Männersache ist und dass Frauen, nicht-binäre und trans Personen sich mit weniger zufrieden geben müssen. Angela Merkel hat die Selbstwahrnehmung und die Einschätzung der eigenen Möglichkeiten vieler Frauen in unserer Gesellschaft nachhaltig verändert und dafür bin ich ihr dankbar. Dasselbe gilt für die Ruhe, Zuversicht und Standhaftigkeit, die sie in Krisenzeiten ausgestrahlt hat. Davon können sich viele ihrer männlichen Kollegen – unabhängig ihrer politischen Ausrichtung – eine Scheibe abschneiden. Ich wünsche ihr jedenfalls alles Gute.

Falk: Ich weiß gar nicht, ob ich Angela Merkel irgendetwas groß mitgeben will, außer dass ich froh bin, dass sie endlich weg ist. Was nicht einmal an der Person Merkel liegt. Die scheint privat, zumindest wirkt sie so auf mich, ganz sympathisch zu sein. Da hatte ich früher bei Helmut Kohl oder Gerhard Schröder größere Hassanwandlungen verspürt.

Ich möchte Angela Merkel dafür loben, dass sie Typen wie Roland Koch, Friedrich Merz oder Günther Oettinger verhindert hat und ebenso dafür, dass sie 2015 Menschlichkeit gezeigt und sich für eine Aufnahme der Schutzsuchenden ausgesprochen hat. Aber ich bin trotzdem froh, dass sie nun bald weg ist. Denn abseits davon ist in Deutschland nicht viel passiert. Merkels hohe Sympathiewerte haben verdeckt, dass sich ansonsten wenig in eine bessere, sozialere und ökologischere Richtung bewegt hat. Merkel stand dem Neoliberalismus immer näher als einer ausgewogenen Sozialpolitik. Unter ihrer Kanzlerschaft ist die Schere zwischen arm und reich noch weiter auseinandergegangen. Mittlerweile gehören den reichsten zehn Prozent zwei Drittel des Privatvermögens in Deutschland, während in den Innenstädten die Mietpreise in die Höhe schnellen und Normal- oder Geringverdienende sich das eigentlich nicht mehr leisten können. Sie hat es zugelassen, dass sich eine faschistische Partei wie die AfD etablieren konnte. Sie galt zwar als Klimakanzlerin, schaut man sich ihre Klimabilanz aber an, fällt die ziemlich verheerend aus. Sie hat einen Typen wie Andy Scheuer gewähren lassen, Horst Seehofer durfte fleißig in Länder wie Afghanistan abschieben, Hans-Georg Maaßen durfte unter ihr Verfassungsschutzpräsident werden, der vorgebliche Kampf gegen Rassismus und Neofaschismus war bloß ein Schaukampf, der Wille zur Aufklärung des NSU-Terrors oder der Entfernung von Neonazis aus Polizei und Militär nur vorgespielt. Das Gleiche gilt für die angebliche Bekämpfung der Fluchtursachen. Dieser Kampf wurde nie aufgenommen, stattdessen wird alles unternommen, Fluchtbewegungen zu unterbinden, selbst wenn man dann vor Faschisten wie Erdogan buckeln muss, und wenn das schon nicht klappt, dann lässt man die Menschen halt im Mittelmeer ersaufen. Dem viel beschworenen europäischen Gedanken hat sie einen Bärendienst erwiesen, als sie damals Schäuble erlaubte, dass Griechenland kaputt gespart wird. Hinzu kommen der massive Ausbau an Überwachung, das Afghanistan-Debakel und dass das Internet für diese Regierung noch immer Neuland ist, ist bezeichnend und erklärt, warum Deutschland in Sachen Digitalisierung so weit hinten dran liegt. Ach ja, dank der schwarzen Null gibt es einen riesigen Sanierungsstau bei der öffentlichen Infrastruktur. Vermutlich würden mir mit etwas Nachdenken noch weitere Punkte einfallen, aber ich denke, es wird klar, worauf ich hinaus will. Und ja, ich weiß, dass nicht alles an ihr persönlich lag, aber als Kanzlerin hat sie die Richtlinienkompetenz und damit das letzte Wort gehabt und es so laufen lassen, wie es gelaufen ist. Ich bin deshalb froh, dass sie bald weg ist.

Torsun: Merkel war jetzt 16 Jahre Lang die representative Menschverachtung mit menschlichem Antlitz. Das schaffte nur sie. Ihre nicht nur parteiintern möglichen Nachfolger:innen sind nur noch menschverachtend. Deswegen werden nicht wenige Menschen Frau Merkel zukünftig vermissen und das ist ihre große Lebensleistung und dementsprechen möchte ich ihr nichts weiter mit auf den Weg geben. Zumindest nichts Nettes oder so.

Jan Off: Angela Merkel erschien mir immer als Machtfigur mit menschlichem Antlitz. Aber natürlich können selbst empathische Politiker*innen in leitender Position den Sachzwängen des Systems nicht entkommen („Deutsche Arbeitsplätze first!“). Mit auf den Weg geben möchte ich Frau Merkel zwei Dinge: „Ruh Dich aus. Und nutz die Zeit, um Dich und Dein Handeln mal gründlich zu reflektieren. Es ist nie zu spät, sich der sozialen Revolution anzuschließen.“

Die Plastic Bomb Chefin

Ronja: Angela (ich sprech sie jetzt mal mit „du“ an, nach 16 Jahren sollte das drin sein) ich find ein paar Sachen ganz cool, die du gemacht hast. Dazu gehört aber garantiert NICHT, dass du 2015 mal kurz in die Kamera gemenschelt hast und hintenrum die Asylgesetze mit verschärft hast.

Ich finde auch, dass du vor allem in den letzten 4 Jahren, wo ja klar war, dass du bald in Rente gehst, deinen Kolleginnen aber vor allem die Typen, die dir unterstellt sind mal hättest richtig den Arsch versohlen können, statt immer die Ruhige, Besonnene und Freundliche zu spielen, in deren Reihen es keinen Streit gibt und die sich immer hinter ihre Leute stellt. Also mach dir in Rente ne schöne Zeit. Das ist das Einzige, was ich richtig geil an dir finde: Dass du jetzt in Würde abtrittst, statt dich an deinen Bürostuhl zu klammern. Das sollten mehr von euch so machen und nach Möglichkeit auch nicht erst nach 16 Jahren.

