the toten Crackhuren im Kofferraum – Bitchlifecrisis

PC is was für Anfänger

Auf die Crackhuren-Bitches aufmerksam geworden bin ich sicher, wie viele andere auch. Über den Namen. Jedoch auch über die Songs „Geniale Asoziale“ und „Ich brauche keine Wohnung“. Beide vom 2013er-Album „Mama ich blute“, das mir Destiny-Jacho damals so gar nicht wie Sauerbier andrehen musste. Stattdessen kann ich mich noch recht gut daran erinnern, wie wir damals in der Reisegruppe zum Back To Future fuhren und das Album aufmerksam hörten und abfeierten. Gb es denn bis dahin mal ne vernünftige Elektropunk-Band, die es verstand Musik und Texte nur annähernd gut miteinander zu verbinden? Ich erinnere mich nicht.

Der Bundesvision-Songcontest

Sozusagen gerade wieder aus Glaubitz zurück, wurde ich von einem Berliner Kumpel in einem Kommentar bei wiederum einem Kumpel von ihm, auf Facebook markiert. Besagter Kerl hieß Timo (heute der Gitarrist von Arrested Denial) und suchte eine Schlafmöglichkeit in Mannheim während des Bundesvision-Songcontest. Als ich das damals so las, dachte ich „Danke Chris Kotze, was schickst du mir denn für Leute ins Haus. Leute, die zum Bundesvision Songcontest gehen!? Äh und wieso ist der überhaupt in Mannheim?“ Hier in der Stadt war die Veranstaltung, weil der Vorjahressieger Reichsbürger Xavier Naidoo war. Nicht gerade ein Qualitätssiegel. Hingegen Timos Auskunft schon. Denn er wollte unbedingt nach Mannheim kommen und hier bleiben, weil seine damalige Freundin eine Crackhure war und sie bei dem Spektakel mitmachen würden. Da ich wusste, dass Terrorgruppe-Jacho da mit drin hängt und Terrorgruppe-Archi als Bandmanager auch, wurde Timos Bett direkt bezogen und gewartet bis er kommt – hast also doch alles richtig gemacht lieber Chris Kotze.

Bis Timo kam, hat es zwar noch zwei bis sieben Tage gedauert, doch dann hatten wir einen sehr feinen Tag. Bis die Sonne unterging, saßen wir auf dem Balkon und wankten schon recht gut angeschickert in die Veranstaltungshalle, zu der Stefan-Raab-Veranstaltung. Den Lappen hatte man so gut wie nie gesehen, weil er die meiste Zeit in die Kamera zur TV-Übertragung mit Rücken zum Livepublikum glotzen musste. Das Brimborium drumherum war aber auch nicht viel besser. Der einzige Lichtblick war eben der Auftritt der Crackhuren mit „Ich brauche keine Wohnung“. Anteilig an dem ganzen Abend halt etwas arg kurz. Denn aus jedem Bundesland trat eine Band auf, die angekündigt wurde und bis zur Ergebnisverkündung trat halt auch fiel Blödsinn und Langeweile auf.

Nach über fünf Jahren kann ich mich aber noch sehr gut daran erinnern, dass wir ohnehin die meiste Zeit im Vorraum rumlümmelten, rauchten und Bier tranken und ne Menge Leute kennenlernten. Insgesamt war das ein ziemlich grandioser Abend als Gäste, weil da auch im Publikum ne Menge Freaks unterwegs waren. Wie es für die Crackhuren war, weiß ich gar nicht. Promomäßig aber bestimmt nicht schlecht und die Halle verließen sie als neunte.

Bitchlifecrisis

Von da an war ich mit der Band irgendwie enger verbandelt als mit vielen anderen. 2014 habe ich mir sie beim Back To Future genauso gerne angeschaut, wie bei einem Konzert in Weinheim im Café Central. Die Pause seitdem habe ich mir recht gut mit Sängerin Lulus anderer Band „Lulu und die Einhornfarm“ verkürzt.

So freute ich mich sehr auf das neue Album, denn den Elektropunk-Quatsch, den die derzeit vier Damen verzapfen, ist schon herzallerliebst. Mit der ersten Singleauskopplung, bzw. Videoclip „Jobcenterfotzen“ wurde ich da schon gut angefixt, wobei mir der Refrain etwas zu einfach ist. Doch den Beat im Ohr, klopfte ich gleich bei Terrorgruppe/Destiny-Records-Jacho an und verlangte den Rest der Platte. Denn alleine dieser Song überzeugte mich zu einem Interview (kommt nächste Woche, muss ich noch abtippen. Weil nicht per Email, sondern wild gesäuselt am Telefon).

Doch von den insgesamt 14 neuen Liedern, gefallen mir andere deutlich besser – nicht Ok Ciao, zu dem es auch ein ziemlich klasse Video gibt.

Mir gefallen „Wir sind keine Band (wir sind eine Selbsthilfegruppe)“ sowie „Behindert“, „Rumlaufen Stress machen“ oder „Keine von uns ist krank“ noch ein paar Ticken besser. Weil hey, Refrains wie „Komm, lass mal rumlaufen, Stress machen“ oder „Borderline, Borderline – ADHS“ sind im Zusammenhang mit den kompletten Text einfach bloß der Hammer und machen auf dem musikalischen Elektroteppich mal so richtig Freude. Wobei es nicht bloß die Refrains sind, die Texte im Gesamten bringen mich laufend zum mitsingen, wenn ich nicht gerade blöd vor mich hingrinse. Die Crackhuren sind herrliche Provokation für Leute, die sich gerne provozieren lassen. Alle anderen werden damit zotigen Spaß haben, der nicht nur unter die Gürtellinie zielt.

Ich freue mich, dass mit Bitchlifecrisis nach über viereinhalb Jahren wieder was von den Rotzlöffelinnen aus Berlin kommt und fiebere der Tour und dem Back To Future entgegen. Neben dem neuen trashigen Elektropunk-Album zwei Ereignisse, die ich euch genauso warm empfehlen kann. Zu übertreffen wahrscheinlich nur mit dem Erwerb der Special-Edition:


Info

Format: CD, LP

Band: Homepage, Facebook

Label: Homepage, Facebook

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky
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