„Wir haben geträumt… von einer besseren Welt“ –

Die Ärzte „Miles and More Tour 2019“ - Live in Prag/Great Hall Lucerna (17.05.2019)

Die Ärzte live in Prag

Um die folgende Geschichte richtig zu erzählen drehen wir die Uhren mal schnell auf Anfang Dezember 2018 zurück und gehen an einen Punkt, der uns zu einem zeitlichen Abschnitt führt, welcher noch weit weg vom diesjährigen Mai schien, so dass das unfassbare Glück, eine Karte für die selbsternannte „Beste Band der Welt“ erstanden zu haben, zwar spürbar war, doch Aufregung und starke Vorfreude wohl noch im Urlaub weilten.

Die Ärzte live in Prag
Die Ärzte live in Prag: Eine imposante Kulisse schaut und hört zu. Foto: Eddie Johnson

Dieser Zeitpunkt bzw. Moment war schon sehr entscheidet im Gefühlschaos rundum um mich und die Band. Naja, so dachte ich, das wird ein schöner Ausflug nach Prag, der Stadt der Brücken, der Hauptstadt eines der schönsten Länder auf dem europäischen Festland und natürlich nicht zu vergessen dem tschechischen Bier (und ja auch mir ist bewusst dass das wohl schmeckhafteste Bier aus einer anderen Region kommt 😉 ). So nun reden wir ja hier von einer Clubtour und diese lag noch ganze 5 ½ Monate vor uns.

Immer noch die beste Band der Welt

Da die Hauptprotagonisten nun auch nicht weniger als Die Ärzte sein sollten, waren auch nur die 3 Herren dazu befähigt Aufregung und Vorfreude schon viel früher als gedacht aus dem Urlaub zu holen und das dank einer fast perfekten Marketingstrategie. Diese jetzt hier komplett und ausführlich darzustellen würde eure Aufmerksamkeit nicht mitmachen, deshalb in Schlagwörtern ein kurzer Abriss – Wortakrobatik, neuer Song, ein fiktives Gewinnspiel und ein weiterer neuer Song, ach ja und mittendrin ein kurzzeitiger Gedanke an das Ende der Bandgeschichte. Also ein Auf und Ab , ich glaub nun versteht ihr auch, was ich anfangs mit dem Wort Gefühlschaos meinte. Genug der Vorrede, denn der eigentliche Zweck dieses Textes, soll euch ja ein wenig den Tag und das Konzert der Ärzte in der Great Hall Lucerna in Prag näher bringen und euch ein bisschen eintauchen lassen, in die zum teilweise unglaublichen Bilder.

Kurzer Zwischeneinwurf – hier werden einige Infos weitergegeben, welche ich nur mit Hilfe meines Freundes Mitch zusammenbekommen habe. Ich danke dir schon einmal für Fähigkeit die beste Datenbank der Welt zu sein.
Freitag, 17. Mai, Leipzig und ich darf meine Schulung schon eher verlassen. Bei insgesamt 3 auserwählten Teilnehmern fällt das schon auf, aber ehrlich geschrieben „Scheiß drauf“ denn heut sollte es schließlich soweit sein und Prag, Farin, Bela, Rod und ich vereinigt werden.

Die Ärzte live in Prag
Auch mit Blaulicht großartig: Die Ärzte live in Prag Foto: Eddie Johnson

Clubshow der Die Ärzte

Die Anzahl des Publikums war auch noch begrenzt auf knapp 2.000 Menschen. Wahnsinn, mehr geht nicht. Also ging es von Leipzig, pünktlich und nach Plan (mit der Bahn) gen Dresden, um dort zu einem Freund ins Auto zu steigen und die letzten knapp 170km hinter uns zu bringen. Die Zeit verging, bei geselligen Stücken von NOFX und Christian Steiffen, wie im Fluge. Im Auto waren wir noch zu dritt, doch vor Ort warteten schon weitere 7 Freunde, die zu Teilen am Vorabend schon beim Auftaktgig in Warszawa waren. Bester Augenblick der Hinfahrt – unsere Dame an Bord, glaubte bis zum besprechen der örtlichen Details (Größe, Lage und vor allem Kapazität des Clubs) an ein Konzert mit den üblichen 19999 weiteren Fans der Musikkapelle aus Berlin. Als ihr dann bewusst wurde, dass sie eine von relativ wenigen Menschen ist, die zugegen sein werden, war dieses unglaubliche Leuchten und diese unbeschreiblich Freude vorhanden, dass ich diese nicht wirklich in Worte fassen kann. Ich glaub sie hat auch nicht nur einmal gezittert, aber kann auch Einbildung gewesen sein.