Thomas: Am Ende von Muttis Herrschaft muss ich gestehen, dass ich respektvoll auf sie zurückschaue. Es war mit Sicherheit nicht alles in meinem Sinne, aber sie hat sich in einer Männerwelt durchgesetzt und sich Respekt verschafft. Das nötigt mir Respekt ab.

Der Rauditum Mitchef

Ugly: Zuerst würde ich mich gerne bei ihr entschuldigen, denn anfänglich war sie für mich eine graue Marionette des Kapitals die die Politik der Bundesbirne bedingungslos kopieren würde. Eine Person ohne Persönlichkeit. Was sie ja auch im Kabinett Kohl war. Aber spätestens nach ihrem „wir schaffen das“ änderte sich meine Meinung, ihre Entscheidung Menschen auf der Flucht ein Asyl zu geben war unpopulär aber richtig. Und ich glaube das sie noch viel mehr Menschen aufnehmen wollte, aber sie gestoppt wurde. Ähnlich Obama und Guantanamo oder Obama und die Krankenversicherung. In meinen Augen ist Merkel in den 16 Jahren gewachsen und hat einen Weg für sich gefunden Politik zu machen ohne sich selbst ganz zu verraten. Angesichts der Kandidaten für das Amt des Bundeskanzlers befürchte ich Merkel vermissen zu werden oder und das ist die einzige Hoffnung die mir bleibt, der Gewinner der Wahl überrascht mich ähnlich positiv wie es Merkel in den 16 Jahren ihrer Amtszeit tat.

Ecke: Ich wünsche ihr nichts Schlechtes. Ich bin zu wenig Politikexperte, denke aber dass Frau Merkel die konservative Flanke ihrer Partei zu wenig bespielt hat, so dass man von Glück sagen kann, dass die AFD so viele komplette Idioten in ihren Reihen hat, um sie für enttäuschte Konservative wählbar zu machen. Ich will nicht wissen was wäre, wenn statt Gauland oder Höcke eine eloquentere Figur das Gesicht der AFD prägen würde. Stell dir nur mal einen rechten Gysi vor – witzig und charmant – das wäre katastrophal. Angela Merkels Rolle bezüglich Migration, Atomausstieg etc. wird man sicher erst in ein paar Jahren fair einordnen können.

Lulu: Sie hätte ruhig mal ein paar alte Männer wegboxen können.

Plüschi: Ja was soll ich zu Merkel sagen? Ich fand die Frau jahrelang furchtbar und musste ihr dann doch noch einen gewissen Respekt zollen was ihr menschliches Verhalten in der Flüchtlingskrise betraf. Allerdings hat sie natürlich maßgeblich mit ihrer Partei den jetzt hier regierenden Turbokapitalismus zusammen mit der Industrie und den Unternehmern vorangetrieben. Und ich finde man hätte durchaus Außenpolitisch mit der Türkei, Russland, USA härtere Töne anschlagen dürfen.

Henne: Das erinnert ein bisschen alles an Herrn Kohl (falls den noch jemand kennt), aber groß mit auf den Weg geben werd ich ihr nix, umgekehrt ist das ja auch nicht der Fall. Was die Vergangenheit betrifft, tja vieles hat mich nicht nur zu einem heftigen Kopfschütteln gebracht, sondern auch echt wütend gemacht. Vorallem auch die jüngste Vergangenheit bzgl. des Umgangs mit Afghanistan, hier wurden Menschen und vorallem Frauen und Familien einfach mal zum Sterben verurteilt … Hut ab so skrupellos muss man erstmal sein!

Welches Thema interessiert dich persönlich am meisten und inwiefern betrifft es dich?

Jan R.: Ich fand diesen „Fridays for Future“-Spruch so cool: „Es gibt keinen Planet B“. Das stimmt und wenn es so weitergeht, wie es momentan ist, dann ist in 100 Jahren alles im Arsch. Ich bin jetzt 43, ich glaube, ich werde es nicht mehr erleben, das alles untergeht, aber es ist irgendwie bezeichnend, dass ich kurz überlegen musste, ob es vielleicht nicht doch noch in meiner Zeitspanne passieren könnte, weil ändern wird sich ja nichts, ich würde mich wirklich freuen, wenn ich nicht recht habe. Hätte ich Kinder, ich glaube, ich hätte Angst um deren Zukunft. Es ist eh krass: früher galt das „Aufstiegsversprechen“. Für einige klappte das ja auch: streng dich an, kannste aufsteigen, Haus kaufen, zwei Autos, eine Familie gründen. „Meine Kinder werden es mal besser haben“. Aber heute? Werden es die Kinder, die ich nicht habe, besser haben? Ich glaube leider, die werden es schlechter haben. Und das ist krass, dass die Zukunft früher immer als hoffungsvoll empfunden wurde und heute schaut man ängstlich nach vorne. Also, ich will nicht rumdüstern, aber ich schaue wirklich sorgenvoll in die Zukunft. Und ich bin total privilegiert! Was sollen die vielen Menschen denken, die in Armut und Hunger leben? Schon bald muss man zahlen, dass man arbeiten gehen darf bzw. machen es ja viele heute längst schon, Stichwort Auszubildende, Praktikanten*innen und Aufstocker*innen. Ich hab nur noch eine kleine Hoffnung: vielleicht hat Andi am Ende noch ne coole Idee! Elektro-Geld-Internet-Freibier, wenn man fünf Hubschrauber besitzt, so was, der wird sich was einfallen lassen, was total teuer ist und niemanden hilft.

