Selfie mit Stalin – Der letzte Tanz

EBM-Punk

Wenn es um Musik aus Düsseldorf geht, werden natürlich immer und sofort Die Toten Hosen genannt. Kein Wunder, sind Campino und Co. doch eine der bekanntesten und erfolgreichsten Rockband im deutschsprachigen Raum überhaupt. Im Laufe des Gesprächs werden dann gewöhnlich auch Namen wie Fehlfarben oder Broilers fallen, und je mehr es ins Detail geht, werden vielleicht auch noch Bands genannt wie Family 5, Stunde X, Die Schwarzen Schafe oder Public Toys. Alles Bands, denen man den Einfluss der Toten Hosen entweder anhört oder die zur selben zeit ähnlichen Einflüssen ausgesetzt waren und deshalb eine gewisse Wahlverwandschaft zu den Hosen besitzen. Aber Düsseldorf hatte auch immer eine elektronische, experimentelle Musiktradition. Angefangen natürlich bei Kraftwerk, die Erfinder elektronischer Musik über DAF bis hin zu den Krupps und den Solosachen von KFC-Sänger Tommi Stumpf. Zumindest die drei erstgenannten können als Pioniere gelten, deren Strahlkraft weit über Deutschland hinaus geht.

Wie auch immer, was ich mit dieser umständlichen Einleitung eigentlich zeigen wollte: Düsseldorf hat mehr zu bieten als die Toten Hosen und ihre zahlreichen Epigonen. Und es ist schön zu hören, dass es mit Selfie mit Stalin endlich eine Band gibt, die mehr in der Tradition von DAF, Krupps und Tommi Stumpf stehen als in der der Toten Hosen.

Martin und Christian dürften aufmerksamen Beobachter*Innen der hiesigen Szenelandschaft vielleicht auch als Musikanten der Saigoons bekannt sein. Aber bei Selfie mit Stalin gefallen sie mir deutlich besser. Ich mag diesen elektronischen und im Fall von Selfie mit Stalin auch düsteren Sound, den wummernden Bass, die scheppernde Elektronik und die kühlen, desillusionierten Texte. “Der letzte Tanz” enthält einige sehr gute Lieder. “Die Welt brennt” gehört dazu, ebenso “Guiolltine” und mein Favorit “Fuck le Flair”, aber auch die übrigen sieben Lieder gehen gut ins Ohr, wie man im Rezensentenslang so schön schreibt.

Starkes Debütalbum! Ich hoffe, das war nicht der letzte Tanz!

Info:

Format: CD

Label: self released

Website: www.selfiemitstalin.de/

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Falk Fatal

Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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