Wenn das ein Mailorder wäre – Teil 1

Wer diesen Blog liest, weiß sicher auch, was ein Mailorder ist. Dabei meine ich insbesondere die Abteilung „Tonträger“. Dort finden sich je nach Bekanntheitsgrad und Größe unzählige Alben mit Kurzbeschreibungen. In der Regel sind das diejenigen, die man auf dem Promoschreiben lesen kann. Das sind die Blätter, die den Alben beiligen und einem weißmachen, dass man gerade die neuen The Clash, Sex Pistols oder Ramones in der Hand hält. Lustigerweise gab und gibt es auch diverse Zines – digital und print – bei denen es sich ähnlich verhält. Unterschiede zwischen dem Werbeanschreiben und den angeblich eigenen Texten sind manchmal ziemlich schwer auszumachen. Sicher, hier und da gibt es richtig tolle Promoschreiben und dann finde ich es auch legitim sich davon was zu borgen. Doch in der Regel sollte man schon seine eigenen Worte finden.

Auf was ich eigentlich hinaus möchte. Bei mir stapeln sich zig Alben, die besprochen werden wollen, bloß habe ich keine Ahnung woher ich die Zeit nehmen soll, diese ganze Musik zu hören! Jedenfalls versuche ich jetzt im Mailorderstil zu besprechen, jedoch nicht ohne meinen eigenen Senf. Los geht’s

C4Service – Me First Society

Ich war mir jetzt erst nicht sicher, ob C4 wirklich dieser Sprengstoff ist, deshalb habe ich lieber mal eine Internetsuchmaschine befragt und siehe da: C4 ist erstmal Zeux für das Pre-Workout mit dem stärksten Kreatin und viel Koffein, dann ist damit ein Citroen-Modell gemeint und erst an dritter Stelle rummst das ordentlich. Anyways, die Band C4Service ist ein 5er deren Mitglieder alle im gesetzten Alter sind. Deutlich zu hören, dass alle schon lange Banderfahrung haben. Die wissen was sie tun. Feiner Punkrock, mal mehr, mal weniger zackig. Schöne DIY-Produktion, die seit Ende August erhältlich ist – auch auf Vinyl.

Verkaufswert 6-7 von 10.


Dammriss – Weil Leben schön ist

Sorry, aber das ist mit Verlaub, der dümmste Bandname seit Langem. Das hat dann wie im Beipackzettel auch nix mit Provokation zu tun, das ist bloß peinlich. Musikalisch ist das eher dröger Funpunk, mit dem ich eh noch nie wirklich was anfangen konnte und meinen Humor haben die Münsteraner auch nicht. Sorry Gerrit vom Label wegen dem „Totalveriss“, aber den haben die drei sich schon selbst zuzuschreiben. Bands, die sich über Facebook finden, sind bestimmt sowieso komisch.

Verkaufswert 1-2 von 10.

 


Graupause – Gestern wird super

Hui, hier ist von Beginn an klar, das die Kerle genau wissen was sie machen. Das sind sogar alte Kumpels, die kurz vor Corona wieder begannen Deutschpunk gemeinsam zu zocken. Das machen sie so gut, dass sie auf Aggressive Punk Produktionen veröffentlichen dürfen. Das Label gilt ja sozusagen als Qualitätscheck für aktuelle Bands in dem Bereich. Passt ja auch, denn Songwriting, Arrangements, Druck, Produktion, etc. stimmen halt. Wäre das nicht so, hätten sich Carsten von Oppperklopper oder Gunnar von Dritte Wahl sicher nicht hinreißen lassen mitzuwirken.

Verkaufswert 7 von 10.


The Hawaiians – Pop Punk VIP

Hm, die könnten mir in den letzten zwei Jahrzehnten schonmal über den Weg gelaufen sein, denn so lange gibt’s die drei schon als Band. Allerdings ist ihr Fokus auf Girls, Mädels, Frauen auch icht so vielschichtig als, dass ich mir sie hätten merken müssen. Feiner ramonesker Biertrink-Begleiter in der Kneipe. Da schau an, Track 13 ist sogar von und mit Richie Ramone!

Verkaufswert 5 von 10.

 

 


Hijack Broadcast + Pornscars – Split

Mit den Hallenser Hijack Broadcast werde ich so gar nicht warm. Das sind zwar nette Songs, aber sonst eben nix. Zudem scheppern mir die Becken und Hi-Hats zu sehr. In meinem Alter schmerzt sowas im Ohr. Pornscars aus Berlin machen das mit ihrem Murder Garage Punk Rock nicht besser. Die Lieder sind auch okay, doch nicht mehr. Aber vielleicht reicht das beiden Bands ja zum Feiern. So gesehen, dann schon wieder wunderbar. Richtig toll ist das Cover von Megan Clancy, nur weiß ich leider nicht wer das ist.

Verkaufswert 4 von 10.


Kontrollpunkt – Auf der Suche nach dem Punk

Herrje, wer hat euch denn das Cover versaut und dazu auch noch ein Comicbooklet verbrochen. Lasst das nicht die Grünen sehen, sonst müsst ihr wegen Ressourcenverschwendung eine hohe Strafe zahlen. Vollkommen zurecht übrigens! Schade, dass ihr euch die Hürde für eventuelle Fans selbst so hoch legt. Denn sowohl musikalisch, wie auch inhaltlich gibt’s da eigentlich nix zu meckern. Das ist zünftiger Deutschpunk, der öfter mal sogar nach Razzia oder ChaosZ klingt. Besonders gefallen mir übrigens die Songs gegen Rechtsruck-Deutsche.

Verkaufswert mit Blick auf’s Cover 2 von 10, ohne 6-7 von 10.


Das Leck – Wanka Stanka

Da schreibe ich eingangs noch was von den Promoschreiben, die auch hilfreich sein können und ausgerechnet das hier habe ich verbummelt. Das Leck verbindet interessante deutsche Texte mit Mucke, die von eingänig bis sperrig einiges zu bieten hat. Ich finde das ziemlich klasse, weil Musik hier defintiv auch was von einer Kunstform hat und nicht nur gut gespielte Begleitung ist. Das macht mir richtig viel Spaß, da werde ich mich mal informieren.

Verkaufswert 7-8 von 10.

 


Parkpunk – Arbeitenix

Nochmal was von Aggressive Punk Produktionen, sollte also was taugen. Da sie vieles richtig machen, sie gehen gut ins Ohr, singen über’s Saufen sowie gegen Rechts und schneiden kleine Samples ein, gehe ich davon aus, dass das Duo schonmal noch ne Weile am Start bleiben wird. In ihren besten Momenten haben sie sogar was von Kotzreiz. Fehlt halt die Konstanz.

Verkaufswert 5 von 10.

Bocky
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