Diana: Als intersektionale Feministin setze ich mich mit verschiedenen Formen von Diskriminierung auseinander und fordere die Gleichbehandlung aller Menschen – unabhängig von Geschlecht, Geschlechtsidentität, Sexualität, Herkunft, Hautfarbe, Gesellschaftsschicht oder Behinderung. Als Frau bin ich logischerweise selbst von den sexistischen Strukturen in unserer Gesellschaft betroffen, weshalb mir diese besonders Herzen liegen. Allerdings bin ich mir auch der Tatsache bewusst, dass es zahlreiche Menschen gibt, die unter Mehrfachdiskriminierungen leiden und dementsprechend an verschiedenen Fronten Unterdrückung erfahren. Die Themen Klassismus, Flüchtlingspolitik und Klimaschutz spielen da natürlich mit rein. Aktuell ist mir außerdem die Corona-Politik sehr wichtig. Diese Pandemie betrifft uns alle – egal, wie viel Kohle wir haben, wie alt wir sind und wo unsere Interessen liegen. Für die meisten von uns ist es die erste Krise, der sich wirklich niemand entziehen kann und ich bin nach wie vor entsetzt, wie unsolidarisch sich viele Menschen im Alltag verhalten und wie sehr einige Bevölkerungsgruppen und Branchen von der Politik im Stich gelassen werden.

Falk: Das eine Thema, das für mich die herausragende Bedeutung hat, gibt bei dieser Wahl nicht. Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik, Umweltpolitik, Gesundheitspolitik, Außenpolitik, Innenpolitik, Digitalpolitik, das sind alle wichtige Bereiche, die sich auch nur schwer trennen lassen, da alles irgendwie mit allem zusammenhängt. Das Afghanistan-Debakel zum Beispiel wird über kurz oder lang sicher auch in steigenden Zahlen von Schutzsuchenden führen, die nach Europa wollen. Die nicht vorhandene oder gescheiterte Umwelt- und Klimapolitik merken wir ja schon jetzt durch höhere Durchschnittstemperaturen und einer Zunahme von Extremwetterereignissen und so weiter und so fort. Deshalb interessiert mich eher das Gesamtpaket als für einzelne Politikfelder.

Torsun: Verteilung des Reichtums von Oben nach unten (also Klassenkampf), der Kampf gegen jedwede Diskriminierung und Klimawandel sind Themen, die mich interessieren.

Jan Off: Mich interessiert vor allem das weltweite Erstarken populistischer Bewegungen, bzw. der Kampf gegen dieselben. Das drängende Thema der Zeit ist aber natürlich der Klimawandel. Da der wiederum von Populisten aller Couleur befeuert wird, ist der Widerstand gegen Bolsonaro und Konsorten bzw. der Widerstand gegen deren deutsche Pendants jedoch nicht minder wichtig.

Ronja: Du meinst die Wahlkampfthemen? Naja, betrifft ja eigentlich jede_n alles, oder? Wie welche Steuern verteilt werden, wofür welche Steuern ausgegeben werden. Und wie viel Geld dann noch für Jugendzentren, Kultur, Bildung usw ausgegeben wird. Oder wer in dieses Land kommen und hier bleiben kann betrifft mich auch, weil ich mich in Grund und Boden schäme wenn die Leute hier so tun, als wenn irgend ein Boot voll wäre, während die Leute wo anders umkommen.

Thomas: MEIN Thema ist der Klimawandel. Das ist tatsächlich das Einzige was mir Angst macht. Ich habe fast keinen Einfluss auf das Geschehen und muss zuschauen wie sich die Welt verändert. Das macht mir im Hinblick auf meine Kids Sorgen.

Ugly: Derzeit ist es der Antifaschismus auf allen Ebenen, da m. E. vom Rechtsradikalismus die größte Gefahr für unsere Gesellschaft ausgeht. Allerdings ist dies ja eher ein konservatives Thema, da es den Satus Quo erhalten soll. Leider sehe ich weder die Chance noch den Willen unsere Gesellschaft so umzubauen, dass es eine wirklich gerechte wird. Dazu wäre auch eine Politik fernab von nationalen Interessen nötig und dazu wiederum Internationale Parteien oder Bewegungen, welche nicht auf ein Thema wie z.B. den Umweltschutz begrenzt sind, sie müssten das Problem angehen das hinter 90% der Probleme steht, den Kapitalismus.

Concrete Ecke

Ecke: Tatsächlich die klassischen Arbeiter – „SPD“ Themen und die Gerechtigkeitsfragen: Löhne rauf und Steuern runter, gleiche Chancen für Alle, den Umgang von Staat und Gesellschaft mit den Big-Tech Firmen (schwieriges Thema), Religionskritik, Freiheit statt Sicherheit.

Lulu: Gleichberechtigung und Fairness auf allen Ebenen. Ob Tier- und Umweltschutz, Feminismus, faire Löhne und Mieten … sooo viel. Und natürlich auch der Umgang mit der Veranstaltungsbranche, Soloselbstständigen in den letzten Jahren. Es gibt wahnsinnig viele Themen, die mich beschäftigen. Ich will eine lebenswerte und zukunftsorientierte Welt, in der unsere Nachfolgegenerationen noch Luft zum Atmen haben, Respekt voreinander, der Umwelt und unseren Mitlebenwesen haben.

Plüschi aus der Alten Hackerei

Plüschi: Mich interessieren Themen wie Mietendeckel, Asylrecht und Zuzug, Klimapolitik, sozial Politik, Außenpolitik, Innenpolitik etc.

Henne: Das würde hier den Rahmen sprengen. Mich interessiert grundsätzlich alles, vor allem Ungerechtigkeiten und wenn es nur darum geht sich zu profilieren und die Taschen, die eh schon voll sind, noch voller zu stopfen. Ich glaube das uns mehr oder weniger auch fast alles betrifft und deshalb sollten wir immer die Augen und Ohren offen halten, und vor allem selbst auch mal eine Entscheidung treffen die unpopulär und nonkonform ist. Jeder sollte erstmal vor der eigenen Haustür kehren bevor die anderen an allem schuld sind. 

Identitätspolitik ist seit Längerem auch ein großes Thema. Wie ist deine Meinung dazu?

Jan R.: Ich muss zugeben, dass ich bei Identitätspolitik „von links“ längerer Zeit etwas auf dem Schlauch stand. Ich hab das Jahrelang fast ausschließlich als „Thema von rechts“ wahrgenommen, Stichwort „Die Identitären“. Ab und an bekam ich die Debatten von links mit – „Kulturelle Aneignung“, „Cricital whiteness“ usw. – und dachte eigentlich immer, das es nichts Neues ist, sondern Anti-Kolonialismus und Anti-Faschismus halt. Old school Einstellungen, die jetzt nur anders benannt wurden, wie das ja gerne mal alle paar Jahre passiert. Ich habe mich mit „linker Identitätspolitik“ erst in den letzten zwei drei Jahren auseinandergesetzt und noch keine abgeschlossene Meinung dazu. Sehr geholfen bei der Neukalibrierung hat mir dieses hübsche Einsteigerbüchlein Identität und Identitätspolitik.