Hehe…. Gut weiter im Text. Gegen 18.30 Uhr kamen wir in der tschechischen Hauptstadt an, lagerten schnell noch ein zwei Sachen im Auto und ab ging es zur Warteschlange, denn dort wurden wir schon erwartet. Dank meines Freundes Glocke hatte ich Kontakt zu einer Pragerin und diese erwartete uns sehr herzlich und zuvorkommend. Warum ist diese Person so wichtig – sie versorgte uns mit 2 Sitzplätzen, welche für uns von Nöten waren, da wir 2 Menschen an Bord hatten, die nur eingeschränkt mit ihren Beinen bzw. Füßen agieren konnten. Nach gut 25 Minuten waren wir auch schon drin und da begann es auf einmal in mir zu brodeln und die berühmte Nervosität stieg urplötzlich an. Die Besucher mussten, nachdem die sogenannte Ordnerschleuse durchquert wurde (gut ich bin einfach vorbeigegangen und hab gelächelt, hilft anscheinend doch öfter als gedacht 😀 ), mehrere Etagen in die Prager Unterwelt hinab steigen. Nicht dass ihr jetzt denkt, kenn ich solche Keller. Nee hier war es was vollkommen anderes.

Die Ärzte in der Lucerna Great Hall

Die Treppen und deren Wände waren pompös gestaltet. Stuckateursarbeiten wohin das Auge schaute. Eine schöner als die andere. Mal mit Gold überzogen, mal „nur“ so eingearbeitet. Staunen, bestaunen, glotzen, gaffen und die aufkommende Frage „Was passiert hier und wohin führen uns diese Treppen?“ Ganze 3 Etagen ging es in den Underground und dann kam das, was ich niemals erwartet hätte. Ich war sprachlos. Ich befand mich auf einmal in einem Theater mit Doppelrang. Boar dieser Anblick. Ihr kennt eventuell diese prachtvollen Säle, welche eigentlich für große Fürsten und/oder deren Veranstaltungen aus dem Boden gestampft wurden. Hier muss natürlich richtigerweise geschrieben werden, in den Boden gesetzt wurde. Grandios und den 3 Herren aus Berlin absolut würdig.

Gut dann hieß es erstmal Sitzplätze einnehmen (ein riesengroßes Dankeschön geht hier an Klara – denn neben zwei utopischen Plätzen erhielten sie auch noch jeweils gleich mal ein Freibier) und die ganzen Begebenheiten erblicken. Kleine Randnotiz – vor knapp einem Jahr spielten die Broilers ebenfalls in der Lucerna Music Hall, jedoch nebenan im 400 Besucher umfassenden Club, welcher auch sehr charmant und sehr punkig rüber kommt. Zurück zur größeren Location und den Musikern, die in jedem Jahrzehnt, seit den 80igern, Hits am Fließband raushauen. In der Great Hall Lucerna hatte kurz vor 20 Uhr jeder seinen Platz gefunden, so auch ich. Im hinteren Teil der Pogo-, Tanz- und Sing-wütigen Masse. Beim Blick auf die Bühne vielen auch sofort zwei Sachen ins Auge. Zum einen war sie, neben den üblichen Mikros und Schlagzeug, noch mit dem berühmten Ärzte Ä (ein A mit 3 Punkten auf dem Kopf), bestehend aus Glühlampen, versehen. Sonst nix. Sehr simpel und schlicht. Auf Herrn Felsenheimer’s Schlagzeug konnte ein Spruch gelesen werden – „This Instrument defeats fascists“ – dafür beide Daumen nach oben. Spannung, Aufregung, Nervosität, Erregen gaben sich die Klinke in die Hand. Es konnte und sollte endlich beginnen…und das tat es auch…

Die Ärzte live in Prag
Bela B. spielt den Graf Foto: Eddie Johnson

Zarathustra gibt Startschuss für die Ärzte

Ganz unaufgeregt wurde Richard Strauß’s „Also sprach Zarathustra“, völlig verhunzt, eingespielt und die Hauptdarsteller des Stückes, weshalb sich die Menschen zusammengefunden hatten, betraten ganz lässig, unaufgeregt und cool die Bühne. Ohrenbetäubender Lärm durchdrang den Saal und nachdem das Werk vom Herrn Strauß beendet war, ging es auch umgehend über und sie legten los. Leider kam hier nicht mein Introsongfavorit („Die Super Drei“), jedoch ein wirklich adäquater Ersatz mit „Rückkehr“. Von Anfang an war eine Energie und Power in Great Hall, die wirklich ni so oft erlebt werden durfte. Es folgten „Bravopunk“ und „Wie es geht“,eh sich die Herren dazu hingaben und das Auditorium begrüßten.

