TURBOSTAAT – Nachtbrot

Punkrock

Ich weiß noch, als ich 1999  oder 2000 in einem Fanzine las, dass Leute von Exil, Unabomber und Zack Ahoi eine neue Bands namens Turbostaat gegründet hätten. In meinen Augen war das so etwas wie eine jener berüchtigten Allstar-Bands, denn die Platten, die ich von Unabomber und Exil besaß (und noch immer besitze) fand (und finde) ich richtig gut. Toller Punk, tolle Texte und dazu diese gewisse norddeutsche Etwas. Zack Ahoi kannte ich von Samplern und fand ich auch in Ordnung. Ich hielt also die Augen nach Turbostaat offen und 2001 wurde meine warterei belohnt: “Flamingo” wurde veröffentlicht. Und das auf Schiffen!  Für mich immer noch eines DER besten deutschen Punkrocklabels überhaupt. Und was war dieses Album großartig. Emotionaler Punkrock mit guten, weil interessanten Texten und einem großartigen Händchen für Mitsingmelodien. Kurzum: Hit folgt auf Hit und “Flamingo” drehte Runde um Runde. Bis heute. Dann Turbostaat irgendwann live gesehen. Der geile Eindruck von Platten bestätigte sich.

Turbostaat & Flügeltierphase

Dann kam die nächste Platte. Wieder ein Flügeltier. “Schwan” war genauso geil, auch wenn die Band dazu schreibt, dass man die ersten beiden Platten im Grunde mit “Ich kann das nicht richtig” und “Das war anders gemeint” charakterisieren könne. Naja, sehe ich anders. Aber als Künstler sieht man das eigene Werk immer kritischer als der distanzlose Fanboy, der dann auch die darauffolgenden Nebenprojekte wie Lattekohletor verfolgte und abfeierte und sich sogar eine Maxi-CD der Beatsteaks kaufte, nur weil Jan dort bei “Frieda und die Bomben” mitsang. Aber das ist auch ein genialer Song, der mir deutlich besser gefällt als das Original von Fu Manchu.

Doch zurück zu Turbostaat. Das nächste Album ließ ein bisschen auf sich warten. Vier Jahre um genau zu sein. Und zwischenzeitlich war die Angst groß, die Band hätte sich aufgelöst. Stattdessen dann irgendwann die Nachricht, Turbostaat würden zum Major gehen. Dann die Angst, Turbostaat würden sich ausverkaufen. Taten sie nicht. “Vormann Leiss” war zwar etwas glatter als die beiden Vorgänger, stand diesen in Sachen Wucht und Aussage in nichts nach. Die Konzerte wurden langsam größer und manchmal auch etwas merkwürdiger. Ich kann mich noch an ein Konzert in der alten Schlachthofhalle in Wiesbaden erinnern. Die Tour wurde wohl von einem Rollerhersteller gesponsert und so standen dann solche Mopeds in einem abgetrennte Teil der Halle.

Kriechkotze: bitte nicht verwechseln mit der Sprungkotze

Mopedfahren mit Turbostaat

Aber bis auf diese kleinen Major-Label-Wirrungen und -Irrungen blieben Turbostaat die großartige Band, die sie waren. Und noch sind. Denn die hohe Qualität der ersten drei Alben wurde auch auf den nächsten drei Alben gehalten, vor allem das vorige Album “Abalonia” möchte ich hier aufgrund seiner Fantastischkeit noch einmal hervorheben.

Die Alben von Turbostaat blieben also großartig. Der Sound veränderte sich zwar, aber nur in Nuancen und jetzt existiert diese Band schon seit 20 Jahren und hat mir unzählige schöne Momente beschert. Mal auf Konzerten, oft genug allein in meinem kleinen Kämmerlein, wenn ich mal wieder die Texte der halben Platte mitsinge.

Turbostaat servieren Nachtbrot

Apropos Mitsingen: Nicht nur mir geht es so, dass ich diese wundervollen Textzeilen immer und immer wieder mitsingen will, sondern tausenden anderen Turbostaat-Fans auch. Ausgezeichnet dokumentiert auf “Nachtbrot”, dem Livealbum, das sich Turbostaat und uns zum 20. Geburtstag geschenkt haben. Wirklich bei jedem der 21 Lieder ist das Publikum lautstark zu hören, gleichberechtigt mit Jans Gesang, was die Atmosphäre eines Turbostaat-Konzerts sehr gut wiedergibt. Doch nicht nur die Aufnahmequalität auf “Nachbrot” ist ausgezeichnet, sondern auch die Songauswahl. Diese reicht vom ersten bis zum aktuellen Album und ist somit auch eine Art Best of-Scheibe. Abgerundet wird diese wundervolle Album durch die edle Aufmachung. Denn die Doppel-LP kommt noch mit einem 60-seitigen Fotobuch. Wirklich ein wundervolles Teil. Ein tolles, weil würdiges Jubiläumsalbum. Ich bin begeistert!

Turbostaat – Nachtbrot

Info:

Format: CD/Doppel-LP

Website: https://turbostaat.de/

Album kaufen: https://shop.turbostaat.de/

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Falk Fatal

Lügenbaron, Tunichtgut, Aushilfsmisanthrop. Zudem Herausgeber des fulminant-famosen Fanzines Der gestreckte Mittelfinger, Sänger der Oldiepunkband FRONT und Gelegenheitsschmierfink für diverse Schundpublikationen. Mimt hier eine Hälfte der Chefredaktion.
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