Mein ganz persönlicher Eindruck ist, dass es grob gesagt sehr ähnlich wie die Entwicklung der PC-Debatte seit den 60er verläuft. Ende der 60er ging ja von Studenten*innen der Uni Berkely das „Free Speech Movement“ aus. Die Studis wollten statt der „Dead white Males“ auch (aktuelle) afroamerikanische Theoretikerinnen in den Geisteswissenschaften lernen. Coole Sache! Ende der 80er gab es dann die ersten deutlichen Versuche von rechts, „PC“ zu diskreditieren. Und ganz aktuell heißt PC nun Identitätspolitik bzw. „woke“? Auch hier muss ich noch viel lesen und mehr Leute treffen, die da schon viel weiter sind, weil sie sich schon ganz lange mit diesen Themen beschäftigten. Diedrich Diedrichsen schrieb in den 90er das mal ganz toll auf, wie dieser PC-Diskurs verlief (in seinem Buch politische Korrekturen), dazu gab er auch neulich ein sehr cooles Interview („Früher sagte Harald Schmidt jeden Abend das N-Wort) – und mir kommt das mit dem Streit um Identitätspolitik ähnlich vor. Ein Kumpel – Henne von Koyaanisqatsi und Doertebeker – sagte zu „PC“ mal was richtiges (wie ich finde) in meinem Trust Interview „PC wurde in der Szene ja auch von so hyper-korrekten Leuten verwendet, um anderen ein vermeintliches Fehlverhalten vorzuwerfen oder eben von politisch uninteressierten Leuten, um politisch aktive Leute als Spaßbremsen darzustellen. Albern. Ich finde, es ging und geht darum, ´ne politische Haltung zu entwickeln, zu diskutieren und die Stimme zu erheben und nicht, sich als „was Besseres“ von anderen abzugrenzen“. Mehr fällt mir zu Identitätspolitik nicht ein bzw. vielleicht noch, dass es oft besser ist, miteinander zu sprechen als übereinander. Man kann doch auch streiten, kann ruhig auch krass werden. Aber am coolsten wäre es doch, wenn wir am End´ alle in irgendeiner Form zusammenstehen würden, trotz aller Differenzen. Nenn´s Hippie-Unity-Mist, stimmt vielleicht auch, aber am Ende sind wir doch alle nur Menschen „on the same list“, wir sind alle gleich, weil wir eben alle verschiedenen sind. Ich muss da immer an „It´s like that“ von RUN DMC denken: „Here’s another point in life you should not miss. Do not be a fool who’s prejudice. Because we’re all written down on the same list. It’s like that and that’s the way it is“.

Viele Debatten und immer die Ziele – Gleichberechtigung, Teilhabe aller am Diskurs –find ich auf jeden Fall 1a. Und der Gedanke, dass Geschlechter konstruiert sind, der ist doch auch sehr cool. Dann wiederrum, auch allgemein gesagt: man kann es mit allem übertreiben und manchmal sind es etwas zu abenteuerliche Diskussionen, ich find mich in den für mich zu extremen Spektren der Debatten – „Dreadlock-Träger sind rechts“ – auch nicht wieder. Also: Identitätspolitik von links ist prinzipiell ne coole Sache, Feminismus eh super, Diversität hilft uns allen. Nur manchmal geht’s – auch wenn´s gut gemeint ist – auch zu weit, finde ich. Wissen tun wir das alle, nur vergisst man das manchmal im Eifer des Gefechts, dann werden Worte auf die berühmte Goldwaage gelegt, jahrelange Freundschaften zerbrechen wegen „Politik“, mein Gott, wie sagten es CRASS doch: „Fuck the politically minded“… Well, ich weiß es nicht, ich würde mir nur wünschen, dass wir mehr zusammen statt gegeneinander sind.

Eins finde ich aber wirklich peinlich, weil, das ist so lächerlich, es ist so einfach: gendern ist ganz leicht! Jeder kann das und jeder sollte das mehr nutzen, finde ich, und ja ok, ich stelle mich da selber auch erst seit kurzem um. Nun ja, gut, für die ganzen Honks ist das natürlich total „komplex“, man kennt das von denen ja, die wundern sich ja auch nachts, dass es nicht hell ist – und wer ist dann schuld? Natürlich – wie immer – die verdammten afroamerikanischen atheistischen kommunistischen Vegan-Trans-Lesben mit ihrer fucking Gender-Kulturmarxismus-Diktatur!
Ich muss mir da immer an die Stirn hauen und denken „Mann Mann Mann, es gibt sechs Milliarden Menschen. Drei Milliarden davon sind Frauen. Die wollen die gleichen Rechte wie die Männer. Weil die Männer natürlich nicht freiwillig ihre Macht abgeben, müssen sie durch Quoten dazu gezwungen werden. Dann wird auch das Thema in vielleicht 100 Jahren auch durch sein – wenn der Planet A noch da ist“. Wie gesagt, Andi wird sicherlich dazu noch eine App entwickeln.

Diana: Puh, das ist ein weit gefasstes Thema. Zunächst einmal muss da natürlich zwischen rechter und linker Identitätspolitik unterschieden werden. Aber ich gehe mal davon aus, dass du auf letztere anspielst. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass das Private politisch ist und dass das Sichtbarmachen von Diskriminierungserfahrungen wichtige politische Debatten anstoßen kann, an denen es ab einem gewissen Punkt auch für Politer*innen kein Vorbei mehr gibt. Die #MeToo- und die #BlackLivesMatter-Bewegung sind gute Beispiele für den Schneeballeffekt, der dabei eintreten und auf gesamtgesellschaftliche Missstände aufmerksam machen kann. Egal, ob es sich um Sexismus, Rassismus oder Ableismus handelt – wer kann sich besser für die Anliegen Betroffener einsetzen als sie selbst? Das heißt jedoch nicht, dass sie dabei keine Unterstützung benötigen. Meines Erachtens hat Identitätspolitik viel mit Fingerspitzengefühl zu tun. Ich kann People of Color als weiße Frau supporten, indem ich ihnen zuhöre, mit ihnen demonstrieren gehe und einschreite, wenn ich Zeugin von rassistischem Handeln werde. Aber ich kann nicht für sie sprechen, weil ich ihre Erfahrungen niemals teilen und nachempfinden werde. Dasselbe gilt für männliche Verbündete im Kampf gegen Sexismus. Es tut gut, sie an meiner Seite zu wissen, aber ich will mir von ihnen nicht mansplainen lassen, wo sexuelle Belästigung anfängt und was ich selbst dagegen tun könnte.