Farin erwies sich den wenigen Einheimischen gegenüber,das Publikum bestand 95% aus deutschsprachigen Menschen, als lernwillig und warf ihnen ein „Potím se jako prase“ entgegen und ja ich tat es auch. Hier trafen Clubhitze und Saunaaufguss aufeinander, schon bevor überhaupt eine Note gespielt wurde. Wie üblich dauern die Blödeleien meist ein Weilchen und deshalb verging einige Zeit bis zum nächsten Lied. Nicht so wild, denn hier kommt eine Info vom Mitch ins Spiel, welche ich selbst nicht erblicken konnte.

Bela trug an diesem Abend keine Stiefel, Sandalen oder Anzugschuhe, sondern „Blinkerschuhe“, die am Rand der Sohle mit einer grün und blauen LED-Reihe versehen waren. Ja geil unauffällig auffällig nenn ich diesen Style. 😀 Gut weiter im Programm. Es folgten weitere Musikblocks mit u.a. „2000 Mädchen“, „Das Lied vom Scheitern“, „Ignorama“, „Fiasko“, „½ Lovesong“ „Ein Song namens Schunder“ und auch „Kopf über in die Hölle“(was eines meiner persönlichen Highlights war). Mittendrin immer wieder Ansagen und auch die Herumlaberei, welche den ganzen Abend immer wieder aufkommen sollte.

Willi will’s wissen

Ein Roadie der Jungs hört auf den Namen Willi und daraus ergaben sich immer wieder musikalische Wortspiele, die nicht nur mir die ein oder andere Träne ins Gesicht zauberte. Ach ja Nerdwissen hoch zehn, dank der menschlichen Ärztedatebank, erstmalige Erwähnung fand dieser Willi 2003 in Stuttgart auf der „Jenseits der Grenze des Zumutbaren“ Tour. Die Euphorie und die ungebrochene Energie wuchs immer weiter und sowohl die „Beste Band der Welt“, als auch deren Anhängerschaft, hatten Lust alles abzureißen und auch alles zu geben. Eine Person war so überschwänglich im Freuderausch, dass sie von den Rängen ins Publikum springen wollte. Zum Glück wurde dieses Vorhaben unterbunden, denn bei aller Liebe zu Chaos, Punk und Anarchie, hier wäre es definitiv schief gegangen.

Zwar hatte man im Publikum einen guten Mix aus Jung, alt, Popper, Hopper, Rocker, Punker, Normalos, Betrunkenen, Berauschten und noch weiteren Kategorien, doch schienen sie mir nicht bereit zu sein einen Flug aufzufangen. Hier war, trotz diesem Gefühl, eine unbändige Kraft vorhanden und diese wurde durch weitere Lieder wie „Omaboy“, „Deine Schuld“, „Angeber“ und „Manchmal haben Frauen…“ weiter getragen. Als wirkliches Prunkstück der Setlist kann „Klaus, Peter, Willi und Petra“ bezeichnet werden, da es sich bei diesem Stück um einen unveröffentlichen Song hält und somit die Besonderheit deshalb hervorsticht. „Der Graf“ „Sweet Gwendoline“ und „Ist das alles“ brachten alle zum abdrehen. Der erste Teil der Aufführung war nach knapp 2 Stunden vorbei und wurde mit dem Lied „Abschied“ in die sogenanntem Denkpause gebracht.

