Wanda Records – Files #105 – #110 + La Flingue

Ein Fluss aus schwarzem Gold

Labelboss Monster von Wanda Records gebührt wieder alles Lob dieser Punkrock-Erde. Denn wie immer bemustert er nach wie vor in Vinyl. Geiler Mann das!

Ähnlich wie in den vorigen Files stimmt hier wieder etwas in den fortlaufenden Nummern nicht. Denn La Flingue haben keine eigene Wanda-Archivnummer. Wie es dazu kommt, kann ich bloß vermuten. Was verrate ich gleich in den Besprechungen.

La Flingue – Sticky-Sick Zéro-Six – No Filenumber

Eieiei, den Albumnamen tippen hat was von Blaukraut, bleibt Blaukraut und Brautkleid, bleibt Brautkleid. Des einen Fingerverknoter ist des anderen Zungenbrecher, oder so. Das kann ich euch sagen. Wie ist also meine Theorie zu der fehlenden Wanda-Archivnummer? Ich gehe mal davon aus, weil es keine Wanda-Soloproduktion ist, sondern auch noch P-Trash (R.I.P.), Crapoulet und No Front Teeth beteiligt sind. Aber wie das wirklich in Labelkreisen ist, weiß ich nicht, ist aber auch nicht weiter wichtig. Die 12“ bietet sechs neue Songs der ’77-NDW-Wave-Granate aus Frankreich auf 45 rpm.

Mir gefällt das richtig gut, weil da immer auch so ein bisschen der Wahnsinn des Sängers Olivier mitschwingt, den einige sicher von The Hatepinks kennen. Ne wirklich klasse Idee finde ich, dass der Liedersixpack in drei verschiedenen Sprachen vorgetragen wird: Französisch, Englisch und Deutsch. Hat was hübsch Durcheinanderes, das auch nicht vorhersehbar ist und damit auch wieder zu den Texten passt. Die sind nämlich auch ein bisschen gaga. Sprich, wer ein paar wirklich vergnügliche Minuten haben möchte, kommt an dem Vinyl nicht vorbei.

Nur schade, dass mal wieder kein Downloadcode dabei ist.

Info

Format: LP

Band: Bandcamp


The Crazy Squeeze – Savior Of The Streets – #105

Hm, mag sein, dass ich mich hier bei ein paar Kumpel*innen in die Nessel setze, aber mit The Crazy Squeeze werde ich so gar nicht warm. Das Vinyl besitze ich jetzt schon ein paar Monate und ich habe schon ein paar Anläufe gewagt. Doch der Funken mag nicht so richtig überspringen. Verlange ich zuviel? Ich weiß es nicht. Johnny Wittmer gefällt mir bei The Stitches eindeutig besser.

Vielleicht ist aber genau auch das Problem. Dass ich etwas in der Richtung der wild-durchgeknallten Westcoast-Punkrockikone erwarte. Stattdessen kommen The Crazy Squeeze sehr smooth daher. Das ist Glam, Pubrock und Rock ‘n’ Roll der softeren Version. Mucke, die ich in der Regel, wenn, dann überhaupt zum Aufstehen und den ersten beiden große Tassen Kaffee hören kann, bevor ich überhaupt richig aufnahmefähig bin. Hm, eventuell gehe ich die Sache wirklich mal so an und lasse sie auf mein Unterbewusstsein wirken. Bis dahin müsst ihr leider mit dieser Aussage hier zurecht kommen.

Info

Format: Lp mit Downloadcode

Band: Facebook


Telephone Lovers – s/t – #106

Inwiefern der Bandname etwas mit Objektophilie zu tun hat, mag man nur vermuten. Oder, es gibt Menschen, die verdienen bekanntlich ihr Geld damit einem die große Liebe über das Telefon ins Ohr zu hauchen. Aber irgendwie vermute ich, dass das mit der Band aus Los Angeles herzlich wenig zu tun hat. So richtig sehe ich es auch nicht an mir dieses mäßig interessante Mysterium zu klären.

Vielmehr wird von mir ja erwartet meinen Senf zu der Musik der Band abzugeben. Ich sag mal so, ich glaube Wanda-Monster hat sich von The Crazy Squeeze breitschlagen lassen ein Album ihrer Kumpels Telephone Lovers zu veröffentlichen. Vielleicht ist es nicht die dümmste Idee gleich zwei Scheiben unterschiedlicher Glam, Rock ‘n’ Roll, 70s-Bands rauszuhauen, aber machen muss man das zwangsläufig ja auch nicht. Oder? Bei den Telephone Lovers ist Nachhaltigkeitsfaktor noch geringer als bei ihren Kumpels. Vielleicht versuche ich mal die Herangehensweise wie bei The Crazy Squeeze, kann jedoch ne Weile dauern.

Info

Format: LP + Downloadcode

Band: Facebook


Not The Ones – TLC – #107

Das Berliner Trio macht richtig Freude. Es haut mich zwar nicht aus den Socken, doch die 13 Lieder laufen einwandfrei durch. Feiner poppiger Endsiebziger Punkrock mit lässiger Stimme, die auf einen Charakter schließen lassen dürfte, dass sie nur schwer was aus der Ruhe bringt. Cool halt. Live würde ich das mit den Socken aber nochmal überprüfen. Denn Not The Ones machen auf mich den Eindruck, dass sie gerade auf der Bühne sich erst richtig entfalten.