Falk: Als jemand, der in einer Welt ohne Sexismus und Rassismus leben möchte, in der alle so sein können, wie sie sind und wie sie wollen, ohne dadurch marginalisiert zu werden, finde ich Identitätspolitik grundsätzlich gut, wenn sie dazu genutzt wird, die bestehenden Verhältnisse umzuwerfen und Gleichberechtigung und ein besseres Leben für alle zu erkämpfen. Wird sie allerdings dazu genutzt, den Universalismus zu bekämpfen und Menschen ausschließlich auf bestimmte Merkmale zu reduzieren, wird sie schnell repressiv statt emanzipativ. Diese Form der Identitätspolitik lehne ich ab.

Torsun: Klar, Identitätspolitik ist Bullshit, aber mit dem Verweis darauf wird gerade alles Mögliche, also auch viele gute und Nötige Einwände, abgebügelt. Am Ende bleiben oft weiße, alte Typen übrig, die sich in den Zuständen irgendwie bequem eingerichtet haben und Angst vor Veränderungen haben, die ihre Privilegien gefährden könnten. Das kann man übrigens auch ganz hervorragend in der Punkszene, in der wir uns tummeln, beobachten.

Da bleib ich doch lieber offen und neugierig und versuche täglich, dazuzulernen. Ich möchte nämlich auch als alter Sack lieber Teil der Lösung als des Problems sein.

Jan Off: Identitätspolitik greift Missstände auf, die unbedingt benannt werden wollen, treibt dabei aber zuweilen auch skurrile Blüten. Ich sehe hier Parallelen zu den Anfängen der Antideutschen. Auch dort war mir bei aller Berechtigung in der Sache häufig zu viel Eifer im Spiel. Am Ende wird aber sicherlich auch in Sachen Identitätspolitik das gute, alte Motto zum Tragen kommen, das da lautet „zwei Schritte vor, einen zurück“, sprich: ein entspanntes Eingrooven stattfinden.

Ronja: Also, als Person, die sich seit vielen Jahren in der Punkszene rumtreibt, wo jede und jeder denkt, dass man wahnsinnig individuell ist, dass man ganz andere Ansichten, Bedürfnisse und Leiden hat als bürgerliche Menschen frage ich mich, warum man sich mit der Identitätsdebatte so schwer tut. Wo wir als Sonderlinge das doch immer so gern in Anspruch nehmen.

Ich maße es mir nicht an zu entscheiden, wer mit Recht darauf hinweist, dass die eigene Persönlichkeit unterdrückt wird. Und wer zu diesen sogenannten „skurrilen Minderheiten“ gehört, die sich angeblich nur wichtig machen wollen.

Grundsätzlich beobachte ich, dass „weiß, männlich, hetero, erwachsen“ noch immer als Norm gesehen wird. Und alles, was davon abweicht und auch noch darauf hinweist, dass es nicht schön ist, wenn die eigene „Normabweichung“ ständig zum Problem gemacht wird, ungern gesehen werden, unbequem ist und dann halt als „Identitätsdebatte“ runter gespielt wird.

Thomas: Im Grunde genommen ist dieses Thema genauso wichtig wie alle anderen Themen. Ich persönlich finde, dass manches zu stark aufgebauscht wird und sich Einzelne zu wichtig nehmen. Keine Frage, alles ist wichtig und wenn da nur 20 Leute dahinter stehen ist das genauso wichtig, als wenn da 10000 dahinter stehen, aber es fängt mich ab dem Moment zu stören an, wo ich gezwungen bin eine Position zu beziehen, wo ich vielleicht gar keine Meinung dazu habe. Ich betrachte vieles als Selbstverständlichkeit. Frauen behandle ich wie alle anderen Menschen auch. Menschen mit dunkler Hautfarbe sind für mich keine N……

Behinderte, Flüchtlinge, Transsexuelle, sprachlich gewandte Genderinnen usw… werden von mir wahrgenommen aber nicht besonders behandelt.

Ugly: Es sind Nebenschauplätze mit denen nur kleineren Bevölkerungsgruppen geholfen werden könnte. Man kann sein Geschlecht jetzt auch divers definieren, aber im Mittelmeer ersaufen immer noch Kinder, in Afrika werden Frauen immernoch beschnitten und die deutsche Rüstungsindustrie macht immer noch Rekordumsätze. Manchmal kommt es mir so vor als sei diese Politik ein Feigenblatt, das kaschieren soll welche Interessen hinter der deutschen Politik stehen. Die Politik gibt vor im Interesse auch kleinerer Bevölkerungsgruppen zu handeln, was sie tut solange die Entscheidungen nicht das Herschaftssystem betreffen. Für mich sind Diskriminierung und soziale Ungleichheit Bestandteile kapitalistischer Politik, einer Politik die ausgrenzt um das Wir-Gefühl zu schaffen, dem aber immer ein „Die“ der Ausgegrenzten gegenüber steht. Es kann keine Gerechtigkeit in einem kapitalistischen System geben, daher ist Gerechtigkeit auch nicht Interesse von Parteien im Kapitalismus. Diese Zugeständnisse sind Brotkrümmel die verhindern sollen die Bäckerei zu verlieren, wir sollten aber die Bäckerei besitzen um die Brote gerecht verteilen zu können.