Die Ärzte haben immer noch Sehnsucht nach Westerland

Es folgte eine kurze Verschnaufpause, bevor die 3 „jungen Hüpfer“ ihren eigentlichen Arbeisplatz wieder einnahmen. Es folgte das unschöne Highlight. Warum so negativ, wird die ein oder der andere Fragen. Die anwesenden Zuhörer sollten der Band huldigen und für diese das Lied „Westerland“ singen. Sagen wir mal so, die Band hat schon schön leise, akustisch gespielt, jedoch war es beschämend zu erleben, dass hier Textsicherheit heut keinen Zutritt hatte und somit Die Ärzte es nochmals Einsingen mussten. Schade. Immerhin war es in unsere Runde immer gut verständlich mitgesungen wurden. ;P Selbst beim darauffolgenden Lied schienen einige Anwesende schon zu viel tschechische Gastfreundschaft erlebt zu haben. „Zu spät“ bekommt in solchen Momenten auch immer wieder eine neue Bedeutung. Hehe…

Zugabe Numero Uno war vorüber und nicht nur ich schon ganz schön gezeichnet, aber Hey hier wurde nicht auf- sondern weiterhin alles gegeben. Nach kurzem Luft holen, kam auch schon Zugabe Numero Due. „Schrei nach Liebe“, „Unrockbar“ und „Junge“ schallten durch die Prager Unterwelt. Zwischenndrin wurde auch immer wieder mal Willi bedacht. Dann, nach gut 2 ½ Stunden, wurde nochmals zum Pausentee gerufen. In meinem Alter kann es gern öfter so laufen. 😀 Und dann war es soweit und die letzte Zugabe brach an. Angefangen mit „Hurra“ (ich liebe dieses Lied) und beendet mit „Dauerwelle vs Minipli“. Und dann war Schluss. Wow. Mit dem Knall diesen Abend beenden. Herz was willst du mehr…

Das Konzert war nun, nach 2 Stunden 53 Minuten vorbei. Schwach, keine 3 Stunden. Da geht definitiv mehr… Nee also hier mal jetzt die Ironiekeule eingepackt. Es war lang, ausgiebig, intensiv, überragend, heiß, laut, Energie geladen und um es mit einem Wort es zusammen zu fassen – phänomenal. Klar Kritikpunkte gibt oder gab es auch, denn perfekt ist ja nix im Leben, nur haben diese am Ende weniger mit den Berliner Urgesteinen zu tun, sondern mit bestimmten Abläufen, nur gehört das auch ni hierher. Glücklich und zufrieden ging es dann zurück nach Dresden. Auf dieser Fahrt gesellten sich noch unsere zwei Sitzplatzinhaber zu uns ins Vehikel.

Die Ärzte & ein wundervoller Abend

Einer von ihnen, nennen wir ihn einfach mal die „Die lebendige und fleischgewordene Ärzte – Enzyklopädie“, hatte auch noch ein DÄ-Quiz vorbereitet mit Fragen wie „ Wie wollten die Ärzte sich ursprünglich nennen?“ oder „Welches ist das meistverkaufte Album der Bandgeschichte?“ oder auch „Wo in Berlin haben sich die beiden Gründungsmitglieder erstmalig getroffen?“. Ihr seht die Rückfahrt war auch nochmal unterhaltsam, eh wir gegen 1 .30 Uhr Dresden erreichten und alle wohl und behütet ins Bett fielen.

Fazit – Prag, Die Ärzte , unsere Reisegesellschaft und die Prager Gastfreundschaft waren unglaublich und utopisch. Solltet ihr die Möglichkeit den noch sehr aktiven Jungs, im kleineren Rahmen, beim spielen zuschauen und lauschen zu können, dann kommt von mir ein 3x Ja und 1000x Machen. Das war echt groß und steht im Konzertvergleich ganz weit oben. So viel dazu von mir und immer schön die Augen offen halten, denn der nächste Streich folgt mit Sicherheit…

Eddie Johnson

Fast niemand kann Besserwisser leiden, aber ich mag mich. Aufgewachsen und groß geworden im östlichen anhaltinischen Fläming, leb ich aktuell in einem über eine halbe Millionen kleinen Kaff in Mittelsachsen. Ich hatte mal eine Glatze und bin aktuell wieder mit vollem Haupthaar versehen. Glatze kommt bestimmt eher als mir lieb ist wieder. Neben Konzerten von verschiedensten musikalischen Einflüssen (abgesehen vom heißgeliebten Punk, geht’s auch gern ruhiger oder mal mit Bass), sind auch Besuche von bestimmten sportlichen Veranstaltungen mein Steckenpferd.
Jetzt schreib ich hier über meine Gedanken und alles was so subkulturelles anfällt. Ich bin gespannt...
Eddie Johnson
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