Schrottgrenze – Alles zerpflücken

Indie-Punk

Schrottgrenze Foto: Chantal Pahlsson-Giddings
Foto: Chantal Pahlsson-Giddings

Ich hatte die Hosen gestrichen voll. Beim Plastic Bomb kam die neue Scheibe von Schrottgrenze nämlich gar nicht gut an. WTF! Ich feiere die Band schon seit ihrem ersten Album „Auf die Bärte, fertig, los“ und konnte eigentlich nur mit „Chateau“ und „Schrottism“ nicht wirklich was anfangen.

Umso erfreulicher, dass sie sich nach ihrer Trennung mit dem großartigen „Glitzer auf Beton“ zurückmeldeten. Und jetzt soll die neue Platte schon wieder schlecht sein? Man soll ja nicht alles glauben, was in diesem Internet so steht, denn „Alles zerpflücken“ macht genau da weiter, wo die Schrotties ihr voriges Album beendeten. Es geht um Geschlechterrollen, Freiräume, Solidarität und Rassismus, verpackt in schönen, poppigen Melodien.

Ich denke gerade das Thema `Queer´, dem sich Schrottgrenze seit ihrem Comeback-Album widmen, könnte einigen Menschen sehr viel bedeuten. Hoffnung und Stärke schenken. Denn mal ganz ehrlich, ich möchte nicht wissen, wie vielen Beschimpfungen Alex ausgesetzt ist, wenn er als Saskia Lavaux unterwegs ist. Und das thematisiert er natürlich auch: „Du braucht eine starke Wahlfamilie, der Hass ist krank…“, um dann aber im Song „Räume“ direkt mal klarzustellen: „Auch wenn man uns verdrängt, so ist doch klar, wie wir lieben ist nicht verhandelbar“.

Was nicht wirklich überrascht ist, dass die sympathische Sookee mit einem Feature vertreten ist. Hätte gerne mehr Parts singen dürfen. Dass am Ende von „Das Kapital“, einem umgetexteten Slime Klassiker, dann plötzlich tatsächlich Dicken singt, inkl. Solo von Elf, dann schon eher. Einziger Wermutstropfen, die Scheibe hätte gerne noch 1-2 Songs länger sein dürfen. Zum Ende noch ein passender Satz aus der Pressemitteilung: „Man kann zu ihnen die Faust recken, man kann dazu knutschen oder einfach nur feiern.“ Wie wahr, schönes Album!

Schrottgrenze - Alles zerpfücken

Info

Format: CD/LP/2xLP

Label: Tapete Records

Band Website: www.schrottgrenze.de

Label Website: www.tapeterecords.de

Marco Capgras

Exil Darmstädter, aus dem wunderschönen Bad Offenbach geflohen. 1995 - 2012 bei der Punkband „Ungunst“ am Mikrofon, mimt er jetzt bei seiner aktuellen Band „Captain Capgras“ den großen Zampano. Zwischendurch schnappt er sich mal seine Kamera und knipst ein bißchen fürs Polytox. Das will er so lange machen, bis er die Konzertfotografie beherrscht. Somit dürfte er uns also noch sehr lange erhalten bleiben…
Marco Capgras
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