Punk in Prague – Photo Book 1990-2018

DAs hätte richtig gut werden können

Mein letzter Prag-Trip ist schon eine ganze Weile her, fällt aber durchaus in den Zeitraum, in dem die Bilder dieses Buchs entstanden sind. Dem Internet nach muss das Anfang Sommer 2000 gewesen sein. Oha, das ist ja wirklich schon ewig her, wenn ich bedenke, dass ich jetzt seit fast zwei Jahrzehnten in regelmäßigen Abständen sage, dass ich da wieder mal hin will …

An zwei Orte dort kann ich mich noch sehr gut erinnern. Der eine war das besetzte Haus Ladronka. Bzw. war das viel weniger ein Haus als ein komplettes hofartiges Anwesen. Also ein Komplex von Häusern, in dessen Mitte es einen Innenhof gab. Das fand ich damals ziemlich beeindruckend, wie wir zu viert den Hügel zu dem freistehenden Squat liefen und nicht richtig wussten was uns dort erwartet. Außer, dass an dem Abend Klasse Kriminale und eine Skaband aus Göttingen (nein, leider nicht No Respect) spielten, weiß ich bloß noch, dass ich bis dahin noch nie auf einem Konzert mit so vielen Skins war. Das müssten so um die 200 Personen gewesen sein, von denen ein Großteil nach der Show Autogramme haben wollten. Stimmt, auch das hinterlies einen bleibenden Eindruck bei mir, da ich mich zu der Zeit ausschließich in DIY-Kreisen bewegte und das völlig Panne fand. Heute verstehe ich sowas zwar immernoch nicht, aber sollen die Leute halt machen. Schade ist, dass es das Squat gar nicht mehr gibt. Kein halbes Jahr nach meinem Besuch wurde der Squat Ladronka geräumt.

Den zweiten Schuppen gibt es nach wie vor und der hat mittlerweile Kultstatus. Die Rede ist vom 007, der dieses Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Richtig gelesen, ich musste bei der Recherche auch ganz schön staunen. Weil das heißt ja, dass es die zur Institution gewordene Einrichtung schon während dem kalten Krieg gab! Wow, hoffentlich folgt da auch ein Buch.

Jedenfalls war ich da damals auch auf einem Konzert, bloß daran kann ich mich wirklich überhaupt nicht mehr erinnern. Nur von zwei bis drei Distros habe ich noch Bilder im Kopf, wie ich relativ gelangweilt davor stehe und dachte, dass deren Angebot fast identlisch war, mit den Dingen, die zu dem Zeitpunkt auch in Schland erhältlich waren.

Trotzdem habe ich den Abend nicht schlecht in Erinnerung. Wieso auch, das eine muss ja mit dem anderen nichts zu tun haben.

Auf das Buch Punk in Prague kommend, bin ich von dem etwas enttäuscht. Von der Aufmachung her ist es ziemlich toll, weil es ein Hardcover hat und entsprechend gut in der Hand liegt. Doch das sind auch schon die dicksten Pluspunkte, die der Bildband von mir bekommt. Denn im Buch blättert man von 1990 beginnend bis 2018 chronologisch durch weit über tausend Fotos, bei denen die Bildunterschrift lediglich verraten wer da zu sehen ist und wo. Da hatte ich mir tatsächlich mehr erwartet. Bei insgesamt 29 Jahren hatte ich so etwas wie einen Szenereport erhofft. Auch wenn der nur extrem subjektiv wäre, hätte das einen äußerst hohen Mehrwert und wäre ein großartiges Zeitdokument. So finde ich das ganz schön wenig. Denn Band- und Partybilder ohne jegliche wirkliche Information kann heutzutage jeder bieten. Und nein, auf den Bildern kann man auch keine wirkliche Entwicklung feststellen. Höchstens, dass die Kameras immer besser wurden, aber das juckt mich dann doch sehr wenig.

Trotzdem habe ich mir sagen lassen, dass die Erstauflage in 48 Stunden ausverkauft war und die zweite Auflage schon erhältlich ist. Der Grund dafür ist, dass die Erstauflage nicht groß war und von den Leuten vor Ort gekauft wurde. Wiederum jene, für die das Buch in erster Linie überhaupt erst erschienen ist. Irgendwie dann auch schon wieder okay, wenn man sehen möchte wo man überall war, oder was man verpasst hat.

Für Außenstehende wie mich aber eher langweilig, weil es halt wirklich nur Konzertbilder von Bands und Publikum ist. Schaut euch die Bilder an, die ich gemacht habe und entscheidet dann selbst.

104 Seiten

Emergency Records

ca. € 23,-

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky
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