The Baboon Show – Ein neues Interview

A Duty To Resist

Ich unterhalte mich gerne mit den Mitgliedern von The Baboon Show. Egal ob vor Ort, oder via Email. Da es diesmal in Wiesbaden nicht klappte und ich keine Lust auf ein Promo-Interview zur Platte vorher hatte, passiert das nun richtig fein zwischendurch. Also so richtig Fanzine-like. Ich als Heiopei, der die Band feiert und keinerlei Absprachen mit einer zwischengeschalteten Firma tätigen muss. Stattdessen sendete ich eine Nachricht Richtung Schweden, der Ablauf wurde wie die anderen Male besprochen und keine Woche später sind die Antworten da. Schön, wenn man ne Band kennengelernt hat, bevor sich andere Leute reinhängen und Abhängigkeiten schaffen, oder schaffen möchten und die Band das umgekehrt genauso sieht.

Teil 1 der Radio Rebelde Tour ist fast vorbei. Wie war der und wann kommt Teil 2?

Cecilia: Wir sind überaus glücklich damit, weil es bislang großartig war und wir viel Spaß daran hatten. Es war toll die neuen Songs in einem neuen Set zu spielen, das den Leuten bei den Konzerten offensichtlich auch gut gefiel. Yeah, das ist toll. Na und klar gibt es einen zweiten Teil, aber mehr möchte ich dazu jetzt nicht sagen.

Was sind die ersten drei Dinge an die du denkst, wenn du auf die Konzerte dieses Jahr zurückblickst?

Cecilia: Spaß, Spaß, Spaß. Aber auch schweißtreibend, sehr schön und großartig. Danke an alle, die auf der Tour waren, wir lieben euch!

Bei der Show in Wiesbaden kamst du für die Zugabesongs fast oben ohne, nur mit Tape auf deinen Brüsten. Im Publikum waren viele Leute sehr überrascht, fiel das auf?

Cecilia: Nein, nicht wirklich. Irgendeine Reaktion gibt es doch immer. Egal, ob oder was ich trage. Ey und Tape ist doch eine wirklich gute Lösung sich zu kleiden, wenn man sonst nichts trägt, hahaha.

Ist das Outfit als Statement zu verstehen?

Cecilia: Nein, das kann man eigentlich nicht sagen. Außer vielleicht, dass ich gerne Menschen provoziere und die Grenzen dessen ausprobiere was von einem erwartet wird. Also was jemand tut, sagt und sich verhält. Das möchte ich auch weiterhin machen. Ich schreie herum und nehme mir ansonsten den Platz, den ich benötige. Nichts was man von einer Frau sozusagen erwartet. Doch glaube ich, dass das wichtig ist und mache das bis zu meinem letzten Atemzug. Auch wenn es Leute gibt, denen das nicht passt, die sich darüber aufregen oder glauben es sei geschmacklos. Das juckt mich nicht.

Ich verstehe genau was du meinst und versuche ähnlich zu leben. Wie waren denn die Reaktionen der Fans abseits der Bühne?

Cecilia: Sowohl die neuen Lieder als auch die neue Show scheint den Leuten zu gefallen. Das ist natürlich schön zu wissen.

Schon der dritte Auftritt war als Support von Feine Sahne Fischfilet auf deren Tourfinale. Was für eine Beziehung habt ihr zu den Jungs?

Niclas: Wir lernten Monchi vor einigen Jahren kennen, als er im Peter Weiss Haus in Rostock ein Konzert mit uns organisierte. Da erzählte er uns von seiner Band und gab uns ihr erstes Album. Die ganze Band ist sehr freundlich und wir sind immer noch hier und da in Kontakt. Manchmal laden sie uns eben ein Konzerte mit ihnen zu spielen, was uns natürlich freut. Wir mögen die Band und finden, dass sie neben der Musik auch noch gute und wichtige politische Dinge machen, die bewundernswert sind.

Nahezu jedes Lied von euch ist ein richtiger Hit. Ist es da nicht schwierig eine Songliste zu schreiben?

Cecilia: Hahaha, das hast du schön gesagt! Es wist wirklich ziemlich hart. Für uns ist es wichtig eine dynamische Show zu machen. So versuchen wir eine gute Mischung zu finden, aus langsamen, schnellen, ruppigen, melancholischen, sing-along Songs usw. zu finden. Das Ziel ist einen Auftritt hinzulegen, den wir selbst gerne sehen würden und der nicht langweilig wird. Das ist nicht immer einfach. Aber nach all den Jahren bekommen wir das glaube ich ganz gut hin, oder?

Unbedingt! Ich sah, dass Andi (hat auch beim Pascow-Film bedeutend mitgewirkt) während der Show gefilmt hat. Heißt das von euch kommt ebenfalls ein Film?

Cecilia: Hahaha, nein, wir machen weder einen Film noch eine Doku. Mit dem Material haben wir etwas anderes vor. Lass dich überraschen. Sorry!

Beim Merch hattet ihr ein Shirt mit einem Uterus drauf. Hat das eine spezielle Bedeutung?

Cecilia: Zuerst finden wir das Motiv einfach schön. Eigentlich entstammt es dem Tourposter unserer Frühlingstour in Spanien – von Dr. Rock. Uns gefiel es auf Anhieb so gut, dass wir etwas damit machen wollten. Da wir in der Vergangenheit gewissermaßen auch Beschwerden bekamen, dass wir nicht genug Merch für Frauen haben, bot sich das förmlich an. Der Uterus in Kombination mit dem Girls To The Front-Schriftzug auf dem Rücken ist unserer Meinung nach ein perfektes Shirt-Statement.