Ecke: Schau bei Social Media, bei Twitter oder Facebook rein, es ist irre wie die Leute in ihren Bubbles verschwinden, Leute blockieren, nicht mehr zuhören wollen und wie kleine Kinder in ihren selbstgebauten Trutzburgen verschwinden. Da findet gar kein Meinungs- und Ideenaustausch mehr statt. Und das ist doch aber das Wesen der Politik. Will man eine offene Gesellschaft oder nicht? Bin gespannt wie sich unsere Gesellschaft entwickelt, wenn einige Leute anderen das Recht sich zu äußern absprechen wollen, nur weil ein sogenannter alter weißer Mann ein Argument gebracht hat oder wenn religiöse Gruppen auch hier Frauen das Recht absprechen sich zu kleiden wie sie wollen. Vielleicht gibt sich das auch wieder, es hat ja alles langsam Ausmaße wie bei South Park. Ich finde es zum kotzen.

Plüschi: Ehrlich gesagt habe ich mich nicht mit Idenditäts Politik beschäftigt und habe im Moment keine Meinung dazu. Natürlich finde ich rechte Idenditätspolitik Scheiße!

Henne: Menschen in Gruppen einzuteilen und diese zu bevorteilen im Gegensatz zu anderen Menschen, ist ja bei weitem kein neues Konzept, es wird nur gerade neu verpackt und ein bisschen Gesellschaftsfähiger versucht anzubieten. Wir sollten wissen, dass keine Gruppe einer anderen vorzuziehen ist, dass wir versuchen sollten uns gegenseitig zu unterstützen und auch mal von unserem Standpunkt abweichen sollten, damit niemand auf der Strecke bleibt!

An vielen Stellen wird gesagt, die Wahl im September wird eine Richtungswahl in punkto Umweltschutz und Klimawandel sein. Also entweder mit vollem Tempo an die Wand rasen oder der Versuch mit angezogener Handbremse doch nur so gegen die Wand zu klatschen, dass man es überlebt. Wie stehst du dazu?

Diana: Was soll ich dazu noch sagen? Zeit meines Lebens ist vom Klimawandel und den katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt die Rede. Und genauso lange wurde es auf politischer Ebene ausgesessen und so getan, als würde sich das Problem irgendwann von selbst lösen. Die immer schlimmer werdenden Waldbrände, Stürme und Hochwasserkatastrophen zeigen doch, dass der von dir beschriebene Aufprall bereits in vollem Gange ist. Die Bilder aus den Nachrichten sehen längst wie Szenen eines Endzeitfilms aus den Neunzigerjahren aus. Natürlich bin ich dafür, endlich zu handeln und die Konsequenzen für den menschengemachten Klimanotstand zu tragen. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass alles, was wir jetzt tun, nur noch Schadensbegrenzung sein wird. Denn Greta hat recht: Unser Haus steht schon lange in Flammen.

Falk: Ja, davon habe ich auch schon gehört. Hier zeigt sich mal wieder die typische deutsche Selbstüberschätzung. Es ist gut, wenn die künftige Bundesregierung den Klimawandel als das begreift, was er ist: nämlich eine große Katastrophe, die mittel- bis langfristig unsere Existenz infrage stellt. Aber selbst wenn die Grünen mit einer Zweidrittelmehrheit die Bundestagswahl gewinnen würden, wäre der Klimawandel dadurch nicht gestoppt. Wirklich entscheidend ist vielmehr, was die chinesische KP in Sachen Klimaschutz plant und umsetzt und wie in den USA nächstes Jahr die Senatswahlen und 2024 die nächste Präsidentschaftswahl ausgehen. Haben wir Pech und Trumps Lakaien erringen die Mehrheit im Senat und bei der Präsidentenwahl gewinnt Trump oder einer seiner Gefolgsleute, können wir unsere Hoffnung direkt begraben. Aber selbst wenn die Republikaner nicht gewinnen und die chinesische KP einen Fünf-Jahres-Plan zur Klimarettung verabschieden sollte, habe ich keine große Hoffnung, dass das Schlimmste verhindert werden kann. No Future is back!

Torsun: Der Kapitalismus, also ein System, das auf Wachstum basiert, wird den Klimawandel nicht aufhalten können. Wie oben schon erwähnt, wähle ich vermutlich diesmal mit, um zumindest zu versuchen, die Entwicklung der Zerstörung zu bremse und uns so zumindest etwas Zeit zu verschaffen.

Jan Off: Solange in Deutschland Kreuzfahrtschiffe gebaut werden, die sogar mit einer Eislaufbahn ausgestattet sind, scheint mir die Frage, ob Baerbock oder Laschet reichlich egal.

Ronja: Ich glaube grade hier in den reichen Ländern müssen die Menschen dringend verstehen, dass unser Lebensstil komplett auf Kosten anderer Menschen, Tiere und vor allem nachfolgender Generationen stattfindet. Wir leben hier seit vielen Jahren auf Pump. Die Rohstoffe die wir verheizen gibt es in der gewünschten Menge nicht mehr lange, das System funktioniert einfach nicht. Und selbst wenn es seit ein paar Jahren und noch für ein paar Jahre funktioniert: Es funktioniert nur für ein paar Länder bzw Menschen auf dieser Welt. Der Rest zahlt unsere Zeche. Klar ist diese Wahl ein kleiner Spiegel, ob die Menschen in Dland grundsätzlich bereit sind, das einzusehen. Zumindest ein kleines bisschen. Oder ob man weiter die Augen zumacht und sich ganz fest einredet, dass dieses Verhalten einem irgendwie zusteht.

Thomas: Ich glaube nicht mehr an einen Wandel. Ich erwarte das Schlimmste.

Ugly: Erst wenn Umweltschutz profitabler ist als Umweltverschmutzung wird sich dahingehend etwas ändern. Und ähnlich wie mit der derzeitigen Pandemie, ist die Umweltverschmutzung ein globales Problem, wenn wir in Deutschland eine Umweltfreundliche Politik etablieren ist das Problem nicht beseitigt. Deutsche Firmen werden dann wie jetzt schon in Ländern produzieren in denen sie ihren Maximalprofit halten oder ausbauen können. Es wäre auch noch der Tropfen auf dem heißen Stein, wenn in Deutschland nur noch Klimaneutrale Produkte verkauft werden dürften, wir sind 80 Millionen von 6 Milliarden Menschen auf der Erde. Ich neige dazu mich in solchen Momenten darüber zu freuen auf Grund meines fortgeschrittenen Alters nicht mehr allzu lang auf diesem Planeten verweilen zu müssen, denn der Karren fährt gegen die Wand und das Leben wird kein lebenswerteres werden. Schon zu Beginn der industriellen Revolution wurde vor den Auswirkungen auf die Umwelt gewarnt, 200 Jahre war das Hemd näher als die Hose, ich denke nicht das sich das ändern wird und selbst wenn dem so sei, habe ich nicht wirklich die Hoffnung das wir die globale Erwärmung stoppen könnten.