Da könnte ich mir gut vorstellen, nach dem dritten Lied zu versuchen mit den Bieren aufzuholen und von Song zu Song mitzuhalten. Denn in der richtigen Stimmung – die auf Piste ja immer die richtige ist –, kann man sich dem Dreier schlecht entziehen, wenn man ein Faible für den Sound hat. Hervorragend umgesetzt finde ich auch das ins englisch übersetzte Ton-Steine-Scherben-Cover „Ich will nicht werden, was mein Alter ist“, das dann „(What My Old Man Is) I Don’t Wanna Be“ heißt.

Und als weitere nicht ganz unwichtige Hintergrundsinfo, was den Mix betrifft. Dafür war Smail verantwortlich – die Type, die früher bei den Shocks nölte.

Info

Format: LP + Downloadcode

Band: Facebook, Bandcamp


Idol Lips – Street Values – #108

Bei den Idol Lips habe ich jetzt mal gemerkt, dass es wirklich von meiner Tagesform abhängig ist, ob ich mit Street Values zurecht komme oder nicht. Sie selbst behaupten Punkrock zu spielen. Meine Meinung ist das nicht, beziehungsweise habe ich eine andere Definition davon. Mir ist die Gitarre hier zu verspielt, die Jeans zu eng und die Beine zu breit. Für mich ist das schon ordentlicher Glampunk.

Aber wie erwähnt, bloß weil die jetzt nicht genau den Sound spielen, den ich unter Punkrock verstehe, sind die Kerle schlecht. Nö, die wissen schon sehr genau was sie tun und verfolgen das recht strikt. Street Values sleazt schön vor sich her, hat Spaß an seinem Dutzend Songs und kommt irgendwie auch mit einer ordentlichen Portion Augenzwinkern daher. Man steht auf Frauen, lässt sich treiben oder haut auch mal auf die Kacke. Doch nie so, dass man demnächst Thema beim nächsten Plenum ist, sondern sich die Leute in der Kneipe über einen amüsieren.

Info

Format: LP + Downloadcode

Band: Facebook


The Gaggers – Rip You Apart + Gag On This – #109 + #110

Aaargh, über The Gaggers sollte man eigentlich nichts mehr sagen müssen. Außer: Verdammte Axt wieso spielen die denn nicht mal diesseits des Ärmelkanals? Also im Falle es diese Band von Marco Palumbo doch mal wieder über einen kurzen Zeitraum geben sollte. Vor allem wenn demnächst ja noch alles bekloppter wird mit diesem idiotischen Brexit. Wann soll der eigentlich nochmal genau sein! Ehrlich gesagt interessiert mich das aber gar nicht mehr wirklich mittlerweile.

Na wie dem auch sei, auf Wanda erscheinen zwei wunderbare Vinyls dieser schneidigen ’77-Truppe aus London.

Schneidig insofern, weil die Stimme von Sänger Marco einen wirklich fordern kann. Denn die scheint von Natur aus schon recht hoch zu und beim engagierten Geplärre am Mikro wird die dann auch mal richtig fies. Weil wie es sich für einen gestandenen Punksänger gehört, muss kein Ton einwandfrei gehalten werden. Vor allem, wenn er so genörgelt daherkommt und so herrlich gewollt sowie gekonnt schrammelig von den Instrumenten begleitet wird. Rip You Apart ist die 2011er Wiederveröffentlichung des Debütalbums, wovon mir Two Fingers Down My Throat und Fix Me Up am besten gefallen.

Gag On This kommt mit der Subheadline The Complete Singles. Was das wiederum bedeutet wird jedem klar, der entweder die Band kennt oder oben aufgepasst hat und weiß, wer hinter Marco Palumbo steht. Das ist nämlich kein geringerer als der No-Front-Teeth-Labelguru, der mit 7”-Vinyl um sich schmeißt wie das schwarze Gold Rillen hat. Ich wurde ganz wuschig als ich die Doppel-LP im Klappcover und dem Artwork des Italondoner aus der Cellophan-Ummantelung befreite. Klar kommt es da zu Überschneidungen zu der LP oben, nur stört das hier kein bisschen. Immerhin handelt es sich Gag On This um eine Zusammenstellung von zehn (!) Singles und einer Gesamtspielzeit von gut 55 Minuten.

Um auf den Punkt zu kommen, die beiden LPs sollten in keinem Punkrock-Plattenregal fehlen. Egal ob man Sammler ist oder nicht. Für mich gehören The Gaggers ohne Wenn und Aber zu einer vernünftigen Grundausstattung.

 Info

Format: LP + Downloadcode

Band: Facebook

Bocky

Bocky

Aus dem Pfälzer Wald getrieben, schaffte es Bocky gerade über den Rhein bis nach Mannheim. Ende der Neunziger konnte er sich bis 2004 nicht entscheiden, ob er mit seinen Freunden lieber das Fanzine Pogo Presse veröffentlicht oder Punkkonzerte, Lesungen und Parties organisiert. Kurzerhand hängte er beides an den Nagel, um sich bald danach auf das Punkrock!-Zine zu konzentrieren. Doch nach knapp zehn Jahren und 24 Ausgaben wird dieser geile Lappen ebenfalls eingestellt. Nun markiert er erneut den Zampano aus der Asche.
Bocky
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