Was war der Grund für den Song und den Inhalt zu Radio Rebelde?

Cecilia: Radio Rebelde ist der Name einer revolutionären Radio Station während der kubanischen Revolution. Den Sender gibt es heute noch. Na und da heutzutage rund um den Globus ein Haufen Mist passiert, wollten wir einen Song für all jene, die dagegen aufstehen und das ändern möchten. Wir wollen etwas verändern und wollten irgendwie einen Song der den genannten Personen mitteilt, dass sie mit diesem Wunsch und Verlangen nicht alleine sind. Es ist ein Lied über den Zusammenschluss von Menschen mit der gleichen Idee. Zudem ist es irgendwie auch ein Liebeslied. Wenn du jemanden liebst und diese Liebe erwidert wird, bist du niemals alleine.

Same Old Story ist ein sehr geiler Working Class Song – im Original von Knutna Nävar–, der die Menschen dazu auffordert zusammenzustehen. Tatsächlich macht es auf mich den Eindruck, das solche Werte heutzutage nicht mehr gelten. Stattdessen schauen alle nach sich selbst. Wie glaubst du kommen wir zurück zu einer Bewegung, die einen größeren Einfluss auf die Dinge bekommt?

Cecilia: Da stimmen wir dir absolut zu. In der heutigen Zeit bestimmen Individualismus und Egoismus das Leben der Menschen. Obwohl eigentlich klar ist, dass eine Gesellschaft so auf Dauer nicht funktioniert, weil es nicht förderlich ist. Früher oder später werden sich die Leute gegen den Individualismus und Egoismus auflehnen und gegen ihn begehren. Denn klar ist, wenn man in einer Gemeinschaft lebt, dann muss man Rücksicht aufeinander nehmen. So einfach ist das. Ich glaube fest daran, dass wenn wir das nicht tun, sind wir verloren und verdammt.

Sehe ich das richtig, dass Hurray eine Hommage an AC/DC ist. Wird es nicht Zeit, dass die sich jetzt endlich auflösen?

Hakan: Jap. Wir lieben AC/DC und denken deshalb auch, dass es an der Zeit ist, dass sie aufhören. Was da noch übrig ist, ist bloß Zirkus und hat mit den guten, alten AC/DC nichts zu tun. Soll Angus doch unter einem anderen Namen weitermachen. Angus And Friends …

Wie wichtig ist es denn nach dem Hinfallen wieder aufzustehen?

Frida: Das ist sehr wichtig. Wir lernen aus unseren Fehlern und machen dann weiter. Ebenso wichtig ist es in einer Gesellschaft zu leben, die es dir ermöglicht wieder auf die Beine zu kommen. Es muss möglich sein krank zu werden oder den Job zu verlieren und Hilfe aus der Gesellschaft heraus zu bekommen. Es kann nicht sein, nicht geholfen zu bekommen.

Kann es sein, dass ihr schon länger nicht mehr in Kuba gespielt habt? Was ist denn der Grund dafür und geht ihr denn nochmal?

Cecilia: Ja, das stimmt leider. Wir wurden zwar eingeladen, fanden bloß nicht mehr die Zeit dazu. Doch werden wir nächstes Jahr wieder eingeladen, versuchen wir alles, dass es erneut klappt. Uns selbst würde das auch wieder sehr freuen.

Raul Castro ist als Präsident von Kuba zurückgetreten. Wie wird die Zukunft des Landes aussehen?

Hakan: Ich kann nicht in die Zukunft blicken, gehe aber davon aus, es läuft wie immer: Die Revolution wird gewinnen. Die kubanische Revolution war ja auch nicht nur die Arbeit von Fidel und Raul. Sie waren die Anführer der Revolution und wurden in der Folge vom Volk gewählt. Viva!

Habt ihr noch Kontakt zu Personen vor Ort? Hat sich denn seit Trump etwas geändert und gibt es in Havana schon einen McDonald?

Hakan: Sicher, wir kennen ein paar Menschen dort. Hie und da reden wir über das Internet miteinander. Beispielsweise mit unserem ehemaligen Labelmenschen, der ein guter Freund von usn ist. Zudem war Yaimi, die Percussionistin unserer Havana Sessions, kürzlich in Schweden auf Tour. Mit ihr verbrachten wir auch etwas Zeit. Die Aggressivität der USA hat sich nicht groß geändert. Vielleicht hat sich das seit Trumps Amtsantritt etwas verschärft, es ist eben immer noch ein imperialistischer Staat, der Kuba nicht in Frieden lassen will. Die illegale Blockade besteht darüber hinaus auch ebenfalls noch.

Zum Schluss: Wer hat das Goldene Ticket gewonnen und kommt zu euch nach Stockholm zum Essen?

Cecilia: Das hat eine Frau namens Anja aus der Nähe von Köln gewonnen. Nochmal Glückwunsch Anja! Im Moment versuchen wir ein Wochenende zu finden, an dem das Essen in Stockholm stattfinden kann. Gerade sind wir viel unterwegs, da ist das nicht so einfach. Doch das wird schon klappen und dann freuen wir uns sie einzuladen und sie kennenzulernen!


Info:

The Baboon Show: Homepage, Facebook

Radio Rebelde: Homepage, Facebook

Kidnap Music – Label: Homepage, Facebook

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky
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