Ecke: Ja das wird so gesagt. Ich denke ganz realistisch ist die Wahl hier relativ unbedeutend für das Weltklima und globalen Umweltschutz, solange große Teile der Welt einen Fick auf diese Themen geben. Ich bin da sehr pessimistisch. Wenn die sogenannte 2. und 3. Welt auf unser Wohlstandsniveau kommen will, werden die Menschen da eben Energie brauchen und höchstwahrscheinlich auf althergebrachte und preiswerte Methoden zurückgreifen, wer mag es ihnen auch verdenken. Ich bin schwer dafür umweltfreundliche Technologien und Innovationen zu fördern und bis zum geht nicht mehr zu puschen, halte es aber für illusorisch, dass Deutschland mit Lastenfahrrad statt Kleintransporter oder purem Verzicht die Welt retten wird. Denke eher das wird alles weiter mit Vollgas an die Wand fahren, egal wer bei uns in der Regierung sitzt.

Lulu, die Königin der Crackhuren

Lulu: Ein Richtungswechsel muss jetzt stattfinden, wir kommen da nicht drumrum. Ich kann dazu nicht mehr sagen außer: die CDU muss weg. Ob es dann besser wird: who knows! Aber versuchen müssen wir es. Was sollte sich an Politik im Allgemeinen ändern? Politik muss jünger und zukunftsorientierter werden. Aktuell wird in die Vergangenheit und in die immer gleichen Taschen gewirtschaftet.

Plüschi: Klimaschutz ist eine schwierige Sache. Ich denke das E-Auto ist absolut nicht das Maß der Dinge. Ich sehe auch, dass bei der Klimapolitik viele Geringverdiener wieder zur Kasse gebeten werden und die Industrie relativ ungeschoren davon kommt. Auf der anderen Seite muss man jetzt irgendwie Vollgas geben, aber dann sollte man meine Meinung nach nicht nur beim Konsument anfangen. Güterverkehr, Personenverkehr, etc., was geht auf die Schiene usw., usw. …

Henne: Deutschland ist ein hochindustrialiesierter Staat, hier ziehen nicht die Politiker die Strippen sondern Konzernbosse und Aktionäre. Somit wird die Klimapolitik schön aufgehübscht, aber bestimmt nicht zielführend sein!

Was sollte sich an Politik im Allgemeinen ändern?

Jan R.: Zu dem Thema Reformen des politischen Systems sind so viele gute Bücher zu geschrieben wurden, von Wissenschaftlern, die Jahre dazu geforscht haben. Bestes Beispiel fand ich vor einiger Zeit das Buch von dem Soziologen Stefan Lessenich, Nach uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis.

Er sagt im Prinzip, dass die Gewinne privatisiert (oder internalisiert) sind auf den reichen Norden und die Verluste sozialisiert, also auf den Rest der Welt ausgelagert werden und er schlägt diverse Verbesserungen vor. Auf der Mikro-Ebene sieht man dieses Prinzip der Marktwirtschaft ja immer wieder gut, Karl Marx stellte das als erster fest: er bezeichnete das ja als Wesensmerkmal der „kapitalistischen Gesellschaft“ und ich fand das ziemlich gut beobachtet, er hat auch viel Mist geschrieben (finde ich), aber das ist gut: die Gewinne werden privat angeeignet, die Verluste sozialisiert. Zahlt eine Firma, wenn ihre LKWs die Straßen kaputtmachen? Nein. Das zahlen „wir“. Kriegen „wir“ aber auch dann die Gewinne aus den LKW-Lieferrungen? Nein, das kriegen „die“. Wir subventionieren die! Und so weiter.
Es sind immer andere Begriffe für mögliche Utopien, oft läuft es aber auf das gleiche hinaus, eine Art „Humanistische Wirtschaftsdemokratie“ oder „internet-gestützte Rätedemokratie“ hinaus, soziale Gerechtigkeit einfach. Solche Wissenschaftler wie Lessenich haben oft coole Gedanken, wie es für alle – und für die Tiere – auf der Welt viel besser laufen könnte. Diese Experten*innen würde ich viel mehr mit einbeziehen. Und was ganz einfaches noch: die, die Reformen betreffen, die sollen mitentscheiden. Schlechtestes Beispiel: die HARTZ-Kommission: da saßen sie „alle“: Gewerkschaft. Arbeitgeber. Politik. Berater. Aber kein einziger Arbeitsloser, kein einziger von denen, die es doch betrifft. Hätten die nicht auch ein paar wertvolle Gedanken gehabt? Wissen die nicht auch, wo es brennt und was man besser machen könnte?

Diana: Der Sturz des Patriarchats wäre ein Anfang.

Falk: Das Wohl der Gesellschaft sollte an erster Stelle und als Ziel hinter jedem politischen Handeln stehen. Nur wenn die Frage: “Kommt dieses Gesetz, kommt diese Politik dem Gemeinwohl zugute”, mit “Ja” beantwortet werden kann, sollte das Gesetz verabschiedet und umgesetzt werden. Wenn dieser Grundsatz gelten würde, wären vieler unserer Probleme gelöst.

Torsun: Der Kapitalismus muss schnellst möglich abgeschafft werden.

Jan Off: Es bräuchte eine weltweite Umverteilung an Gütern. Es bräuchte längerfristig das Verschwinden der Nationen (der Klimawandel wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nur durch eine Weltregierung stoppen lassen). Es bräuchte bei denjenigen, denen die Kohle nach wie vor locker sitzt, eine radikale Umkehr in Sachen Konsumverhalten. Es bräuchte ein massives Schrumpfen der Gattung Mensch (7,8 Milliarden sind deutlich zu viel). Und es bräuchte ein Umdenken, was die Lohnpolitik angeht. Zeit, also Freizeit sollte hier der maßgebliche Faktor werden. Je dreckiger, je freudloser der Job, desto höher die Anzahl der Urlaubstage.

Ronja: Also…Politisch ist ja so ziemlich alles. Was man macht, was man kauft, was man sagt. Je privilegierter man ist desto frecher ist es zu sagen „das betrifft jetzt nur mich, das ist meine Privatsache, das hat keine Auswirkungen auf Andere“. Grundsätzlich könnten sich die Menschen mal an ihre selbst gefassten und oft formulierten eigenen Prinzipien halten und danach handeln, das würde schon viel helfen. Auch in der „großen“ Parteipolitik.

Thomas: Fähige Leute sollten einen guten Job machen. Merkste was? 2 Widersprüche in einem Satz.

Ugly: Zum einen muss Politik in einer globalisierten Welt anfangen global zu denken und zu handeln. Nationale Politik hat keine Wirkung auf das Handeln von multinationalen Konzernen. Die EU war ein guter Gedanke, leider auch nicht mehr. Politik muss international vernetzt handeln um nicht zu verpuffen. Derzeit schafft es sogar ein kontinentaler Zusammenschluss von Ballspielerverbänden seine Interessen gegen die Politik einzelner Nationen durchzusetzen. Was Politik zur Farce macht. Zum anderen muss im Mittelpunkt politischen Handelns das Allgemeinwohl stehen, auch gegen die Allgemeinheit, denn nicht immer weiß die Allgemein was für sie das Richtige ist. Was Trump in jüngster Zeit bewies und für das Hitler das verherendste Beispiel ist. Ich erwarte, nein ich verlange von Politik auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen wenn sie es für richtig empfinden. Dem Wähler nach dem Maul zu reden dient nur einem und das ist im seltensten Fall das Allgemeinwohl.

Ecke: Ich würde es begrüßen wenn es wieder mehr Menschen in der Politik gäbe, die eben nicht ausschließlich Karriere als „Parteisoldat/in“ gemacht haben: Parteijugendorganisation, Studium, Listenplatz und dann hat man die Schäfchen im Trockenen, na herrlich, warum soll man da anecken? Ich meine klar, auch mit einer solchen Laufbahn kann man sicher Politik machen, aber es ist halt total eindimensional und als Querkopf spült es einen eher nicht nach oben. Vielleicht sollte man auch eine Kanzlerschaft auch auf nur 2 Legislaturperioden begrenzen um Verkrustungen zu vermeiden. Gute Leute gehen immer seltener in die Politik.

Plüschi: Im allgemeinen sollten Politiker sich mit den Realitäten und tatsächlichen Begebenheiten auseinandersetzen und sozial gerecht Regieren. Der Turbokapitalismus hat keine Zukunft und das ein geringer Teil der Bevölkerung über mehr Ressourcen verfügt als die Mehrheit ist ein Unding.

Läufer Henne

Henne: Es müsste sich schon mehr ändern als nur die Politik. Deutschland hat einen Wandel seit Jahrzehnten verschlafen, es sitzen in den Chefetagen Menschen, die gewinnorientierte Entscheidungen fällen, gegen Umwelt, Mensch und Tier. Solange der Profit im Vordergrund steht, ist es eine Illusion zu glauben es wird sich was ändern oder wir schaffen das. Nicht davon wird passieren und Politik ist hierzu ein Mittel zum Zweck! 

And now for something completely different: Was für’n Shirt hast du an? Beschreib‘ mal bitte.

Jan R.: Schwarzes T-Shirt. Was mich an den alten Witz von nem Kumpel erinnert: er gab wirklich mal Anfang der 90er eine gefakte Kontaktanzeige in nem Metal Zine auf: „Hab dich gesehen auf dem Slayer-Konzert in Dortmund, du hattest ein schwarzes T-Shirt an, Jeans und lange Haare. Bitte melde dich, ich möchte dich wiedersehen!“. Und zwei meldeten sich sogar. Wie schön ist doch das Leben, wir können täglich einen heben!

Diana: Deutsche Laichen: My Cunt. My Business.

Falk: Während ich diese Zeilen tippe, trage ich ein altes Band-Shirt der französischen Punkband Neurotic Swingers. Das T-Shirt ist schwarz und auf Brusthöhe ist der Schriftzug der Band gedruckt. Die Band ist großartig! Ich habe die Anfang/Mitte der 2000er ein paar Mal gesehen und mir auf einem der Konzerte das Shirt gekauft.

Torsun: Gerade im Moment trage ich das Hammerhead-Shirt, im oldschool Kommunismus-Style, also den Hammerkopf in Uniform mit rotem Stern auf der Mütze.

Jan Off: Ich beantworte Interviewfragen prinzipiell nackt. Möglicherweise ein Grund, warum ich so selten ins Fernsehen eingeladen werde.

Ronja: Hö? Was ist das denn für ne Frage? Haha, na gut: Schwarzes Disfear Bandshirt ohne Ärmel…is ja offiziell noch Sommer.

Thomas: Shirt von HOODS. Punks dead, Emo kids next. Schwarzes Shirt mit rotem Druck. Auf meiner Unterhose sind Avocados abgedruckt. Socken…keine.

Ugly: Es ist 23:15, einen gestreiften Pyjama!

Ecke: Ich sitze ganz stylisch mit einem guten alten Sloppy Seconds Shirt hier.

Lulu: Ich hab nen Shirt mit einer Taube drauf an. Ich liebe Tauben. Tauben haben keine Lobby. Der Mensch hat sich dieses Tier genommen, es domestiziert, ihm viele Dinge angezüchtet mit dem es in der freien Wildbahn nicht lebensfähig ist und hat es jetzt verstoßen. Ist für mich irgendwie ein Sinnbild für so vieles.

Plüschi: Ich trage ein schwarzes Shirt mit einem Totenkopf mit Flügeln und unter diesem Prangern die Lettern der fantastischen HC Punk Kapelle: DOA

Henne: Gerade UNEARTH…The March World Tour 2009, schwarzes Shirt mit so Metalgedöns drauf.


Jo, dann hoffe ich, dass möglichst viele bis hierher gelesen haben und auch spätestens bis 26. September ihre Stimme abgeben. Denn Nichtwählen ist definitiv die No-Go-Option. Wieso, weshalb, warum wurde oben mehrfach erklärt.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit und damit gebe ich zurück an die Redaktion.

Bocky
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